BVB-Verteidiger Nico Schulz auf der Suche nach seiner Position im System von Lucien Favre

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BVB-Verteidiger Nico Schulz hatte früh im Spiel in Barcelona die große Chance zum 1:0. Er vergab sie leichtfertig - eine Szene, die stellvertretend für die Form des Sommer-Neuzugangs steht.

Dortmund

, 29.11.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nico Schulz ist der erste BVB-Profi, der nach dem 1:3 beim FC Barcelona in Richtung BVB-Mannschaftsbus geht. Sein Blick ist stur geradeaus gerichtet, Fragen nach seinem unglücklichen Auftritt geht er damit aus dem Weg.

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Die Laune ist im Keller bei Schulz, vor allem wegen seiner persönlichen Geschichte an diesem Abend in der Champions League. Es ist eine regelrechte Flucht aus dem Camp Nou, wo eigentlich doch alle Profifußballer gern einmal spielen möchten. Für Schulz aber wird die Heimstätte des FC Barcelona zum Ort eines erneuten Albtraums.

Positionswechsel als Schachzug und disziplinarische Maßnahme

Ihn auf der linken Offensivseite aufzustellen, das kommt für alle erst einmal als überraschender Schachzug von Trainer Lucien Favre daher, wahrscheinlich auch für den Spieler selbst.

BVB-Verteidiger Nico Schulz auf der Suche nach seiner Position im System von Lucien Favre

Gegen den FC Barcelona tat sich Schulz in der offensiven Rolle schwer. © picture alliance/dpa

Der Gedanke dabei: In Hoffenheim interpretierte der 26-Jährige seine Rolle in einer Dreier-/Fünferkette extrem offensiv, in diesem taktischen Konzept konnte er auch seine Stärke einbringen, mit Tempo nach vorne zu kommen und gefährlich in die Mitte zu flanken.

Ihn von den defensiven Aufgaben in einer Viererkette zu entbinden, soll ihm helfen, seine offensiven Qualitäten zu bündeln.

Am Ende aber ist Schulz vor allem ein Opfer der disziplinarischen Maßnahme von Favre gegen Jadon Sancho. Denn von Flankenläufen ist bei Schulz nicht viel zu sehen am Mittwochabend.

Die Bewegungen von BVB-Verteidger Nico Schulz wirken schwerfällig

In Erinnerung bleibt sein Pech gleich nach einer Minute, als er die Hereingabe von Achraf Hakimi nicht an Marc-Andre ter Stegen vorbeibringen kann - und sein Schussversuch, der frei vor ter Stegen zum Rohrkrepierer wird.

BVB-Verteidiger Nico Schulz auf der Suche nach seiner Position im System von Lucien Favre

Das 1:0 auf dem Fuß - Nico Schulz vergab gegen den FC Barcelona früh die Chance zum Führungstor. © Guido Kirchner

Es ist eine Situation, die Nico Schulz mit etwas mehr Selbstvertrauen wohl anders gelöst hätte, in der er den Querpass von Hakimi angenommen hätte, noch ein paar Schritte gegangen wäre und sich dann eine Ecke ausgesucht hätte.

Dass Hakimi bei der Ballverarbeitung im Abseits stand und der mögliche Treffer nicht gezählt hätte, konnte kein Trost sein für Nico Schulz. Die Szene stand stellvertretend für die momentane Verfassung des Sommer-Neuzugangs.

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Schulz läuft über den Rasen, als hätte er Bleigewichte an den Beinen. Seine Bewegungen wirken schwerfällig, der Mut zu überraschenden Aktionen ist ihm abhandengekommen. Und sein Auftritt gegen Paderborn steckte in dem unsichtbaren Rucksack, den er momentan auf dem Rücken trägt.

Nico Schulz ist nach Marco Reus das markanteste Gesicht der Krise

Schulz überhaupt für die Startelf zu nominieren, das musste man nach seinen schwachen Leistungen im BVB-Trikot und in der Nationalmannschaft zuletzt nicht verstehen. Die geplante Aufbauhilfe für den mit Selbstvertrauen nicht gerade gesegneten Neuzugang schlug kapital fehl.

Der gebürtige Berliner ist nun beileibe nicht der einzige Dortmunder, der weit unterhalb der Normalform Fußball spielt. Doch Schulz ist vielleicht nach Marco Reus das markanteste Gesicht der Krise.

BVB-Verteidiger Nico Schulz auf der Suche nach seiner Position im System von Lucien Favre

Noch ist der Plan mit Nico Schulz aus der linken Seite als Teil einer dynamischen Flügelzange nicht aufgegangen. © picture alliance/dpa

Mit ihm erhoffte sich der BVB, eine Flügelzange installieren zu können, die mit ihrem Tempo gegnerische Abwehrreihen aufreißen kann. Doch Schulz fremdelt eklatant mit Lucien Favres Lieblingssystem. Die Aufgaben, die in der Viererkette auf ihn warten, scheinen ihn zu überfordern. Der Lerneffekt stellt sich allenfalls mit minimalen Schritten ein.

Auch auf der rechten Abwehrseite hat der BVB Probleme

Und rechts hat sich auch die Variante mit Achraf Hakimi als nicht stabilitätsfördernd erwiesen. Den Marokkaner setzt Favre seit längerer Zeit zumeist offensiv ein, was die Probleme auf der rechten Abwehrseite nicht löst.

Dort nur auf den immer öfter an seine Grenzen stoßenden Lukasz Piszczek zu setzen, bringt gerade gegen schnelle Außen andere Gefahren mit sich.

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Wie es weitergehen kann mit Nico Schulz, ist nur eins von vielen Problemen, die der BVB lösen muss. Die Hinrunde scheint verkorkst, die Hoffnung liegt darauf, über Weihnachten den Kopf frei zu bekommen und im Winter neu anzugreifen.

Bislang hat der Wechsel nicht die erhofften Früchte getragen. Grundsätzliche Zweifel an der Eignung des Nationalspielers für die Herausforderung in einem Top-Klub wie Borussia Dortmund machen sich breiter und breiter. Schulz droht zum Problemfall zu werden.

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