BVB-Profi Jadon Sancho: Der Gentleman am Ball steht unter Druck

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Borussia Dortmunds Offensivrakete Jadon Sancho hat schwierige Wochen hinter sich – und vor sich. Die Erwartungen an ihn steigen weiter.

Dortmund

, 29.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es entstehen nicht nur Vorteile daraus, wenn die Augen des Königreichs auf einen einzigen Spieler gerichtet sind. Aufgrund der Zwangspause der Premier League schauten natürlich auch die Engländer ganz genau hin am Dienstag, als der BVB es mit den Bayern aufnehmen wollte – und knapp verlor. Das Interesse der Briten zog allen voran Jadon Sancho (20) auf sich, und das Urteil nach 45 in der Tat durchwachsenen Minuten in Hälfte zwei des Ligagipfels fiel beim englischen Boulevard überkritisch aus.

Der in England als zukünftiger Superstar gehypte Sancho habe „das Spiel nicht wirklich beeinflusst“, ätzte die „Daily Mail, die per Ferndiagnose „einen Mangel an Erfahrung und Fitness“ konstatierte. Die „Sun“ spottete gar: „Sanch-Slow“. Nicht gentlemanlike.

BVB-Profi Jadon Sancho hat schwierige Phase durchgemacht

Was viele nicht ahnen, weil Borussia Dortmund es nicht kommunizierte: Jadon Sancho hat gesundheitlich eine schwierige Phase durchgemacht. Wochenlang konnte der beste Scorer des BVB (17 Tore und 20 Vorlagen in 38 Pflichtspielen) wegen einer Wadenverletzung wenig bis gar nicht trainieren.

Diese muskulären Probleme bremsten ihn während der Zwangspause zusätzlich aus, der Rückstand in Sachen Fitness wuchs und wuchs. Über Kurzeinsätze gegen Schalke (elf Minuten) und in Wolfsburg (25 Minuten) arbeitete er sich an einen wettbewerbstauglichen Zustand heran. Gegen die Bayern war aber für jedermann offensichtlich: Sancho ist noch längst nicht im Vollbesitz seiner Kräfte.

BVB wollte Sancho schonen

„Wir müssen aufpassen, dass er sich nicht wieder verletzt“, argumentierte Lucien Favre, der BVB-Trainer sah am Dienstag noch keine Möglichkeit, seinen wichtigsten Offensivspieler von Beginn an dribbeln zu lassen. Am Sonntag in Paderborn könne Sancho „mehr als eine Halbzeit spielen“, also auch in der Startelf auftauchen, selbst wenn die Kondition noch nicht für 90 Minuten reiche.

Wie unersetzlich ein starker Sancho für das Dortmunder Offensivspiel ist, zeigte das Spitzenspiel auch. „Uns fehlte die letzte Beschleunigung, mit und ohne Ball“, lamentierte Favre. Also genau jene Elemente, die das Spiel seiner Nummer sieben auszeichnen.

Die Erwartungen an Sancho steigen – nicht nur beim BVB

Unabhängig von allen Transfergerüchten, die auf der Insel immer wieder angeschoben werden und bislang ohne sichtbare Auswirkungen blieben beim Londoner, reizt der Gedanke, die Reaktion des jungen Sancho auf diese Phase seiner immer noch startenden Karriere zu beobachten. Bislang hat er in verblüffender, fast ungesehener Konstanz sein überragendes Niveau abgerufen, sein überragendes erstes Jahr (13 Tore, 19 Vorlagen in 43 Partien) übertrifft er bereits jetzt, sechs Spieltage vor Schluss. Doch mit den Vorleistungen steigen auch die Erwartungen. Unfair, aber logisch.

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Jadon Sancho sei „auf jeden Fall eines der größten Talente, mit denen ich gespielt habe“, erklärte Mannschaftskollege Thomas Delaney. Doch ob die hohe Aufmerksamkeit, verbunden mit dem Druck, den Fintenkönig Sancho komplett unbeeindruckt lassen, da setzt Delaney im ESPN-Podcast ein Fragezeichen. „Mit dem Talent kommt viel Druck und ich glaube, dass er das langsam spürt durch das englische Nationalteam und Klubs, die an ihm interessiert sind“. Es macht dann doch einen Unterschied, ein unbelastetes Talent mit einer großen Zukunft zu sein oder ein Spieler, der nach derart gewaltigem Aufschlag nicht mehr als Nachwuchskraft wahrgenommen wird, sondern als Star. Der bitteschön liefern muss.

Sancho reift beim BVB weiter

Dieser nächste Schritt in der Karriere und der persönlichen Entwicklung von Sancho läuft, der Prozess ist bereits in vollem Gang. Als sei es ein optischer Beleg, hat der 20-Jährige einen Bart stehen und Haare wachsen lassen.

Mit reifen Leistungen hat er sowieso selten gegeizt, wenn er dem Ball schmeichelt wie ein Gentleman einer Dame, und nicht nur er selber wäre froh, wenn Englands Klatschpresse nichts zu spotten hätte, sondern auch der BVB.

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