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BVB-Trainer Lucien Favre war schockiert. „Ja klar, der Titel ist verspielt“, urteilte er nach der 2:4-Pleite im Derby gegen Schalke. Darf er sich so ein Urteil erlauben? Unser Pro & Contra.

Dortmund

, 29.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Stachel der Derby-Niederlage saß tief. Lucien Favre war schockiert und erschüttert, als er nach dem 2:4 gegen Schalke diese Frage beantworten sollte: Ist die Meisterschaft damit entschieden? „Ja, klar“, sagte der Schweizer mit tiefer Resignation in der Stimme, „der Titel ist verspielt.“ Dabei hätte der BVB die Bayern selbst bei einem Münchner Sieg in Nürnberg mit nur vier Zählern Rückstand noch einholen können. Wir fragen:

Darf es sich Lucien Favre erlauben, den Titel vorzeitig abzuhaken?


Ja, Favre darf sich das erlauben - die Reaktion war menschlich und ehrlich.

von Sascha Klaverkamp

Was haben am Samstag nach dem 2:4 gegen Schalke denn 80.000 Zuschauer im Stadion und Millionen Fans zuhause vor ihren Fernsehern gedacht? Genau. Das, was Lucien Favre auch gedacht – und dann ganz ehrlich gesagt hat: Die Meisterschaft ist entschieden zu Gunsten der Bayern. Weder Favre noch irgendwer sonst – exklusive kühnste Club-Fans – konnte sich in diesem Moment vorstellen, dass die Münchner am Tag darauf in Nürnberg stolpern würden.

Nach der Niederlage die Situation glaubwürdig eingeschätzt

Mit der trüben Aussicht auf vier Punkte Rückstand hakte Favre den Titelkampf ab. Menschlich. Verständlich. Zumal unter dem direkten Eindruck eines aufwühlenden Derbys voller Nackenschläge, der quälenden Niederlage, der Rotsperren zweier Spieler. Favre sah in diesem Moment im Geiste eine lange so grandiose Saison unbremsbar auf eine Sandbank laufen. Niemand sollte dem BVB-Coach also einen Vorwurf daraus drehen, dass er eine aktuelle Lage offen und ehrlich eingeschätzt hat. Favre war glaubwürdig.

Würde der Schweizer weniger akribisch mit seiner Elf arbeiten, wenn die Borussia tatsächlich nun vier Punkte Rückstand auf die Bayern hätte? Gibt ein Spieler jetzt auch nur ein Prozent weniger, weil der Trainer öffentlich gesagt hat, dass die Meisterschaft abgehakt ist?

Die Borussen glauben trotzdem noch an den Titel

Nein. Intern in der Kabine oder auf dem Trainingsplatz wird das Thema beim BVB doch ohnehin ganz anders behandelt. Oder glaubt einer ernsthaft, dass intern in Dortmund erst seit zwei Monaten darüber gesprochen wird, dass man Meister werden will – auch wenn der Klub sich in der Öffentlichkeit dazu lange bedeckt gehalten hat? Trotzdem haben alle an den Titel geglaubt. Und tun es noch immer.

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Darf es sich Lucien Favre erlauben, den Titel vorzeitig abzuhaken?

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Nein, Favre hätte klüger reden müssen - das war ein fatales Signal.

von Dirk Krampe

Lucien Favre hat tief aus seinem Bauch heraus gesprochen, er hat aus seinem Herzen in diesen Minuten nach seiner schlimmsten Niederlage als BVB-Trainer keine Mördergrube gemacht. Es war einer der wenigen Momente, in denen man von einem Mitglied des Profizirkus nicht chemisch gereinigte Sätze zu hören bekommen hat. Das ist eigentlich lobenswert – und dennoch hat Favre in diesem Moment ein fatales Signal ausgesandt: „Das war’s, wir können einpacken, die Saison ist vorbei.“

Watzke und Zorc hatten ein besseres Gespür

Die Vehemenz, mit der Favres oberster Chef darauf am Sonntagmittag, also noch weit vor dem 1:1 der Bayern, reagierte, zeigt schon, dass sich der Schweizer da gewaltig vergaloppiert hat. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und auch Sportdirektor Michael Zorc hatten im Gegensatz zu Favre ein gutes Gespür dafür, was ein derartiger Satz auslösen kann – im Umfeld bei den Fans, vor allem aber auch intern, innerhalb der Mannschaft. Selbst bei einem Bayern-Sieg wären es ja nur vier Punkte Rückstand gewesen, bei drei noch folgenden Spielen.

Darf BVB-Trainer Lucien Favre es sich erlauben, den Titel vorzeitig abzuhaken?

© Deltatre

Wie hätte Favre seine Elf nach dieser Aussage denn für diese drei Spiele motivieren wollen? Wie wichtig es in diesem knappen Meisterschaftsrennen in dieser Saison ist, auch die letzten Prozent aus sich herauszukitzeln, zeigte ja das Beispiel Bayern dann am Sonntag: Der Spannungsabfall bei den Münchnern nach der Dortmunder Niederlage war klar erkennbar, und dann reicht es eben selbst gegen den Tabellenvorletzten nicht.

Der BVB hat 2002 bewiesen, dass noch alles möglich ist

Der BVB ist zudem das beste Beispiel, dass selbst fünf Punkte Rückstand nach dem 31. Spieltag keine Vorentscheidung sein müssen. Diese Konstellation gab es im April 2002 – am Ende stand Borussia Dortmund in der Tabelle dennoch oben.

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