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BVB und HSV tricksen sich zu Extra-Einnahmen in der neuen BRD

Vor 70 Jahren

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“ Dieser schöne Hesse-Satz gilt auch für die Bundesrepublik, die am 23. Mai 1949 gegründet wurde. Der BVB musste aber zunächst kreativ werden.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 30.05.2019 / Lesedauer: 3 min
BVB und HSV tricksen sich zu Extra-Einnahmen in der neuen BRD

Max Michallek brillierte 1949 im „internen Endspiel um die Zonenmeisterschaft“ gegen den HSV. © Repro: Kolbe

Gerade einmal drei Tage nach der Gründung der Bundesrepublik war „Vatertag“ in Deutschland, genau genommen „Christi Himmelfahrt.“ Einige Klubs nutzten den Feiertag, um die allerersten Fußballspiele in der neuen Republik durchzuführen. Zu diesen „Pionieren“ gehörte natürlich auch der BVB, der nach Gütersloh zu einem „Gesellschaftsspiel,“ wie es damals so schön hieß, reiste.

Interne Zonenmeisterschaft und was es bedeutet

Quasi als Aufgalopp für ein bemerkenswert-kurioses Match, das am Sonntag, dem 29. Mai 1949, in der heimischen Kampfbahn „Rote Erde“ stattfand. Borussia Dortmund traf in einer „internen Zonenmeisterschaft“ auf den ruhmreichen Hamburger Sportverein, den Deutschen Meister von 1923 und 1928.

„Interne Zonenmeisterschaft, was war das denn?“ - Die Antwort spiegelt den damaligen Zeitgeist wider:

Als die Währungsreform 1948 den drei Westzonen der späteren Bundesrepublik die D-Mark bescherte, standen auch die Fußballklubs vor einem absoluten finanziellen Neubeginn. Die erste Bestandsaufnahme lautete: „Kein Geld da und damit so gut wie keine sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten!“

Kein Geld, aber eine gute Idee

Doch bekanntlich macht Not erfinderisch. So ersannen zum Beispiel der BVB und der Hamburger SV im Frühjahr 1949 nach Abschluss der Oberligen Nord und West kurzerhand eine „interne Meisterschaft“ der britischen Zone, um zusätzlich Geld in der neuen harten Währung zu verdienen!

In den beiden Jahren zuvor hatte es nämlich offizielle Zonen-Meisterschaften gegeben, die ein großes Zuschauerinteresse fanden. Für 1949 war dieses Format vom DFB allerdings ad acta gelegt worden. Sehr zum Leidwesen des Westmeisters BVB und des Nordmeisters HSV, die eigentlich in den Genuss des finanziell lukrativen Endspiels gekommen wären.

BVB und HSV sichern sich zusätzliches Geld - am DFB vorbei

Also hatten sich die Präsidien des BVB und des HSV auf eine kleine Trickserei verständigt. Es wurde beim Westdeutschen Spielverband eine Freundschaftsbegegnung zwischen den beiden Oberligameistern angemeldet. Den DFB ließ man außen vor, um keine schlafenden Hunde zu wecken. In der Werbung allerdings wurde die Partie als „Fußball-Großkampftag“ und „Interne Zonenmeisterschaft“ auf riesigen Plakaten groß herausgestellt.

Leider regente es am besagten 29. Mai 1949 wie aus Kübeln. Deshalb folgten nur 18.000 Fußballfans der freundlichen „internen“ Endspiel-Einladung zum ersten Match in Dortmund nach der Gründung der BRD. Sie wurden jedoch nicht enttäuscht. Der BVB siegte nach großem Spiel mit 5:2.

Günter „Bubi“ Rau, der anstelle des verletzten Stammtorwarts Willi Kronsbein zwischen den Pfosten des BVB-Gehäuses stand, wies seine erstklassigen Reflexe nach. „Spinne“ Max Michallek schaltete und waltete nach Belieben. Zwei clever angelegte „Sperrketten“ ließen keine HSV-Entfaltung zu. Adi Preißler und Erich Schanko brillierten mit klugem Spielaufbau. Der „Erich mit der hohen Stirn“ entpuppte sich als Meister des tödlichen Passes.

Der „interne Zonenmeister“ BVB
  • So spielte der BVB damals: Rau; Ruhmhofer, Halfen; Buddenberg, Koschmieder, Schanko; Erdmann I, Michallek, Preißler, Kasperski und Lenz.
  • Die fünf Treffer für den BVB erzielten Erdmann nach einer Ecke, Michallek per Kopf, Kasperski mit seinem starken rechten Fuß, Lenz nach glänzender Vorarbeit von Ibel und Preißler, der selbst noch einen Abpraller nach feinem Freistoß von Michallek aus 25 Metern aufnahm und ins leere Tor beförderte.
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