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Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Bellingham spielt so gut, dass er eine Altersdebatte auslöst

Jude Bellingham übertrifft in seiner ersten Saison bei Borussia Dortmund alle Erwartungen und bricht Rekorde. Er ist mit 17 so gut, dass manche schon an seinem Alter zweifeln.

„Normale“ 17-Jährige gehen zur Schule, lernen fürs Abitur und leben vielleicht etwas in den Tag hinein. Wenn sie Fußball spielen, sind sie in der A-Jugend und kämpfen um den Sprung in den Seniorenbereich. Jude Bellingham hat dagegen beim BVB die Bundesliga – ach was – den europäischen Fußball in nur einem Jahr im Sturm erobert. Das ist so beängstigend, dass manche schon an seinem Alter zweifeln.

BVB-Youngster Bellingham spielt als wäre er viel älter

„Ich kann nicht glauben, dass er erst 17 Jahre alt ist. Vielleicht ist er ein Lügner. Er ist so gut für einen 17-Jährigen. Er ist ein fantastischer Spieler“, sagte Pep Guardiola nach der Champions-League-Partie des BVB gegen Manchester City.

Schon bei seinem alten Verein Birmingham City zweifelte man an Bellinghams Alter. „Er wirkt in keiner Weise wie ein Teenager. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man ihn auf 25 schätzen“, erzählte Brian Dick, Reporter der „Birmingham Mail“, vor dem Wechsel des jungen Engländers nach Deutschland.

Bellingham wird der hohen Ablöse des BVB gerecht

Und dann ist da noch die hohe Ablöse für einen so jungen Spieler: Stolze 23 Millionen Euro überwies die Borussia vor der abgelaufenen Saison an Bellinghams Jugendklub, bei dem er mit 16 Jahren schon bei den Profis spielte und der seine Nummer 22 nicht mehr vergibt. Nur für einen 17-Jährigen wurde weltweit bislang mehr Geld bezahlt (Alexandre Pato, 24 Millionen Euro, 2007/08 zum AC Mailand). Der BVB hat für einen Spieler unter 21 Jahren noch nie mehr ausgegeben.

Aber was ist es, dass alle, die Bellingham auf dem Platz gesehen haben, an seinem Alter zweifeln lässt? „Ich habe gesehen, wie er seine Innenverteidiger angeschrien hat und den Ball gefordert hat. Das ist unglaublich in diesem Alter“, kommt Guardiola gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist voll des Lobes. „Seine Präsenz ist beeindruckend. Er muss zwar auch noch viel lernen, aber macht schon sehr viel richtig. Zwischen den Strafräumen ist er quasi überall zu finden, das zeichnet ihn aus.“

In der Rückrunde verpasst Bellingham nur ein BVB-Spiel

BVB-Trainer Edin Terzic stimmt in den Chor der Lobeshymnen mit ein. „Das Einzige, was wir bei Jude Bellingham nicht kennen, ist sein Limit. Er hat so viel Potential und so viel Talent. Wir sehen das jeden Tag auf dem Trainingsplatz. Wir sind sehr glücklich, dass er so gute Leistungen zeigt.“

Bellingham zeigt seine Fähigkeiten aber nicht nur im Training. Schon in seinem ersten Jahr ist er praktisch nicht mehr aus dem Mittelfeld der Schwarzgelben wegzudenken. Während er in der Bundesliga-Hinrunde noch das ein oder andere Mal eingewechselt wurde oder wegen kleiner Blessuren aussetzen musste, verpasste der 17-Jährige in der Rückrunde nur noch ein Spiel wegen einer Gelbsperre.

Nur drei BVB-Profis spielen in dieser Saison öfter als Bellingham

Insgesamt kommt Bellingham in der Liga auf 29 Einsätze mit einem Tor und drei Vorlagen. In der Champions League und im DFB-Pokal steht der Engländer in jeder Partie auf dem Platz. Wettbewerbsübergreifend haben nur zwei Dortmunder (Mats Hummels und Marco Reus) in der vergangenen Spielzeit öfter gespielt als der Neuzugang mit 46 Begegnungen.

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Dass Bellingham so früh schon so eine große Rolle spielen würde, hat selbst BVB-Chefscout Markus Pilawa, der ihn vor seinem Wechsel über mehrere Jahre beobachtete, nicht erwartet. „Wir wollten ihm mehr Pausen geben, doch die wollte er nicht. Er ist im Kopf einfach so klar und hat eine solch starke Persönlichkeit, dass seine Entwicklung letztlich fast nicht mehr überraschend wirken könnte.“

Bellingham stellt beim BVB und in England mehrere Rekorde auf

Durch seine starken Leistungen in so jungen Jahren hat Bellingham bereits etliche Rekorde aufgestellt. Er ist der jüngste Torschütze eines Bundesligisten in der Champions League, keiner debütierte – und traf – in so jungen Jahren für die englische U21-Nationalmannschaft und als wäre das nicht genug, ist er durch seinen Einsatz für Englands A-Team bei der laufenden EM 2020 zwischenzeitlich zum jüngsten Spieler bei einer Europameisterschaft aller Zeiten geworden. Dass ihn seine Bundesliga-Kollegen zum Newcomer der Saison wählten, überrascht daher kaum.

Fazit:

„Alles, was ich tun kann, ist 100 Prozent zu geben. In jedem Training, in jedem Spiel, wenn ich die Chance dazu bekomme. Persönlich möchte ich erst einmal so viele Spielminuten sammeln wie irgendwie möglich. Ich will gute Leistungen zeigen“, sagte Bellingham im Trainingslager vor der Saison.

Knapp ein Jahr später kann man sagen: Er hat seine Ziele erfüllt und die Erwartungen aller anderen sogar deutlich übertroffen. Leistungsschwankungen sind in so jungen Jahren (normalerweise) natürlich. Aktuell spricht aber vieles dafür, dass Bellingham auch in der kommenden Spielzeit eine herausragende Rolle beim BVB spielen kann. Und alle, die an seinem Alter zweifeln, sollte eines beruhigen: Jude Bellinghams Mutter, mit der er in Dortmund lebt, kutschiert ihn stets zum Stadion und zum Training. Denn einen Führerschein hat Bellingham mit 17 Jahren eben noch nicht.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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