Emre Can zeigte in der vergangenen Saison viel Licht - aber auch viel Schatten. © imago
Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Was Defensivallrounder Emre Can verbessern muss

Emre Can spielte in der vergangenen Saison oft, machte aber auch oft Fehler. Beim BVB und in der Nationalelf wird er für seine Flexibilität geschätzt. Trotzdem muss sich etwas ändern.

Wohl kein BVB-Spieler hatte in der abgelaufenen Saison eine so große Leistungsspanne wie Emre Can. Für jede gute Aktion fällt eine andere Szene ins Gewicht, in der der Abwehrmann unglücklich aussah. Der Dortmunder Allrounder machte zu viele Fehler – und trübte so den Gesamteindruck einer ansonsten guten Saison.

Can verursachte in der Champions League mehrere Elfmeter

Eine Szene bleibt dabei besonders in Erinnerung: Es war das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester City, der BVB hatte gute Chancen auf das Weiterkommen, als Can der Ball unglücklich gegen die Hand sprang und es Elfmeter gab. Absicht war ihm da nicht zu unterstellen – anders als im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Sevilla, in dem der Borusse Luuk de Jong umstieß und so leichtfertig einen Elfmeter verursachte.

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Dem gegenüber stehen aber auch Spiele, in den Can traf, kaum einen Zweikampf verlor und der BVB-Abwehr große Sicherheit verlieh. Starke 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der 27-Jährige in der gesamten Bundesliga-Saison, nur Mats Hummels holte bei den Schwarzgelben mehr. Fast 90 Prozent angekommene Pässe sind die viertbeste Quote beim BVB, und der Deutsch-Türke spielt bekanntlich nicht nur Sicherheitspässe. Auf der anderen Seite teilt Can sich mit Thomas Delaney und BVB-Youngster Jude Bellingham den ersten Platz für die meisten Fouls (34).

Can spielte beim BVB auf drei verschiedenen Positionen

Seine Variabilität kann zwar als Stärke ausgelegt werden, spricht aber auch dafür, dass er aufkommende Löcher stopfen muss und und sich so wenig Sicherheit auf einer Position holen kann – flexibel zu sein ist Fluch und Segen zugleich. Wettbewerbsübergreifend agierte der Defensiv-Spezialist 21 Mal als Innenverteidiger, 16 Mal im zentralen Mittelfeld und drei Mal sogar als Rechtsverteidiger. „Wenn ich gefragt werde, wo ich am liebsten spiele, dann sage ich: im Zentrum“, sagte Can bei der Nationalmannschaft.

Seine Vielseitigkeit führte dazu, dass er in allen Wettbewerben insgesamt 40 Spiele absolvierte und mit 3.142 Einsatzminuten die sechsmeisten im BVB-Kader hat. Abgesehen von einer Corona-Infektion im Oktober und einer Gelbsperre blieb Can nur dreimal in der Bundesliga ohne Einsatz und stand in 23 Spielen sogar in der Startelf.

Can ist beim BVB ein Führungsspieler – und sagt seine Meinung

Und auch, wenn er mal nicht spielt, ist Can einer, der seine Mitspieler motiviert. „Ich habe Emre vor der ganzen Gruppe gelobt. Er hat Mentalität vorgelebt – auch von der Bank aus“, sagte BVB-Trainer Edin Terzic, als Emre Can mal nicht von Anfang an auf dem Feld stand.

Can selbst sagte vor der Saison: „Ich versuche einfach voranzugehen und meinen Mitspielern zu helfen. Ich will die Mannschaft mitreißen und immer alles reinwerfen. Wenn ich das schaffe, bin ich auch ein Führungsspieler.“ In bester Führungsspieler-Manier sagte er, als Dortmund drohte, die Champions League zu verpassen: „Ich habe keinen Bock, in der Europa League zu spielen. Ich will Champions League spielen.“ Diese Aggressivität lebt er auch auf dem Feld.

Bundestrainer Löw schätzt die Qualitäten des BVB-Nationalspielers Can

Auch bei der Nationalmannschaft verspürt Can eine „große Lust auf eine Führungsrolle“. Er werde seine Gedanken mitteilen, wenn er das Gefühl habe, „was sagen zu müssen“. Seine Meinungsstärke und Flexibilität – bei Bundestrainer Joachim Löw spielte er zuletzt auf drei verschiedenen Positionen – brachten ihm eine sichere EM-Nominierung ein.

Fazit:

Grundsätzlich hohes Niveau, aber ein Durchhänger im Frühjahr: „Ich habe sehr viel gespielt und hatte dann einen kleinen Hänger“, fasste Can selbstkritisch seine Saison zusammen. Er darf mit Recht auf seine vielen Einsätze verweisen als Beleg für seine Wichtigkeit für den BVB. Mit Can macht man, egal auf welcher Position, erstmal nicht viel verkehrt. Trotzdem muss der Borusse (Vertrag bis 2024) seine Fehlerhäufigkeit verringern und die Konzentration hochhalten, um auch seinen eigenen hohen Ansprüchen zu genügen. Gelingt das, wird Can auch bei Neu-Trainer Marco Rose eine gute Rolle spielen.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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