BVB-Trainer Lucien Favre nimmt seinen Kritikern vorerst den Wind aus den Segeln

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Der BVB schwimmt sich gegen Leverkusen frei. Der aufkommende Gegenwind hat sich fürs Erste gelegt. Das 4:0 hat einige Gewinner hervorgebracht, aber es gilt nachzulegen. Tobias Jöhren kommentiert.

Dortmund

, 14.09.2019, 20:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war vernehmbar Druck auf dem Kessel. Das erkannte man an der Aufmunterung für die Mannschaft vor dem Spiel von den Rängen, das erkannte man aber vor allem auch an den Aussagen der Protagonisten nach dem Schlusspfiff. Nun lässt es sich nach einem 4:0 gegen Bayer Leverkusen natürlich deutlich leichter plaudern als nach einem 1:3 bei Union Berlin, doch die Erleichterung war bei allen Beteiligten spürbar, dass all die aufkeimenden und drohenden Diskussionen rund um den BVB fürs Erste in die Wüste geschickt wurden.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Vier Tore geschossen, keins kassiert - und das gegen einen Gegner, der das Toreschießen durchaus in seiner DNA hat. Es war ein wichtiges Zeichen des BVB an sich selbst, aber auch an die Liga, dass dieses desillusionierende Fußballspiel bei Union Berlin womöglich nur ein Ausrutscher war. Borussia Dortmund jedenfalls brachte gegen die Werkself all das auf den Platz, was vor zwei Wochen in der Hauptstadt noch gefehlt hatte. Leidenschaft, Konzentration, Wille und Zielstrebigkeit. Der BVB verteidigte mit allem, was er hatte, wenn es nötig war, und er arbeitete zunächst einmal Fußball, um später spielerisch glänzen zu können. Die Reihenfolge passte dieses Mal. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Und so gab es gleich mehrere Gewinner in Schwarz und Gelb, die in eigener Sache Wiedergutmachung betrieben. Manuel Akanji zum Beispiel, der zeigte, dass er ein wichtiger Stabilisator in der BVB-Defensive sein kann, wenn er sein ohne Frage vorhandenes Potenzial abruft. Marco Reus, der mit zwei Toren die richtige Antwort auf die lauter werdende Kritik gab, der Kapitän habe zuletzt zu sehr mit sich selbst kämpfen müssen. Paco Alcacer, der bewies, dass er nicht nur dann wertvoll für Borussia Dortmund sein kann, wenn er den Ball über die Linie drückt, sondern sehr wohl auch spielerische Qualitäten besitzt.

Auch BVB-Trainer Favre darf sich als Gewinner fühlen

Thomas Delaney, der zu Beginn der Saison erstmals beim BVB nur Ersatz war, Borussia Dortmunds Mittelfeld gegen Bayer Leverkusen allerdings unheimlich viel Zweikampfstärke und Aggressivität verlieh. Und auch Lucien Favre durfte sich als Gewinner fühlen, weil er auf die vielen offenen Fragen vor diesem Fußballspiel fast ausschließlich richtige Antworten gefunden hatte.

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Nun kommt der große FC Barcelona. Der BVB geht ohne die Hypothek aus zwei enttäuschenden Auftritten, sondern mit einem Erfolgserlebnis in dieses besondere Spiel. Borussia Dortmund darf sich auf das Duell mit den Katalanen freuen. Mit Erleichterung im Rücken fällt das deutlich leichter als mit Gegenwind „frontal in die Fresse“, wie es Julian Brandt am Samstag sehr pragmatisch ausdrückte. Der Gegenwind für den BVB hat sich am Samstag ein bisschen gelegt. Nun gilt es, weiter Fahrt aufzunehmen. Die Richtung stimmt seit dem Wochenende wieder.

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