BVB-Talent Tobias Raschl: Der Rückschritt für den Fortschritt

hzBorussia Dortmund

Ende der vergangenen Saison kommt Tobias Raschl zu seinem ersten Profi-Einsatz, dann legt ihn eine Verletzung lahm. Für mehr Einsatzzeit beim BVB wird er wohl einen Umweg nehmen.

Dortmund

, 30.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zuweilen bekommt die breite Zuschauermasse Tobias Raschls Top-Potenzial zu sehen. Der 20-Jährige schnappt sich dann sein Handy und präsentiert auf der Foto- und Videoplattform Instagram einen ausgewählten Trainingsclip. Häufig ist es ein feines Tor oder ein gelungenes Dribbling. Bei Raschl, diesem technisch versierten jungen Mann, sieht das ganz einfach aus. Allein: So leicht, wie es da scheint, tut er sich insgesamt beileibe nicht. Der Youngster hat es schwer.


Tobias Raschl befindet sich beim BVB weiter im Wartestand

In seinem zweiten Jahr als Mitglied der Dortmunder Profi-Abteilung ist Raschls Lage nicht wirklich vielversprechender als im ersten. Eher ist sie schlechter geworden. Für seinen favorisierten Einsatzbereich – das zentrale Mittelfeld – kam schließlich noch eine hochqualifizierte Kraft: Jude Bellingham, der 17-jährige, der weit über den BVB-Kosmos hinaus für Verzückung sorgt. Während sich Raschl, in der Jugend immerzu Leistungsträger, nach wie vor im Wartestand befindet.

Zumindest einen Bundesliga-Einsatz sammelte er in der Saison 2019/2020, am letzten Spieltag beim kollektiv blamablen 0:4 gegen die TSG Hoffenheim. Raschl wurde eingewechselt, durfte ein bisschen mitmachen. „Ein toller, großartiger Moment, den ich nie vergessen werde“, betont er in einer vor Kurzem erschienen Podcast-Folge von Borussia Dortmund. Diese 25 Minuten Einsatzzeit gegen die TSG machten ihm Lust auf mehr. Doch was ist wirklich drin für Raschl?

BVB-Talent Tobias Raschl: Der ewige Lehrling?

Dieser Frage muss er sich stellen – und versuchen, die bestmögliche Antwort zu finden. Im Training schuftet Raschl, um sich ein höheres Standing zu verschaffen neben den Axel Witsels, Thomas Delaneys oder Bellinghams. Weiterhin indes haftet ihm der Lehrling-Status an, die Konkurrenz ist groß. Und zu allem Überfluss streikte zuletzt auch noch sein Körper. Eine Bänderdehnung im Sprunggelenk legte ihn ab Anfang September mehrere Wochen lahm. Raschl sagt: „Leider hatte ich länger damit zu kämpfen als eigentlich gedacht.“

Jetzt lesen

Wochenlang musste er pausieren, nutzte zuletzt die Länderspielphase, um wieder an das Trainingsniveau der Profis heranzukommen – und gehörte immerhin in zwei von zwei Fällen zum Aufgebot in der Champions League. Der Kader bei diesen Partien gegen Rom (1:3) und Zenit (2:1) war arg dezimiert, Raschl stand zudem nur bei den Erwärmungsübungen auf dem Rasen - doch ein Anfang waren diese Berufungen allemal. Nun sollen weitere Fortschritte folgen.

BVB-Jungprofi Raschl will bald an „100 Prozent kommen“

„Ich hoffe, dass ich bald wieder an meine 100 Prozent kommen werde“, meint Raschl. „Danach will ich gucken, wie es läuft, ob ich mal im Kader stehen kann oder einen Kurzeinsatz bekomme.“ Er wolle „richtig fit werden – und nicht mehr so anfällig sein für kleine Bänderverletzungen“, sagt er. Und: „Ich denke, gerade zu Beginn werde ich ein, zwei, drei Spiele in der U23 machen, um wieder reinzukommen, um diese Spielpraxis zu haben.“

Jetzt lesen

Eben jenen Umweg ging er schon in der vergangenen Saison. Raschl probierte sich in der Regionalliga und kam dort 15 Mal zum Zug. Alsbald werden weitere Einsätze hinzukommen. Ganz so wie es der Techniker gesagt hat, ist es nach Informationen der Ruhr Nachrichten nämlich geplant. Schon am Samstag bei Fortuna Köln oder am Dienstag gegen Preußen Münster - wenn die Spiele denn stattfinden dürfen - könnte sein erster Arbeitstag bei U23-Cheftrainer Enrico Maaßen anstehen.

Tobias Raschl kann in der BVB-U23 wieder Erfahrung sammeln

BVB-II-Manager Ingo Preuß sagt auf Anfrage dieser Redaktion: „Wenn sein Fitnesszustand passt, wird er bei uns spielen. Dafür sind wir ja da. Er kommt dann in ein funktionierendes Team. Nicht so wie in der vergangenen Saison. Das kann nur gut sein – für ihn und für uns.“ So dürfte sich Raschl mal wieder im Wettkampf präsentieren, um das Gefühl dafür nicht gänzlich zu verlieren.

Jetzt lesen

Jedoch: Dass er anschließend in aller Regelmäßigkeit von Favre gebraucht wird, darf angesichts der bestehenden Qualitätsdichte in Dortmunds Profi-Abteilung bezweifelt werden. Und klar ist: Raschl braucht (hochklassige) Praxis. Verbessert sich seine Perspektive bis zum Winter also nicht sonderlich, ist ein Wechsel eine gut denkbare Alternative. Wenngleich Raschl betont, weiterhin geduldig zu sein.

Beim BVB muss sich Raschl hinten anstellen

Wer diese Eigenschaft nicht besitze „und es überstürzt“, meint das seit 2015 in Dortmund kickende Talent, sei fehl am Platz. „Du musst dich erst einmal hinten anstellen. Du kommst aus der Jugend und triffst auf erfahrene Profis, die teilweise schon fünf oder zehn Jahre im Geschäft sind und auf diesem Niveau spielen.“ Da, so glaubt er, sei Anpassungszeit nötig.

Jetzt lesen

Ihm und allen handelnden Personen wird allerdings bewusst sein: Dauert diese Anpassungszeit zu lange oder zeichnet sich die angepeilte Anpassung an das zweifelsfrei hohe BVB-Niveau nicht ab, wird es irgendwann zu einer Luftveränderung kommen müssen. Damit der Durchbruch gelingt - und Raschls Top-Potenzial nicht nur auf Instagram zu sehen ist, sondern im Fußballstadion.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt