Darum ist Dan-Axel Zagadou in der BVB-Abwehr derzeit chancenlos

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Dan-Axel Zagadou erlebt seine bislang schwierigste Phase bei Borussia Dortmund. Aktuell ist der Franzose nur Innenverteidiger Nummer vier - und Besserung ist nicht in Sicht.

Dortmund/Prag

, 02.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dan-Axel Zagadous Miene ist nicht leicht zu lesen. Eigentlich ist sie gar nicht zu lesen. Egal, wie das Wetter ist, egal, wie der Spielstand ist, egal, wie der Gemütszustand ist - Zagadous Blick in der Öffentlichkeit ist fast immer derselbe. Ein bisschen grimmig, ein bisschen teilnahmslos, ein bisschen schläfrig. Der 20-jährige Franzose mit der Statur eines Gefrierschranks hat das, was man ein Pokerface nennt. „Dem kuckste vorn Kopp“, heißt es das im Ruhrgebiet. Es lässt sich daher nur spekulieren, was hinter Zagadous Fassade abläuft. Die Vermutung aber liegt nahe, dass er schon schönere und glücklichere Stunden in Dortmund verbracht hat als in diesen Tagen.

Seit er beim BVB spielt, ist der Innenverteidiger Aufs und Abs gewöhnt. Mal spielte er viel, mal spielte er wenig, mal fiel er verletzt aus. Im Moment durchläuft Zagadou eine Phase, in der er so gut wie gar nicht spielt. 27 Minuten beim 2:2 in Frankfurt am fünften Spieltag, als Mats Hummels verletzt vom Feld musste, das war’s bislang in dieser Saison.

Hummels und Akanji sind beim BVB gesetzt

Bis zum vergangenen Wochenende war das alles erklärbar. Vielleicht hat es das für Zagadou ein bisschen einfacher gemacht. Hummels und Manuel Akanji waren und sind die erste Wahl in der Innenverteidigung, Zagadou musste sich gedulden und auf seine Chance warten, auf den Zeitpunkt, bis einer von beiden ausfällt. So wie in Frankfurt. Zagadou kam, man merkte ihm an, dass ihm die Spielpraxis ein wenig fehlte, aber an ihm lag’s nicht, dass der BVB nach zweimaliger Führung noch unentschieden spielte.

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Was Zagadou getroffen haben muss, ist das Spiel am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen. Hummels musste passen, der linke Innenverteidiger klagte über Rückenbeschwerden, seine Lieblingsposition war frei. Er war bereit, hatte die ganze Woche „sehr, sehr gut trainiert“, wie es BVB-Trainer Lucien Favre sagte - aber er spielte trotzdem nicht.

BVB-Trainer Favre entscheidet sich für Weigl

Favre entschied sich für Julian Weigl als rechten Innenverteidiger und schob Akanji eine Position nach links. Zagadou saß 90 Minuten auf der Bank und sah mit an, wie der BVB erneut nur 2:2 spielte, er sah, dass ein gelernter Mittelfeldspieler den Vorzug im Abwehrzentrum erhielt, der in der Vorbereitung und im bisherigen Saisonverlauf ausschließlich auf der Sechserposition vor der Viererkette gespielt hatte - und am Dienstag sah er, dass Hummels mit in den Mannschaftsflieger zum Champions-League-Spiel bei Slavia Prag stieg, was seine Chancen auf baldige Einsatzzeiten gravierend sinken ließ.

Vielleicht ist es gerade die schwierigste Phase, die Zagadou durchmachen muss, seit er im Sommer 2017 für eine geringen Ausbildungsentschädigung aus der zweiten Mannschaft von Paris St. Germain zum BVB wechselte. In seinem ersten Jahr spielte er anfänglich unter Peter Bosz überraschend viel, wenn auch auf der ungeliebten Position des Linksverteidigers. Insgesamt kam er in seiner ersten Saison auf 16 Pflichtspieleinsätze - und auch wenn er in der Rückrunde unter Peter Stöger keine wirkliche Rolle mehr spielte, war das alles mehr gewesen, als er auf Anhieb hatte erwarten dürfen.

Zagadou erlebt seinen BVB-Tiefpunkt in München

In der vergangenen Saison brachte Zagadou es dann auf 23 Pflichtspiel-Einsätze. Sechs Spiele hatte er sich gedulden müssen, aber dann nutzt der Mann aus Créteil, einem Pariser Vorort, seine Chance, spielte eine formidable Hinrunde, bis er sich Anfang Dezember im Spiel gegen den SC Freiburg am Fuß verletzte. In der Rückrunde kämpfte er sich zurück, fand aber nicht mehr zu der Form aus der Hinrunde. Der BVB schwächelte – und Zagadou tat es auch. Seinen bis heute letzten Startelfeinsatz erlebte er beim 0:5 in München am 6. April. Es wurde ein sportlicher Tiefpunkt. Der 1,96-Meter-Hüne wurde zur Halbzeit ausgewechselt (RN-Note: 6), er hatte einen ganz schwachen Tag erwischt. Es folgten noch zwölf Minuten als Einwechselspieler eine Woche später beim schmeichelhaften 2:1 gegen Mainz, dann sorgten Knieprobleme für Zagadous vorzeitiges Saisonende.

Darum ist Dan-Axel Zagadou in der BVB-Abwehr derzeit chancenlos

Zagadou muss auf eine neue Bewährungschance warten. © David Inderlied

Seitdem muss er auf eine neue Bewährungschance warten. Seine Qualitäten kennt seit der vergangenen Saison jeder beim BVB. Gutes Kopfballspiel, gute Zweikampfwerte, gutes Passspiel. Das Problem: Zagadous Spiel ist nicht konstant genug, er leistet sich zu viele Unkonzentriertheiten, wirkt auf dem Platz manchmal so, wie er guckt. Teilnahmslos und schläfrig.

BVB-Verantwortliche glauben an Zagadous Fähigkeiten

Trotzdem war es kein Zufall, dass Borussia Dortmund im Sommer Abdou Diallo und Ömer Toprak ziehen ließ - und Zagadou behielt. Die Verantwortlichen glaubten an seine Fähigkeiten, glaubten, dass er wichtig werden könnte für das Erreichen der hoch gesteckten Ziele. Dabei hätte der BVB einen satten Gewinn einstreichen können. Der Marktwert des französischen U21-Nationalspielers wird aktuell auf rund 28 Millionen Euro geschätzt, als er 2017 kam, lag er bei 125.000 Euro. Für Borussia Dortmund hat sich die Verpflichtung Zagadous in jedem Fall jetzt schon gelohnt. Irgendwann wird er ziemlich viel Geld in die Vereinskasse spülen.

Wie sehr sich der Schritt nach Dortmund für Zagadou gelohnt hat, wird der weitere Saisonverlauf zeigen. Bisher war alles gut. Im Januar erklärte er im Interview mit dieser Redaktion: „Die Vorstellungen und Wünsche haben sich ganz klar erfüllt.“ Wenn er ein Zwischenfazit ziehen müsse, sei „alles sehr positiv gelaufen für mich.“ Aktuell drängt sich die Frage auf, wie lange er das noch so sieht - und ob sein Blick zunehmend grimmiger wird.

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