Coronavirus: BVB-Fanclub aus Bangkok verpasst nicht nur das Topspiel

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Marc Hegerding ist Gründer des BVB-Fanclubs in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Mit uns hat er darüber gesprochen, wie sich die Coronavirus-Pandemie auf seine Fußballpläne auswirkt.

Dortmund

, 26.05.2020, 12:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Tickets waren bestellt und zugesagt, die Reise organisiert - dann machte das Coronavirus den Planungen der BVB-Anhänger einen Strich durch die Rechnung. Wenn heute Abend der deutsche Klassiker gegen den FC Bayern angepfiffen wird, dann findet das Spiel ohne Zuschauer statt. Und ohne die Fans, die rund 8000 Kilometer Anreise dafür in Kauf genommen hätten.

Marc Hegerding ist Gründer des BVB-Fanklubs in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. „Ein, zwei Mal pro Jahr“, sagt der 47-Jährige, versuche er schon, nach Deutschland zu kommen. Wenn irgend möglich, kombiniert er die Heimatbesuche natürlich auch mit dem Besuch eines BVB-Heimspiels. So wie früher, als er noch regelmäßig auf der Südtribüne stand und aus seinem Heimatort Bielefeld zu den Spielen fuhr.

BVB-Fans in Thailand: Bangkok ist schwarzgelb

Vor 15 Jahren hat es Hegerding beruflich nach Asien verschlagen. „Eigentlich ungeplant“, wie er sagt. Als IT-Spezialist arbeitet der Ostwestfale für eine deutsche Firma, irgendwie ist er dann hängengeblieben in Bangkok. Und bei seinen ersten Erkundungstouren durch die Metropole, in der rund 15 Millionen Menschen leben, machte er eine durchaus erstaunliche Entdeckung. Er sah nicht selten die Farben Schwarz und Gelb.

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„Es gibt hier in der Tat etliche Fans der deutschen Bundesliga“, sagt Hegerding. Der BVB steht hoch im Kurs, auch der FC Bayern. Es dauerte eine Weile, aber dann entstand die Idee, „dies auch offiziell zu machen“, wie er sagt, sprich: Hegerding gründete einen BVB-Fanclub.

BVB-Fanclub in Thailand feiert fünfjähriges Bestehen

Kürzlich hat dieser sein fünfjähriges Bestehen gefeiert und heute knapp 100 Mitglieder. Stetig kommen noch mehr hinzu. Werbung für sich macht der Fanclub vor allem über die sozialen Medien. „Ohne Facebook, Instagram und Twitter läuft hier wenig.“

Prominenter Besuch aus Dortmund: Roman Weidenfeller zu Gast in Bangkok.

Prominenter Besuch aus Dortmund: Roman Weidenfeller zu Gast in Bangkok. © BVB-Fanclub Thailand

Der Clou: Marc Hegerding hat ganz bewusst thailändische Anhänger der Borussia auf den Fanclub aufmerksam gemacht, es sollte kein Treffpunkt ausschließlich für aus Deutschland stammende Fans werden. „In der Tat gibt es bei uns vielleicht drei deutsche Mitglieder“, sagt Hegerding und lacht. In Chayada Udomkun hat der BVB-Fanclub in Bangkok eine einheimische Präsidentin, Hegerding kümmert sich vor allem um Events und hält den Kontakt zu anderen Klubs und nach Deutschland zum BVB.

Sportsbar in Bangkok wird zum BVB-Treffpunkt

An Spieltagen wird sich in einer Sportsbar getroffen, die mittlerweile zur Stammkneipe geworden und die schon von weitem als BVB-Treffpunkt zu erkennen ist. Eine feste Einrichtung ist auch der regelmäßige sportliche Wettstreit mit dem örtlichen Bayern-Fanclub. Dass Borussia Dortmund als Top-Mannschaft der Bundesliga oft auch zur Anstoßzeit 18.30 Uhr am Ball ist, fordert den Anhängern in Bangkok einiges ab. Anpfiff ist dann nämlich erst um 00.30 Uhr Ortszeit. Herding lebt am Rande der Millionen-Metropole, „die Fahrt zur Stammkneipe dauert eine Stunde.“ Er lacht: „Wie früher“. Die BVB-Spiele in der Champions League fallen daher allerdings flach. „Das ist ja hier mitten in der Nacht.“

Aber auch durch das Fernsehen sind Marc Hegerding und seine Mitstreiter bestens versorgt. Neben der englischen Premier League spielt auch die Bundesliga auf dem asiatischen Markt eine große Rolle, bis zu drei Spiele werden am Wochenende sogar im frei empfangbaren Fernsehen live übertragen. Oft dabei: Borussia Dortmund. Im Pay-TV kann man alle Spiele verfolgen, für aktuelle News gibt es ja das Internet.

BVB-Legenden zu Gast beim Thailand-Fanclub

Der BVB „hegt und pflegt“ eine der am weitesten vom Signal Iduna Park entfernt ansässigen Fan-Gruppierungen. Roman Weidenfeller war schon zu Besuch, Karl-Heinz Riedle, Jörg Heinrich und Patrick Owomoyela auch. Im Herbst 2019 waren die Legenden in Thailand für einen Freundschafts-Kick. Kürzlich, zum fünften Jahrestag der Gründung des BVB-Fanclubs, gab es eine Video-Schalte mit Teddy de Beer.

„Wir erhalten viel Unterstützung vom BVB-Büro in Singapur“, lobt Hegerding. Dort wurden auch die Fan-Reisen organisiert, als eine Abordnung des Bangkok-Fanclubs die Borussia auf deren beiden Asientouren in den Jahren 2016 und 2017 besuchte. „Wir waren mit 30 Leuten in Singapur und Malaysia dabei“, erzählt Hegerding, „bei der zweiten Asien-Tour in Tokio immerhin noch mit fünf.“ Sechs Stunden Flug nahmen er und die vier anderen dafür in Kauf.

Ausgangssperre wegen des Coronavirus

Das Coronavirus hat Thailand ebenso hart getroffen wie viele europäische Länder. Hegerding arbeitet aus dem Home Office, in der Stadt gilt eine strikte Ausgangssperre ab zehn Uhr abends. Viele Läden sind noch geschlossen, aber schrittweise normalisiert sich auch 8000 Kilometer von Deutschland entfernt das Leben.

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Hegerding hat wie viele auf die Rückkehr des Fußballs gehofft. Das Derby hat er im eigenen Wohnzimmer geschaut, immer noch gilt die Ausgangssperre ab 22 Uhr Ortszeit. „Es war natürlich merkwürdig, immerhin lief die Partie im Free-TV.“ Dem Klassiker gegen den FC Bayern fiebert er trotz der merkwürdigen Atmosphäre entgegen, geplant ist eine „Watch-Party“, die über Facebook zu sehen sein wird. „Wir sind gespannt, wie sich der BVB schlägt.“ Wehmut klingt ein wenig dabei durch. Normalerweise wäre Marc Hegerding hautnah dabei. Nun muss er aus großer Entfernung die Daumen drücken.

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