Otto Addo kümmert sich bei Borussia Dortmund um die Top-Talente. © imago / Revierfoto
Borussia Dortmund

BVB-Talentetrainer: Darum verzichtet Otto Addo auf den Afrika-Cup

Otto Addo assistierte zuletzt dem neuen ghanaischen Nationaltrainer Milovan Rajovac - beim Afrika-Cup aber fehlt er. Das hat mit seinem Job bei Borussia Dortmund zu tun.

Parallel zu den europäischen Topligen läuft in Kamerun seit dem Wochenende der Afrika-Cup. „Für afrikanische Mannschaften ist es das größte Turnier nach der Weltmeisterschaft“, sagt Otto Addo von Borussia Dortmund. Im Oktober und November assistierte er dem neuen ghanaischen Nationaltrainer Milovan Rajovac, für das Turnier konnte er keine Zusage geben, weil ihm seine Arbeit als Toptalente-Coach und Mitglied des Trainerteams beim BVB auch wichtig ist.

BVB-Toptalente-Coach Otto Addo: „Das Niveau ist sehr hoch“

Mitfiebernd saß der 46-Jährige also am Montagabend in Dortmund vor dem Fernseher und sah, wie die „Black Stars“, für die er selber 15 Mal spielte, durch ein Gegentor kurz vor Schluss mit 0:1 gegen Mitfavorit Marokko verloren. In den weiteren Gruppenspielen gegen Gabun und die Komoren müssen Siege her, um noch in die K.o.-Runde einzuziehen. Die Wertigkeit der Spiele und des Turniers schätzt Addo hoch ein, zumal hohe Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit oder ein holpriger Rasen das Fußballspielen erschwere. „Ich weiß, was es bedeutet, bei diesen klimatischen Bedingungen zu spielen. Das ist alles andere als leicht“, sagt Addo. „Das Niveau der Spiele ist trotzdem sehr hoch, es stehen viele Topspieler aus den großen europäischen Ligen auf dem Rasen.“

Ex-Borusse Achraf Hakimi (Marokko) lieferte sich am Montag ein turboschnelles Duell mit Ghanas Flügelflitzer Kamaldeen Sulemana (Stade Rennes). Zu den großen Stars des Turniers zählen sicherlich Liverpools Mohamed Salah (Ägypten) und Sadio Mane (Senegal) oder Manchester-City-Angreifer Riyad Mahrez (Algerien), die auch bei den großen internationalen Fußballerwahlen weit vorn liegen.

Stellenwert des Afrika Cups leidet unter dem Termin zu Jahresbeginn

Ein Dilemma: Der Stellenwert und die mediale Öffentlichkeit des alle zwei Jahre ausgetragenen Afrika-Cups leiden unter dem Termin zu Jahresbeginn. Manche Klubs missbilligen es, ihre Spieler abzustellen. „Der Zeitpunkt des Afrika-Cups mitten in der Saison ist sicher ein Faktor, man sollte aber akzeptieren, dass es internationale Wettbewerbe gibt, die nicht unbedingt im Juni ausgetragen werden“, sagte der afrikaerfahrene Trainer Gernot Rohr, der zuletzt Nigeria zu Platz drei in Afrika und bis zur WM führte. Der Ex-Frankfurter Sebastien Haller, Stürmer der Elfenbeinküste und beim niederländischen Fußballklub Ajax Amsterdam, kritisierte in einem Interview „den Mangel an Respekt für Afrika“, wenn Spieler gefragt werden, ob sie nicht lieber im Land ihres Vereins bleiben wollen.

Als Spieler lief Otto Addo 15 Mal für Ghana auf. © dpa

Otto Addo wünscht sich eine übergreifende Lösung des Problems: „Der internationale Kalender ist voll. Die europäischen Klubs sind nicht glücklich mit dem Termin, und es schmälert auch die Wahrnehmung des Afrika-Cups, wenn die Ligen in Europa währenddessen weiterspielen. Um den Stellenwert des Turniers in der ganzen Welt zu erhöhen, müssten die Verbände hier eine zufriedenstellende Lösung für alle Seiten finden.“

Nur wenige Spieler aus der Bundesliga dabei, keiner vom BVB

Aus der Bundesliga ist nur ein Dutzend Spieler vertreten. „Hier gibt es seit Jahren den Trend, weniger Spieler aus Afrika oder Südamerika zu verpflichten“, sagt Addo. „Afrikanische Spieler suchen häufiger den Weg nach Frankreich, England oder Belgien.“

Und wer gewinnt den Cup im Endspiel am 6. Februar: „Bei diesem Turnier sind immer Überraschungen möglich, also auch für Ghana“, sagt Addo. „Wir müssen die beiden nächsten Gruppenspiele gewinnen, dann sehen wir weiter. Acht oder neun Mannschaften können den Titel holen.“ Er wird genau hinschauen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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