BVB-Profi Felix Passlack überzeugte bei seiner Premiere in der U23 auf ganzer Linie. © Thomas Bielefeld
Borussia Dortmund II

BVB-U23 wird vom Gegner gewürdigt: Der große Traum rückt immer näher

Der Aufstiegstraum der BVB-U23 wird immer realistischer. Nach dem souveränen Erfolg in Mönchengladbach wird den Dortmundern eine besondere Geste zuteil. Lob gibt es auch für Felix Passlack.

Gladbachs U23-Trainer Heiko Vogel machte unmittelbar nach der Partie gegen den BVB II einen ungewöhnlichen Abstecher. Nachdem er sich bei Dortmunds Coach Enrico Maaßen angekündigt hatte, steuerte Vogel die Kabine des Gastes an, stellte sich vor die schwarzgelbe Mannschaft und sprach ihr seine Hochachtung aus. Für die bisherige Saison-Leistung im Ganzen. Und die Leistung gegen sein Team im Speziellen.

Es waren durchweg anerkennende Worte, die von den BVB-Spielern aufmerksam registriert und final klatschend erwidert wurden. Vogel, der vor Kurzem eher unrühmliche Schlagzeilen produziert hatte, ging nach der noblen Geste mit viel Applaus. Eine Episode, die (wieder mal) zeigt, wie viel diese Dortmunder U23-Mannschaft in dieser Saison richtig macht. Gegen Mönchengladbachs oberstes Nachwuchsteam hatte der Tabellenführer zuvor mit 4:1 (2:0) gewonnen.

Der BVB II holt im 33. Saisonspiel den 23. Sieg

In Spiel 33 war es der 23. Sieg. Macht in Summe Platz eins – und ein Neun-Punkte-Polster gegenüber RW Essen, seinerseits der immer nervöser werdende Tabellenzweite. Während die Dortmunder Profis in den vergangenen Monaten häufig schlingerten wie ein TÜV-bedürftiger Sportwagen, funktioniert die U23 wie eine verlässliche, strikt nach Plan düsende Lok. Beim BVB II schaut man zumeist in viele fröhliche Gesichter.

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Regionalliga West, 35. Spieltag: Borussia M’gladbach II – BVB II 1:4 (0:2)

Mittelfeldspieler Franz Pfanne merkte grinsend an, dass sich die Mannschaft „die paar freien Tage“ jetzt auch wirklich verdient habe. Zuletzt wickelte der BVB II schließlich mal wieder drei Partien innerhalb von sechs Tagen ab. „Wir sind froh“, meinte Pfanne, „dass wir jetzt nur noch einmal wöchentlich spielen müssen, die Akkus immer wieder aufladen können, um in den sieben Spielen bis zum Ende noch einmal alles raushauen zu können für unseren Traum.“ Den Aufstieg.

Der BVB II hat im Aufstiegsrennen alle Trümpfe in der Hand

Wie viele Siege dafür noch nötig seien? „Alles liegt an uns, wir haben es in der Hand“, betonte Pfanne. „Und ob wir vier, fünf oder sechs Dreier holen müssen, ist völlig egal. Hauptsache am Ende steht der Aufstieg.“ Dieser alles übertreffende Erfolg wird von Woche zu Woche wahrscheinlicher. Zu stabil, zu abgeklärt präsentiert sich die Borussia. Gegen Gladbach überzeugte sie zuvorderst dank ihrer Effizienz und der stabilen Abwehrreihe.

Denn der Gegner besaß phasenweise durchaus mehr Spielanteile. Vor allem in der zweiten Hälfte, resümierte Kapitän Steffen Tigges, „haben wir kaum Zugriff bekommen“. Der BVB wurde recht weit zurückgedrängt, besaß nicht mehr die Kontrolle im Mittelfeld – in letzter Linie indes stand Maaßens Team stabil, ließ bis auf das nach einem Eckball von Michel Lieder per Kopf erzielte Gegentor (69.) keine weitere Großchance zu.

