Schleichender Abwärtstrend! Darum laufen die Gegner dem BVB den Rang ab

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Die Gegner laufen dem BVB den Rang ab - im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Blick in die Statistik zeigt die nachlassende Bereitschaft der Dortmunder Mannschaft, Meter zu machen und zu rennen.

Dortmund

, 15.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser schleichende Abwärtstrend in Schwarzgelb hält seit Monaten an. Borussia Dortmund findet keinen Hebel für den Umkehrschwung. „Es kann nicht sein, dass qualitativ unterlegene Gegner uns allein durch Laufbereitschaft und Begeisterung komplett aus dem Spiel nehmen.“ Sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Am 3. März 2019 nach dem 1:2 seiner Borussia in Augsburg. Ein Satz, der seitdem allzu häufig für die Wiedervorlage taugt.

BVB-Coach Lucien Favre: „Es gibt kein Laufverbot“

Bei Borussia Dortmund läuft es nicht mehr gut. Weil der BVB seit Monaten nicht mehr gut läuft. Ein Fußballspiel auf höchstem Niveau ist komplexer als die vereinfachenden Statistiken. Was die Zahlen jedoch unwiderlegbar zeigen, ist die nachlassende Bereitschaft der Dortmunder Mannschaft, Meter zu machen und zu rennen.

„Ich habe, seit ich Trainer bin, immer gesagt, dass es wichtig ist, eine gute Ausdauer zu haben“, behauptet Lucien Favre auf Nachfrage. Der BVB-Trainer fordert Fußball mit Tempo, mit Intensität. „Es gibt kein Laufverbot. Viel zu laufen ist obligatorisch und sehr wichtig.“

BVB glänzt in der Hinrunde 18/19 mit überragenden Laufwerten

Tatsache ist, dass Favres Borussen in ihrer überragenden Phase in der Hinrunde der Vorsaison, als die erste Bundesliga-Niederlage erst Mitte Dezember fällig war, auch mit überragenden Laufdaten glänzten. Ein Jahr später rennen die Schwarzgelben statt 119,1 nur noch 115,3 Kilometer pro Spiel, also knapp vier Kilometer weniger. Mit dem Ergebnis, dass statt durchschnittlich 2,5 Punkten nur 1,7 Zähler auf dem Konto landen.

  • Insgesamt 15 Mal gab der BVB unter Trainer Lucien Favre in der Bundesliga Punkte ab. In 14 dieser Spiele lief die Borussia weniger als der Gegner.
  • Bei allen fünf Bundesliga-Niederlagen unter Favre spulte die Borussia weniger Kilometer ab als der Gegner.
  • In der überragenden Hinrunde 2018/19 (42 Punkte, 2,5 Tore pro Spiel) wiesen die Dortmunder auch besonders gute Laufwerte auf.
  • An diese kamen die Borussen in der Rückrunde und in dieser Saison nicht mehr heran - nur bei den Sprints gab es in dieser Spielzeit einen zarten Aufwärtstrend.
  • In der aktuellen Spielzeit liegt der BVB bei Laufdistanz und intensiven Läufen ligaweit nur auf Rang neun.
  • In der Rückrunde 2018/19 hatte der BVB noch einen Punkteschnitt von 2,0, in dieser Saison liegt er bisher nur bei 1,7 Zählern.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Eine Mannschaft muss nicht endlos Kilometer abreißen, um zu gewinnen. Ein zielführender Sprint ist besser als zwei unsinnige schnelle Läufe. Doch viel zu laufen erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg und im Umkehrschluss können eben Bundesligisten, die dem BVB spielerisch und qualitativ unterlegen sind, diese Defizite so wettmachen.

Der läuferische Einsatz fehlt in verschiedenen Phasen. Der gepflegte Spielaufbau gehört unter Favre zum Kern der Taktik. Bei zehn Prozent weniger an intensiven Läufen oder Sprints fehlt dann aber die Bewegung, um zwischen die gegnerischen Verteidigungslinien zu kommen. Wenn die Positionierung der Spieler nicht stimmt, weil sie nicht in die richtigen Zonen einlaufen, werden die Spielzüge vom Reißbrett nicht mehr funktionieren.

„Unsere Ballbesitzphasen sind in Ordnung, aber sie sind ohne jede Gefahr für den Gegner. Natürlich kann der Gegner kein Tor schießen, wenn wir denn Ball haben, aber wir müssen schon auch druckvoll spielen. Und das tun wir im Moment nicht“, klagte Kapitän Marco Reus nach dem 2:2 in Freiburg. Auch Mats Hummels vermutete dort: „Mit besserem Ballbesitzspiel und mit mehr Spielintelligenz hätten wir den Sieg mitgenommen.“

Gegner kaufen dem BVB den Schneid ab

Doch statt die Freiburger und den Ball laufen zu lassen, mussten die Dortmunder darauf reagieren, dass die Gastgeber anrannten. Wie zuvor diverse andere Gegner, die dem BVB mit einfachen Mitteln den Schneid abgekauft haben. Die höhere Qualität von Favres Elf ist hinfällig, wenn die Entscheidung im Kampfmodus fällt. „Da gibt es sicher Mannschaften, die auf diesem Gebiet besser sind als wir“, gestand Julian Brandt.

Schleichender Abwärtstrend! Darum laufen die Gegner dem BVB den Rang ab

© Deltatre

Noch ein Zorc-Zitat von Anfang März: „Die letzte Gier, das Tor zu machen und dieser brachiale Wille, mit letzter Konsequenz zu verteidigen, haben mir gefehlt.“ Das gilt auch im Herbst 2019.

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