BVB verarbeitet nur mühsam den Liverpool-Schock

Reden und Siege als Medizin

Reden. Sich aussprechen. Gemeinsam verarbeiten, was passiert ist. Die Geschehnisse sacken lassen und verdauen. In gleich mehreren Gesprächsrunden haben die Profis von Borussia Dortmund die Last-Minute-Niederlage in Liverpool vom vergangenen Donnerstag seziert. Das habe "nochmal richtig wehgetan", sagte Mats Hummels nach dem 3:0 seiner Mannschaft gegen den Hamburger SV.

DORTMUND

, 18.04.2016, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mats Hummels (r.) erklärte nach dem Spiel gegen den HSV: "Wenn der doofe Donnerstag nicht gewesen wäre, wäre die Saison weiterhin fantastisch."

Mats Hummels (r.) erklärte nach dem Spiel gegen den HSV: "Wenn der doofe Donnerstag nicht gewesen wäre, wäre die Saison weiterhin fantastisch."

Mehrere Spieler hatten sich auf Eigeninitiative getroffen, um zu diskutieren, wie das Spiel in Liverpool trotz klarer Führung noch verloren ging. Auch in der Mannschaftssitzung am Samstag hatte Trainer Thomas Tuchel der sportlichen wie der psychologischen Begutachtung viel Zeit eingeräumt.

Schmerzhafte Wunde

"Wir haben eindrucksvoll gezeigt bekommen, dass wir erstens verdient und zweitens selbstverschuldet rausgeflogen sind am Donnerstag", erklärte Hummels. "Da wurde ganz klar, dass die elf Mann, die auf dem Platz gestanden haben, das Ding in den Sand gesetzt haben."

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Die Wunde ist groß und schmerzhaft, nach einer Pleite dieser Art verständlich. Es wird dauern, bis sie sich schließt. Mit der Partie gegen den Hamburger SV sollte der Heilungsprozess weiter beschleunigt werden. Was anfangs nicht gelang. "Vielleicht lag das auch noch an dem Erlebnis vom Donnerstag", mutmaßte Matthias Ginter.

Tore haben geholfen

Doch nach zwei Treffern aus zwei Tormöglichkeiten überwanden die Borussen zumindest ein wenig ihren Schock. "Die zwei Tore vor der Pause haben uns sicher geholfen", sagte Ginter weiter und ergänzte, befragt nach einer möglicherweise befreienden Wirkung des Sieges gegen den HSV: "Selbst wenn wir heute 8:0 gewonnen hätten, wären wir in der Europa League nicht weiter."  

Der nur anfangs hartnäckige und früh dezimierte Gegner HSV und die doch irgendwie bereits gelaufene Bundesliga-Saison, diese Konstellation reichte noch nicht für eine zügige Genesung der angeschlagenen Borussen. Die Versuche der Spieler, in den Antworten wieder Normalität vorzuleben, waren gut gemeint und aufrecht.

Frustration und Enttäuschung

Und doch schwebte am Sonntag immer wieder dieses 3:4 durch den Raum. Bei den Fans, in den Stadiongängen, in der Stadt. Ein 3:0 gegen Hamburg reichte da nicht aus als Befreiungsschlag. "Das bringt uns nichts im Rückblick auf die vergangene Woche, und das bringt uns auch nichts im Hinblick auf das Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch", konstatierte Hummels.

Mit weiteren Gesprächen und Siegen als Medizin gegen das Gift von Frustration und Enttäuschung, mit der nächsten Reha-Etappe im DFB-Pokal am Mittwoch als willkommener Gelegenheit, soll es dann in kleinen Schritten zur Stabilisierung nach dem Kollaps kommen.

Finale in Berlin lockt

Immerhin lockt noch das Finale in Berlin, das die Borussen zum logischen nächsten Ziel erklärten. Der DFB-Pokal stand seit Saisonbeginn oben auf der Agenda, die Hoffnung, die Spielzeit mit einem Titel noch angemessen zu würdigen, ist ja berechtigt. Es dürfte bei aller Gesprächstherapie auch hilfreich sein, gleich die nächsten Aufgaben anzugehen. Und mit ein wenig Abstand wird die längst feststehende Vizemeisterschaft auch als eine beeindruckende Saisonleistung gewertet werden, und nicht nur als Trostpflaster.

Einen Grund, die Köpfe unwiderruflich hängen zu lassen, gibt es trotz des Tiefschlags nicht. "Wenn der doofe Donnerstag nicht gewesen wäre, wäre die Saison weiterhin fantastisch“, sagte Hummels. Jeder weitere Erfolg wird helfen, dies zu realisieren. Die Rekonvaleszenz ist in vollem Gange.

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