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Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Meunier enttäuscht komplett – und verspricht Besserung

Thomas Meunier erlebt beim BVB eine Premierensaison zum Vergessen. Abschreiben sollte man den Belgier deswegen noch lange nicht. Er hat das Potenzial zum Publikumsliebling.

Es dauerte nicht lange, bis Kritik an Thomas Meunier aufkeimte. Borussia Dortmunds Neuzugang, der ablösefrei von Paris Saint-Germain ins Revier wechselte, zog gleich zu Beginn der Saison 2020/21 viele Blicke auf sich. Und die meisten Beobachter schüttelten mit den Köpfen. Von den vielen Lobeshymnen, die dem belgischen Nationalspieler auch aus der BVB-Chefetage vorauseilten, blieb wenig übrig. Sportdirektor Michael Zorc nahm den Spieler zwar in Schutz und empfahl Kritiken „den Gang zum Optiker“. Tatsächlich aber wusste Meunier in der gesamten Spielzeit trotz vieler, vieler Bewährungschancen nicht zu überzeugen.

Meunier macht nur zehn Bundesliga-Spiele über die volle Distanz für den BVB

Der Blick auf die Daten: Von 21 Bundesliga-Spielen absolvierte der schlaksige Rechtsverteidiger nur zehn über die volle Distanz, die Passquote von 83 Prozent liegt weit unter dem Durchschnitt. 45 Flanken aus dem Spiel heraus sind zwar teamintern der Topwert – schmale zwei Torvorlagen erweisen allerdings überdeutlich, dass es Meunier bei den Hereingaben sehr oft an der nötigen Präzision vermissen lässt. Ein Tor, zwei Vorlagen – eine maue Ausbeute für einen Außenbahnspieler, der früher Stürmer war und im unnachgiebigen Offensivdrang eine seiner Stärken sieht.

Ansatzweise lassen sich die Qualitäten des kopfballstarken Belgiers aus den Zahlen herauslesen. Mit hochgerechnet 36 Sprints pro Partie bedeuten den BVB-Bestwert, mit 12,1 Kilometern spult er die viertmeisten Kilometer ab. Meuniers Kompetenzen liegen eher in seiner Physis und seiner Malocher-Mentalität. Ein begnadeter Techniker war und wird der 29-Jährige nicht mehr.

Meuniers Selbstbewusstsein ist sukzessive verschwunden

„Ich bin enttäuscht – und Sie vermutlich auch“, sagte Meunier Anfang des Jahres im Interview mit den Ruhr Nachrichten für einen Profifußballer ungewohnt offen. Sein Selbstvertrauen sei sukzessive völlig verschwunden. Als Beispiel nannte er die vergebene Großchance beim Supercup in München im September, als er über das quasi leere Tor zielte. „Ich erinnere mich mit Grauen an diese Szene. Die Wiederholung habe ich mir 30, 40 Mal angeschaut und ich bin im Sofa versunken. Wie konnte ich den verschießen?“

Neben der fehlenden Produktivität in der Offensive trübten teils unerklärliche individuelle Fehler in der Defensive das Gesamtbild. Bei einer Reihe von Gegentreffern hatte Meunier seine Füße im Spiel – als ein Negativbeispiel sie der zweite Gegentreffer beim 2:2 in Köln erwähnt.

Es gebe Erklärungsansätze für seine Formschwäche – er kam ohne Spielpraxis und Rhythmus aus Paris, verletzte sich zweimal zu unglücklichen Zeitpunkten, die in ihren Auftritten schwankende Mannschaft konnte ihn schwerlich einbinden. Ihm habe auch die fehlende Atmosphäre zugesetzt, einem Leidenschafts-Spieler wie ihm fehlten die Anfeuerungen von außen.

Meunier glaubt daran, sein altes Niveau wieder erreichen zu können

Dennoch: Es ist nach seinem missglückten Premierenjahr vor allem an Meunier selbst, das Niveau seiner Leistungen im schwarzgelben Trikot um mehrere Ebenen nach oben zu schieben. Er gehört zu den Besserverdienern beim BVB, mit ihm glaubten die Borussen, die rechte Seite für einige Jahre (Vertrag bis 2024) abgedichtet zu haben. Doch im Frühjahr bekamen regelmäßig erst der junge Mateu Morey und später der altgediente Lukasz Piszczek den Vorzug. In den finalen acht Ligapartien, in denen Dortmund mächtig aufdrehte, blieb Meunier sechs Mal ohne Einsatz. Er selbst verspricht: „Ich glaube fest daran, dass ich mein vorheriges Niveau wieder erreiche.“

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Und ein erstes Ausrufezeichen setzte Meunier beim ersten EM-Spiel der Belgier, als er beim 3:0 gegen Russland nach seiner frühen Einwechslung einen starken Eindruck hinterließ, das 2:0 selbst erzielte und den dritten Treffer mustergültig vorbereitete.

Fazit:

Thomas Meuniers erste Spielzeit in Dortmund endete für den Spieler wie für alle Beteiligten mit einer großen Enttäuschung. Als die erwartete Verstärkung, die auf dem rechten Flügel für die nötige Balance sorgt, stellte er sich nicht heraus. Bei den Fans bekommt der Belgier jede Menge Spott ab.

Doch das muss nicht so bleiben. Mit seinem Stärken/Schwächen-Profil und seiner tadellosen Einstellung zum Job steckt im Fußball-Arbeiter Meunier eigentlich ein Kandidat für einen Publikumsliebling. Es sei jetzt die Aufgabe des neuen Trainers Marco Rose, den Belgier „wieder hinzubekommen“, heißt es beim BVB. Sein erstes Jahr kann Meunier abhaken. Abschreiben sollten ihn die Schwarzgelben deswegen noch lange nicht.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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