BVB-Profi Nico Schulz in der Systemfalle - Bundestrainer Joachim Löw erklärt die Probleme

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BVB-Profi Nico Schulz sammelt gegen Weißrussland 90 Minuten Spielpraxis im DFB-Team. Der Auftritt gerät schwach - und Bundestrainer Löw zeigt auf, wo die Probleme des Dortmunders liegen.

Mönchengladbach

, 17.11.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nico Schulz huschte nur ganz kurz durch die Mixed Zone in den Katakomben des Borussia Parks in Mönchengladbach. Ein kurzes Interview beim Fernsehen, dann war der Linksverteidiger auch schon wieder weg. Mütze ins Gesicht - und ab in den Mannschaftsbus. Schulz hatte kein gesteigertes Interesse daran, über seine Leistung beim 4:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Weißrussland zu reden.

Schulz ist ein gutes Stück von seiner Topform entfernt

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Dafür sprach der Bundestrainer über den Dortmunder Neuzugang, der im Sommer für rund 25 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim zum BVB wechselte. Was Joachim Löw sagte, klang wie eine Mischung aus aufmunternden Worten und der durchaus kritischen Feststellung, dass Schulz derzeit ein ordentliches Stück von seiner Topform entfernt ist.

„Nico Schulz hat noch nicht wieder die Stärke und die Power, die er schon hatte.“
Joachim Löw

„Der Nico“, sagte Löw, „hat bei uns schon Klasse-Spiele gemacht und ich bin überzeugt, dass er da auch wieder hinkommt.“ Allein daraus konnte man ableiten, dass Schulz‘ Leistung gegen Weißrussland nicht unbedingt zu jenen „Klasse-Spielen“ gezählt haben konnte. Und Löw sagte eben auch: „Beim Nico spürt man, dass er aus einer längeren Verletzungspause kommt. Er hat noch nicht wieder die Stärke und die Power, die er schon hatte. Ich glaube, dass der Nico noch ein bisschen braucht, um wieder diese Dynamik nach vorne zu entwickeln, die er schon mal hatte.“

Im September, in der ersten Länderspielpause dieser Saison, hatte sich der gebürtige Berliner einen Teilriss eines Bandes in der linken Fußwurzel zugezogen und in der Folge sechs Pflichtspiele für Borussia Dortmund verpasst. Es ist einer der Gründe, warum Schulz die Baustelle des BVB hinten links in der Viererkette noch nicht so schließen konnte, wie es sich die Verantwortlichen von ihm erhoffen, aber es ist nicht der einzige.

Von Hoffenheim zum BVB - Schulz muss sich umstellen

„Auch von der Aufgabenstellung her gibt es Unterschiede zwischen Hoffenheim und dem BVB“, erklärte Löw am späten Samstagabend. In Hoffenheim spielte Schulz häufig als offensiver Linksverteidiger in einer Fünferkette mit mehr defensiver Absicherung im Rücken, in Dortmund spielte er bis auf eine Ausnahme beim 0:2 in Mailand, als er dieselbe Position wie in Hoffenheim bekleidete, stets in der von BVB-Trainer Lucien Favre favorisierten Viererkette - ohne Absicherung in der Rückwärtsbewegung. Das sei „schon eine Umstellung“, schilderte Löw.

BVB-Profi Nico Schulz in der Systemfalle - Bundestrainer Joachim Löw erklärt die Probleme

Nico Schulz (l.) macht beim BVB eine schwierige Phase durch. © dpa

Gewisse Zweifel, ob Schulz auch als linker Verteidiger in der Viererkette zu Topleistungen fähig ist, haben in Dortmund bereits nach dem ersten Drittel der Saison Einzug erhalten. Bei den Fans, aber auch bei den Verantwortlichen. Von „Physis, Tempo und extremer Dynamik“ jedenfalls, die BVB-Sportdirektor Michael Zorc dem Linksfuß bei der Transferverkündung im Sommer attestierte, ist in Schulz‘ ersten neun Pflichtspielen für die Schwarzgelben zu wenig zu sehen gewesen.

Aus „Schuuuulz“ ist ein ganz normaler Schulz geworden

Beim jüngsten 0:4 in München bekam er, wie viele andere BVB-Profis freilich auch, defensiv keinen Zugriff und fand nach vorne nicht statt. Aus „Schuuuulz“, wie der 26-Jährige nach solidem Saisonstart auf Anhieb von den Fans im Signal Iduna Park bei jedem Ballkontakt gerufen wurde, ist nach 770 Pflichtspielminuten für Borussia Dortmund erst einmal wieder ein ganz normaler Schulz geworden.

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„Wenn ich auf dem Platz bin, versuche ich auch, wie ein Mann Fußball zu spielen“, hat Schulz am Donnerstag in Anspielung auf den von Zorc im Vorfeld des München-Spiels geforderten Männerfußball gesagt. „Mal klappt es gut, mal weniger gut.“ Im Moment, daran hat sich auch am Samstagabend bei der Nationalmannschaft noch nichts grundlegend geändert, klappt es augenscheinlich eher weniger gut.

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