Felix Passlack feiert einen gelungen Einstand bei der BVB-U23

Also sprach Maaßen hinterher von einem „verdienten Sieg“ und „wunderschönen Toren“. Angreifer Richmond Tachie gelang das 1:0 (20.), Kapitän Tigges traf doppelt (28., 80.) – seine Saisontreffer 19 wie 20 – und Felix Passlack, der seinen Vertrag beim BVB verlängern wird, feierte sogar sein U23-Tordebüt (61.). Gegen Gladbach II spielte der Profi erstmals für den BVB II. Manager Ingo Preuß hatte ihn für diese Aufgabe gewinnen können – so besetzte Passlack im 3-4-1-2 die rechte Flanke.

Häufig positionierte sich der 22-Jährige auf Höhe der gegnerischen Fünferkette, stand somit weiter vorn als die sonst auf dieser Position eingesetzten U23-Spieler – und beschäftigte den Gegner permanent. Sicherlich passte nicht jede Passlack-Aktion, insbesondere in der zweiten Hälfte hätte er den anrennenden Kontrahenten zeitweise durchaus höher attackieren können, doch unterm Strich war es ein sehr gelungener Einstand beim BVB II.

BVB-Kapitän Tigges: „Felix hat die Aufgabe super angenommen“

Dessen Höhepunkt war der formvollendete Konter, der von Tachie eingeleitet über Tobias Raschl sowie Tigges bei Passlack sein perfektes Ende fand – der 22-malige Bundesliga-Spieler traf flach und hart. Anschließend durfte er zwar nicht öffentlich sprechen, heimste jedoch umso mehr Lob von seinen Mitspielern ein.

„Felix hat das super gemacht. Er hat noch nie mit uns trainiert und kannte die Abläufe überhaupt nicht. Aber er hat richtig Dampf gemacht“, sagte Pfanne. Und Tigges, der immerhin im Profi-Training schon mit Passlack zutun hatte, befand: „Felix hat die Aufgabe super angenommen, sich voll für uns reingehauen. Es ist immer schön, wenn uns ein so guter Fußballer unterstützen darf – und dann noch Lust dazu hat. Die hatte Felix heute ganz offensichtlich.“

BVB-U23 gegen Oberhausen: Weigelt-Einsatz fraglich

Passlack sammelte damit mal wieder ein paar Minuten Spielpraxis – und entlastete nebenbei noch Haymenn Bah-Traore. Nach seiner arg langen Verletzungspause wurde der U23-Mann seit Ende März dreifach von Anbeginn aufs Feld geschickt. Die erst dank Passlacks Einsatz möglich gewordene Verschnaufpause kam gerade recht. Wenn der BVB II kommenden Samstag auf RW Oberhausen trifft, dürfte Bah-Traore wieder voll belastbar sein.

Ob das ebenso für Henri Weigelt gilt, ist fraglich. Der Innenverteidiger, gegen Gladbach grundsolide von Youngster Albin Thaqi ersetzt, fiel zumindest beim freitäglichen Belastungstest durch und fehlte deshalb im Kader. Er laboriert an einer Muskelverhärtung. Maaßen wird abwägen und abwarten müssen, wie sich sein Gesundheitszustand entwickelt. Um dann zu entscheiden, welche personelle Zusammenstellung am meisten Sinn ergibt.

BVB-Trainer Maaßen: „Man braucht immer eine langfristige Vision“

„Wir bereiten uns Spiel für Spiel akribisch vor, versuchen immer, die bestmögliche Mannschaft zu finden“, umschrieb er nach dem Sieg gegen Gladbach die Dortmunder Herangehensweise. „Man braucht immer eine langfristige Vision, muss aber die kleinen Schritt gut machen, konzentriert und akribisch.“ Das gelang bis hierhin vorzüglich. Darum ist der Drittliga-Aufstieg längst in greifbarer Nähe.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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