U23-Aufstiegsjubel: Teammanager Ingo Preuß (l.) und Zeugwart Paul Jankowski. © Groeger
Borussia Dortmund

BVB-U23-Teammanager Preuß: „Dann hätten wir auf den Aufstieg verzichtet“

Ingo Preuß erlebt als Teammanager der BVB-U23 die wohl schwierigste Saison seiner Amtszeit. Im Interview spricht er über den RWE-Protest, die Dortmunder Qualitäten und die Planungen für die 3. Liga.

Das Spiel in Wuppertal hatte Ingo Preuß wie gewohnt von der Tribüne aus verfolgt. Erst 15 Minuten nach Ende dieses Herzschlagfinals machte sich Borussia Dortmunds U23-Teammanager auf den Weg Richtung Rasen – die Mannschaft hatte es gefordert. „Ingo, Ingo, Ingo“ skandierte der sportliche Meister der Regionalliga West. Anschließend sprach der 62-Jährige im Interview über turbulente Wochen, die Aufstiegsmannschaft und die Personalplanungen.

Herr Preuß, wie haben Sie die vergangenen Tage und dieses aufwühlende Saisonfinale erlebt?Ich finde es schade, dass jede Menge Glückwünsche kommen und die Jungs sich freuen, ich mich freue, der ganze Klub sich freut – dahinter aber immer ein „Ja, aber …“ steht. Wir können für die Eingaben von RW Essen nichts. Ich bin einige Male als Co-Trainer aufgestiegen, jetzt das zweite Mal als Sportlicher Leiter, ich bin abgestiegen – und es war immer ein sportlicher Wettbewerb. Aber mit so viel Dingen abseits des Platzes wie in diesem Jahr, das habe ich noch nie erlebt. Das hatte oft genug wenig mit Sport zu tun. Wenn wir heute verloren hätten, hätte ich auch gratuliert, das gebietet der Respekt vor dem sportlichen Wettbewerber. Und für die Fans in Essen wäre es eine Riesennummer gewesen. Wir haben – und dabei bleibe ich – den Aufstieg nicht geplant, er ist sportlich entstanden.

Warum ist das Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und Rot-Weiss Essen so angespannt?

Wir haben unseren Job gemacht, wollten so viele Spiele wie möglich gewinnen. Ich habe da keine persönlichen Animositäten. Jetzt haben wird es geschafft, das ist grandios.

Das Spiel in Wuppertal verfolgte Ingo Preuß von der Tribüne aus. © Groeger © Groeger

Ganz freimachen konnten sich die BVB-Spieler davon nicht, oder?

Da denkt jeder drüber nach. Ich hatte die Hoffnung, es komplett von der Mannschaft fernhalten zu können. Dann ist es aber drei Tage vor dem Spiel rausgekommen. Ich wusste von den Eingaben schon ein paar Tage früher.

Wie bewerten Sie die Vorwürfe der Essener Seite?Wenn wir hätten mauscheln wollen zu dem Zeitpunkt der Quarantäne, hätte Essen alle verbleibenden Spiele mit 10:0 gewinnen können. Wir wären nach der Quotientenregel aufgestiegen, wenn wir kein Spiel mehr gemacht hätten. Aber wer will denn so aufsteigen? Dann hätten wir verzichtet.

Was zeichnet die Dortmunder Mannschaft aus?

Wir haben sicherlich Talente, aber keine Mannschaft, die permanent die Sterne vom Himmel gespielt hat. Wir haben ganz tolle Spiele gemacht, tolle Angriffszüge gezeigt. Aber das, was auf dem Platz abgelaufen ist, ist Top-Mentalität, das war Siegeswille und das war die Bereitschaft, wirklich alles zu geben bis zum letzten Spieltag. Auch die Spieler, die ich gleich verabschieden werde. Und das liegt einfach an unserem Trainerteam – insbesondere an Enrico Maaßen. Das, was er da gemacht hat, ist grandios. Wer Sportlicher Leiter ist und mal mit Enno etwas zu tun hat, der wird merken, dass das sehr, sehr anstrengend sein kann. (lacht laut) Alle haben top mitgezogen, alle haben dazu beigetragen. Das war vor neun Jahren genauso. Die Jungs haben sich in jeden Ball geworfen – das war auch nicht immer Feuerwerk. Die Spiele nach der Corona-Pause waren auch Quälerei.

Die Mannschaft feiert Teammanager Ingo Preuß. © Groeger © Groeger

Wie weit fortgeschritten sind die Planungen für die 3. Liga?

Wir sind mit Spielern im Gespräch, haben schon fünf Neue. Wir müssen noch mit dem ein oder anderen reden, ob er bleibt oder nicht bleibt. Wir haben jetzt nur zwei Wochen Pause, dann fängt die Vorbereitung schon wieder an. Wenn ich jetzt Phrasen dreschen möchte, würde ich sagen, dass ab heute der Abstiegskampf anfängt. Nein, wir wollen das natürlich gut machen, wollen ein gewisses Maß an Frische ins Spiel bringen und hoffen sehr, dass wieder Zuschauer kommen dürfen. Unsere Fans sind ja grandios, wie die uns heute in Brackel empfangen haben, einfach einmalig für eine U23. Das kann man nicht hoch genug loben. Um mich immer wieder aufzubauen, habe ich mir eine Szene aus der 3. Liga angeguckt – unser Heimspiel gegen Unterhaching (April 2015, Anm. d. Red.). Bei einer Niederlage wären wir weg gewesen. In der 90. Minute bekommt Unterhaching einen Elfmeter zugesprochen. Unser Torhüter Zlatan Alomerovic sieht die Rote Karte. Der eingewechselte Hendrik Bonmann hält und im Gegenzug machen wir das 1:0. Das war so geil. Unglaublich. Und heute Mittag kam eine Nachricht: „Deine alten Jungs drücken die Daumen.“ Marc Hornschuh, Henne Bonmann und Jule Weigl. Die haben mir ein Foto geschickt. Überragend.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Premium-Jahrgang 1981. Besetzte im Mittelfeld von Rot-Weiß Unna die Acht, bevor die Position überhaupt erfunden wurde. Studium der Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend ablösefreier Wechsel zu Lensing Media. Im BVB-Team polyvalent einsetzbar.
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