BVB-Vorstand feuert Trainer Eppenhoff - der rächt sich und setzt den Vorstand ab

BVB-Vorstandskrise vor 55 Jahren

Der BVB hat in seiner Vereinsgeschichte Höhen und Tiefen erlebt. Einiges war tragisch, anderes grotesk. So wie im Frühjahr 1964, als der BVB bundesweit für Heiterkeit sorgte.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 29.05.2019, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Vorstand feuert Trainer Eppenhoff - der rächt sich und setzt den Vorstand ab

BVB-Präsident Dr. Werner Wilms (rechts) mit Meistertrainer Hermann Eppenhoff und Herbert Sandmann (links). © Repro: Kolbe

Im Halbfinal-Rückspiel des Europacups am 29. April 1964 hatte der BVB in Mailand gegen Inter durch skandalöse Schiedsrichterentscheidungen mit 0:2 verloren und war nach dem vorangegangenen Unentschieden in Dortmund aus dem Europapokal der Landesmeister ausgeschieden. Wenige Stunden nach dieser schmerzhaften Niederlage entließ der BVB-Vorstand mit dem Brauereidirektor Kurt Schönherr an der Spitze den allseits beliebten Trainer Hermann Eppenhoff wegen despektierlicher Äußerungen. Angeblich hatte Borussias Erfolgscoach das äußere Erscheinungsbild einer Dame, die in Begleitung Schönherrs ins Mannschaftshotel kam, herabgesetzt.

Fans protestieren gegen die Entlassung des Trainers

Der weitere Verlauf der Dinge ähnelt einer Realsatire: Am Sonntag, dem 3. Mai, erhielt Trainer Hermann Eppenhoff seine schriftliche - fristlose – Kündigung. Zwei Tage später spielte der BVB in der Roten Erde mit dem Interimscoach Heini Kwiatkowski auf der Bank „unter der Woche“ gegen den HSV und siegte vor lediglich 7.000 Besuchern mit 5:2. Viele BVB-Fans waren aus Protest wegen der Eppenhoff-Entlassung der Partie fern geblieben; die Mannschaft hatte sogar erwogen, aus Solidarität mit dem geschassten Trainer das Spiel zu boykottieren.

BVB-Vorstand feuert Trainer Eppenhoff - der rächt sich und setzt den Vorstand ab

Deutscher Meister 1963 - auch deshalb ist Herrmann Eppenhoff in Dortmund sehr beliebt. Hier tragen die Spieler ihren Trainer auf den Schultern. © imago

Der Fußballlehrer bat aber darum, davon Abstand zu nehmen. Er hatte übrigens unverzüglich nach Erhalt der schriftlichen Kündigung seinen Anwalt um eine rechtliche Beurteilung der Jahreshauptversammlung vom Januar 1964 mit der Wahl des aktuellen Vorstands gebeten, das Ergebnis ließ wiederum ganz Fußball-Deutschland aufjauchzen.

Eppenhoff deckt auf: Satzungswidrige Vorstandswahl

Die Vorstandswahl war eindeutig satzungswidrig und deshalb unwirksam. Der Schönherr-Vorstand war also rechtlich betrachtet gar nicht ins Amt gelangt und konnte demgemäß auch den Trainer Hermann Eppenhoff nicht wirksam kündigen. Am nächsten Morgen hatte der BVB kein Präsidium mehr, aber wieder einen Trainer namens Hermann Eppenhoff.

Aus dieser veritablen Vorstandskrise wollte und musste man so schnell wie möglich wieder herauskommen, um als Klub nicht völlig das Gesicht zu verlieren. Also wurde für den 29. Mai 1964 - heute vor 55 Jahren - eine außerordentliche Hauptversammlung im Festsaal der Hoesch AG Westfalenhütte anberaumt. Eine Frage überfrachtete alles: Wer würde das Präsidentenamt übernehmen?

Dr. Werner Wilms springt als Präsident ein

Nachdem verschiedene potentielle Kandidaten dankend abgelehnt hatten, erklärte sich Schönherrs langjähriger Vorgänger Dr. Werner Wilms bereit, die vakante Position für ein paar weitere Monate zu übernehmen. Gemeinsam mit ihm stellten sich Herbert Sandmann, Fritz Schaaf, Peter Hillefeld und Günther Seckler für Vorstandsämter zur Verfügung. Diesem Quintett gelang es, den angeschlagenen BVB aus seiner rechtlichen Schieflage zu befreien und ihn wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu führen. Für Eppenhoff sicher Genugtuung: Der DFB-Pokalsieg in der Folgesaison 1964/1965.

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