BVB-Neuzugang Bellingham: „Ich bin von tollen Menschen umgeben“

Borussia Dortmund

BVB-Neuzugang Jude Bellingham stellt sich im Trainingslager in Bad Ragaz erstmals der Presse. Es ist ein selbstbewusster Auftritt. Der 17-Jährige weiß sehr genau, wo er hin will.

Bad Ragaz

, 15.08.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 4 min

Video
BVB-Neuzugang Bellingham: "Die Jungs sind großartig"

Jude Bellingham kommt in weißen Hotelschläppchen zum ersten Pressetermin mit deutschsprachigen Journalisten durch die Gartenanlage des Grand Resort Bad Ragaz geschlendert. Es geht bei jungen Fußballern scheinbar auch ohne teure Schuhe. Zum Abschied sagt der 17-Jährige, der in diesem Sommer für 23 Millionen Euro von Birmingham City zum BVB wechselte, freundlich „Auf Wiedersehen“. Hinter ihm liegt da ein erstaunlich abgeklärter und auffallend selbstbewusster Aufritt in der Medienrunde.


Jude Bellingham sprach am Samstagmittag über …


... seine ersten Tage bei Borussia Dortmund: „Die Spieler und Betreuer sind sehr nett zu mir. Es war ein großartiger Start. Sie wollen mich nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch kennenlernen. Und sie lassen mich auch sie kennenlernen. Auch neben dem Platz. Das macht es mir sehr leicht, mich schnell einzugewöhnen und mich schnell zu Hause zu fühlen.“


... seine Entscheidung für Borussia Dortmund: „Ich glaube, die Art und Weise, wie sich junge Spieler in Dortmund auf höchstem Niveau entwickeln können, ist perfekt für die nächsten Schritte in meiner persönlichen Entwicklung. Ich werde versuchen, das Vertrauen, das die Verantwortlichen in mich haben, so gut es geht zurückzuzahlen. Ich habe im Vorfeld des Wechsels nicht wirklich mit anderen Spielern über den BVB gesprochen. Ich war komplett fokussiert auf den Saisonabschluss mit Birmingham City. Ich war fest entschlossen, mit Birmingham den Klassenerhalt in der Championship zu schaffen. Das war das Wichtigste für mich.“

... die kurze Pause zwischen dem Saisonende in England und dem Vorbereitungsstart in Dortmund: „Der Klub und ich waren uns einig, dass ich von Beginn an dabei sein sollte. Um ehrlich zu sein, war das auch mein klarer Wunsch. Ich wollte direkt loslegen, die Jungs kennenlernen, zeigen, was ich kann. Ich war mental schon ein bisschen müde nach einer harten Saison in der Championship, aber ich habe mich bereit gefühlt, um vom ersten Tag der Vorbereitung mit dabei zu sein.“


... die Unterschiede zwischen Dortmund und Birmingham: „Ich glaube, die Städte sind sich sogar ziemlich ähnlich. In Sachen Fußball ist die Intensität beim BVB allerdings deutlich höher. Viele Spieler hier zählen zu den besten Fußballern der Bundesliga, manche vielleicht sogar zu den besten der Welt. Das Niveau hier ist auf allen Ebenen sehr hoch - und ich freue mich wirklich sehr darauf, mich hier selbst auszutesten und viel zu lernen.“

Jetzt lesen

... Ambitionen in seiner ersten Saison: „Alles, was ich tun kann, ist 100 Prozent zu geben. In jedem Training, in jedem Spiel, wenn ich die Chance dazu bekomme. Es ist gut losgegangen für mich, und ich will es so weitergehen lassen, um dem Coach die Möglichkeit zu geben, mich auch einzusetzen.“


... Birmingham Citys Entscheidung, die Nummer 22 nicht mehr zu vergeben:Es ist viel darüber gesprochen und geschrieben worden, aber das stört mich nicht wirklich. Unter dem Strich ist es eine tolle Geste von dem Klub, den ich liebe.“


... seine Trikotnummer 22: „Es gibt eine kleine Geschichte dahinter. Ich hatte einen Coach in Birminghams Jugendakademie. Als ich jünger war, wollte ich immer die Nummer 10 sein. Aber mein Spiel wurde vielseitiger und irgendwann habe ich gedacht, dass es meine Möglichkeiten limitiert, wenn ich immer nur eine Nummer 10 sein will. Also hatte mein Trainer die Idee, mich zu einer Nummer 4 zu machen, was man ganz gut mit der Sechserposition in Deutschland vergleichen kann. So kam es zur 22. Es war perfekt für mich und ich habe entschieden, diese Nummer so lange wie möglich zu behalten. Hoffentlich klappt’s.“

