Derzeit hat Marwin Hitz (r.) beim BVB die Nase knapp vor Roman Bürki. © imago / firo
Meinung

BVB nimmt zur richtigen Zeit Fahrt auf – doch bei den Torhütern droht Ärger

Der BVB löst gegen Bielefeld endlich mal eine Pflichtaufgabe mit Bravour. Die jüngsten Erfolgserlebnisse geben Rückenwind zur richtigen Zeit. Auf der Torhüter-Position droht jedoch Ärger.

Am Ende klappte nicht alles, aber vieles. Reinier, Borussia Dortmunds brasilianische Leihgabe von Real Madrid und bisher wohl das, was nicht ohne Grund als Transferflop bewertet werden muss, traf mit seinem ersten Ballkontakt zum 3:0 für den BVB. Deckel drauf. Dritter Sieg nacheinander. Pflichtaufgabe endlich mal mit Bravour gemeistert – und sogar ein hoffnungsvolles Talent vom Zuckerhut mit deutlich gesteigerter Laune.

Der befürchtete Stolperstein Arminia Bielefeld wurde an diesem Samstag keiner für Schwarzgelb. Dieses Mal nicht. Anders als der FSV Mainz 05, anders als der 1. FC Köln, der FC Augsburg, der FC Union Berlin oder die TSG Hoffenheim. Edin Terzics Mannschaft zeigte – bis auf einen kurzen Schreckmoment vor der Pause, als Bielefelds Sergio Cordova die große Chance zur Gästeführung liegen ließ – die Souveränität und Seriosität, die sie in dieser Spielzeit bereits zu oft nicht auf den Platz bekommen hatte.

Die BVB-Formkurve des Jadon Sancho zeigt steil nach oben

Die jüngsten Erfolgserlebnisse in Sevilla, auf Schalke und nun gegen die Arminia kommen für den BVB genau zum richtigen Zeitpunkt. Es warten zwei schwere K.o.-Spiele gegen Borussia Mönchengladbach im Pokal und den FC Sevilla in der Champions League, dazwischen in der Liga die Dienstreise zum FC Bayern München, der in dieser Saison zwar keineswegs unverwundbar erscheint, aber trotzdem schon wieder Tabellenführer ist.

Borussia Dortmund darf seit dem späten Samstagnachmittag für sich reklamieren, mit Rückenwind in diese zwei spannenden Englischen Wochen zu starten. Die Phasen, in denen Terzics Spielidee und Werte auf dem Rasen erkennbar sind, werden länger, die Form der Führungsspieler sowie Leistungs- und Hoffnungsträger wird offenkundig besser. Jadon Sancho ist das schillerndste und auffälligste Beispiel, aber auch Marco Reus, Emre Can oder Giovanni Reyna unterstrichen gegen Bielefeld, dass ihre Formkurven wieder oder weiter nach oben zeigen.

BVB-Trainer Edin Terzic vermeidet ein klares Bekenntnis

Da ist es deutlich verkraftbarer, dass im Tor Ärger droht. Roman Bürki wird die Kröte, seinen Status als Nummer eins des BVB nach über fünfeinhalb Jahren vorerst los zu sein, nur schwer schlucken können. Und Marwin Hitz, der seit sieben Spielen im Dortmunder stehen darf und dabei schon zweimal schwer patzte (in Freiburg und gegen Hoffenheim) hat ebenfalls wenig Grund, vor Selbstvertrauen zu platzen. Denn ein klares Bekenntnis zur Wachablösung im Dortmunder Tor kommt Terzic nicht über die Lippen. Es gehe um „Leistungskultur“, sagt der BVB-Trainer. Das ist ein mutiger und völlig legitimer Weg, der freilich gut funktionieren kann, weil er beide Torhüter zu Bestleistungen treiben könnte. Er könnte aber im schlechteren Fall auch dazu führen, am Ende zwei Torhüter zu haben, denen das entscheidende Quäntchen Rückhalt fehlt.

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Wie so oft im Fußball werden über Terzics Plan nachträglich Ergebnisse und Erfolg richten. Hinterher ist jeder schlauer – und entweder war es dann gut oder halt nur gut gemeint. Fakt ist bereits jetzt: Im Erfolg ist alles einfacher, nicht nur die Einbindung brasilianischer Leihspieler. Wie lange diese jüngste und erfrischende Erfolgsbrise durch Dortmund wehen wird, darüber entscheidet in erster Linie der BVB selbst. Das wurde am Samstag einmal mehr deutlich. Was der Gegner macht, ist nicht so wichtig – zumindest dann nicht, wenn Borussia Dortmund vieles richtig macht. Vielleicht ist das nun endlich in den Köpfen der Spieler angekommen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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