... Klarheit im Kopf, wenn einen viele Klubs verpflichten möchten: „Es ist nicht so schwierig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wenn man von so tollen Menschen umgeben ist wie ich. Sie alle haben mir geholfen, auf dem Boden zu bleiben, gerade auch in Birmingham. Abgesehen davon haben wir alle drei Tage ein Ligaspiel bestritten - und wir haben verzweifelt versucht, Birmingham City in der Liga zu halten.“


... die vielen jungen Spieler beim BVB: „Ich glaube, das hilft mir. Gio Reyna ist in meinem Alter und spricht Englisch. Er hilft mir sehr. Aber auch die anderen Jungs sind großartig. Ich spreche mit Ihnen, sie erklären mir, wie es hier läuft, weil mein Alltag in Zukunft sehr ähnlich ablaufen wird.“


... erste Deutschkenntnisse: „Ich kann leider noch nicht viel verstehen, um ehrlich zu sein. Und es ist sehr schwierig damit umzugehen, wie ihr hier Wörter aussprecht. Aber ich habe zusammen mit meiner Mama schon angefangen, erste Unterrichtsstunden zu nehmen, und wir geben unser Bestes. Ich mag „auf geht’s“. Das ist wie „Lets go!“, oder? Ich benutze das jetzt einfach die ganze Zeit.“

... die Wichtigkeit, dass seine Mutter mit ihm nach Deutschland gekommen ist: „Das hat für mich große Bedeutung. Es wäre sehr hart für mich gewesen, wenn meine Mutter, mein Dad und mein Bruder in Birmingham geblieben wären. Ich bin sehr glücklich, dass nun immerhin meine Mutter mit in Dortmund ist, nach mir sieht und mich so toll unterstützt. Das ist großartig für mich.“


... „das Vorbild“ Jadon Sancho: „Ich glaube, egal ob Jadon das auch so sieht oder nicht, dass er sehr viel Einfluss darauf genommen hat, wie junge englische Spieler darüber denken, ins Ausland zu wechseln, speziell nach Deutschland. Vom ersten Moment, in dem ich ihn hier getroffen habe, war klar, dass er ein bisschen nach mir sehen möchte. Wann immer ich Hilfe brauche, zum Beispiel bei einer Übersetzung, ist er zur Stelle. Er war bisher wirklich sehr nett zu mir.“


... seine Stärken: „Ich denke, dass ich sehr vielseitig bin, kreativ, auch ganz gut gegen den Ball arbeite. Aber ich muss natürlich noch sehr viel lernen - und ich will meine Qualität beim BVB auf ein neues und höheres Level heben.“

Jetzt lesen

... seine fußballerischen Vorbilder: „Früher habe ich immer zu Wayne Rooney aufgeschaut, aber er spielt natürlich ganz anders als ich. Später habe ich dann versucht, mein eigenes Ding zu machen und anders zu sein als alles, was vor mir da war.“


... Vergleiche mit Steven Gerrard oder Frank Lampard: „Ich möchte eigentlich nicht mit ihnen verglichen werden, obwohl sie natürlich großartige Spieler mit einer fantastischen Karriere waren. Ich will nicht der nächste Steven Gerrard oder Frank Lampard sein, ich will der erste Jude Bellingham sein. Ich bin ein anderer Spieler und eine andere Person.“


... seine Erwartungen an die Zeit beim BVB: „Persönlich möchte ich erst einmal so viele Spielminuten sammeln wie irgendwie möglich. Ich will gute Leistungen zeigen. Als Mannschaft wollen wir alles geben, um Titel zu gewinnen. Ich glaube, da können Sie jeden der Jungs hier fragen.“

... wertvolle Erfahrungen in der zweiten englischen Liga: „Die Zeit in der Championship hat mich ganz sicher reifen lassen. Ich bin früh zu einem wichtigen Teil der Mannschaft geworden - und dann musst du sehr fokussiert auf deine Aufgabe sein. Das hat mir mit Sicherheit geholfen und mich auch zum BVB gebracht. Ich hoffe, es läuft weiter so gut für mich.“


... besonderen Druck wegen seiner hohen Ablöse: „Ich glaube, der Druck, den ich mir selbst mache, ist höher als irgendein Preisschild.“


... Selbstbewusstsein: „Ich glaube, du musst selbstbewusst sein. Es bringt nichts, zu einem neuen Klub zu kommen und nur schüchtern und ruhig zu sein. Du musst rausgehen und deine Ziele verfolgen. Bei mir ist es einfach: Ich will für diesen Verein spielen - und hoffentlich werde ich es auch tun in der neuen Saison.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt