Darum ist Mario Götzes Situation beim BVB anders als vor einem Jahr

hzBorussia Dortmund

Mario Götze ist beim BVB außen vor. Mal wieder. Trainer Lucien Favre verweist auf die Parallelen zur Vorsaison, aber der Vergleich hinkt. Die Personalie Götze bleibt ein schwieriges Thema.

Dortmund

, 21.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manche Aussagen wird man so schnell nicht mehr los. Mario Götze weiß das, er hat es vor seinem Wechsel zu Bayern München im Jahr 2013 erstmals sehr deutlich zu spüren bekommen. Im Januar hatte der damals 20-Jährige gesagt, er könne sich vorstellen, für immer bei Borussia Dortmund zu spielen. „Ich bin in Dortmund aufgewachsen, fühle mich in der Stadt sehr wohl, habe Freunde und Familie dort“, erklärte Götze.

Das alles spreche für Dortmund und den BVB. „Ob es so kommt, wird die Zukunft zeigen. Erstmal läuft mein Vertrag bis 2016. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken.“

Mario Götze: „Jeder hat seinen Wert, der Verein muss im Endeffekt entscheiden“

Es kam anders, das zeigte die Zukunft ziemlich zügig. Im April, nur drei Monate später, wurde sein Transfer zum FC Bayern München offiziell von Borussia Dortmund bestätigt.

Darum ist Mario Götzes Situation beim BVB anders als vor einem Jahr

Mario Götze hat beim BVB derzeit nichts zu lachen. © imago

In diesem Sommer hat Götze wieder eine Aussage getroffen, die nachhallt: „Jeder hat seinen Wert, der Verein muss im Endeffekt entscheiden“, sagte der heute 27 Jahre alte Mittelfeldspieler, der seit 2016 zum zweiten Mal für den BVB spielt, in einem Interview mit „DAZN“, als er zu seinem Gehalt und zu einer möglichen Vertragsverlängerung in Dortmund befragt wurde. Er sei „relativ entspannt“, was seine Vertragssituation betreffe. Der Kontrakt laufe ja noch ein Jahr – und „in einer Saison kann so viel passieren“.

23 Pflichtspielminuten in dieser Saison

Götze sagte diese Sätze in dem Wissen, eine gute Rückrunde gespielt zu haben. Sechs Tore und vier Vorlagen hatte er seit der Winterpause beigesteuert, er hatte eigentlich immer gespielt, er hatte sich zurückgekämpft und war wieder wichtig geworden beim BVB. Sein Wert für Borussia Dortmund war klar erkennbar. Zweistelliges Millionengehalt hin, zweistelliges Millionengehalt her.

Knapp zwei Monate später ist das mit Götzes Wert für den BVB so eine Sache. 23 Minuten hat er in dieser Saison gespielt. Elf Minuten beim 2:0 im Pokal gegen den KFC Uerdingen, zwölf Minuten beim 5:1 gegen den FC Augsburg am ersten Bundesliga-Spieltag. Seitdem stand Götze zwar immer im Kader, aber nie auf dem Platz. Eingewechselt wurden andere, wertvoll waren ebenfalls andere. Und am Donnerstag wurde BVB-Trainer Lucien Favre auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt sogar gefragt, was er eigentlich gegen Mario Götze habe.

Herr Favre, was haben Sie gegen Mario Götze?

Favre stutzte einen Augenblick, lachte kurz und sagte dann: „Nichts. Fragen Sie ihn. Er weiß das“, meinte der Schweizer. Die Situation sei schon vor einem Jahr so gewesen wie jetzt. „Er hat erst wenig und dann viel gespielt.“

Darum ist Mario Götzes Situation beim BVB anders als vor einem Jahr

12 Bundesliga-Minuten sammelte Mario Götze in dieser Saison - am ersten Spieltag beim 5:1 gegen den FC Augsburg. © imago

Das klingt erst einmal richtig. Die vergangene Bundesliga-Saison begann für Götze erst am siebten Spieltag. Am 6. Oktober wurde er beim 4:3 gegen Augsburg erstmals eingewechselt und erzielte gleich ein Tor. Danach spielte er sich sukzessive in die Mannschaft.

Favres Vergleich mit der Vorsaison hinkt

Trotzdem muss sich Favre die Frage gefallen lassen, ob er mit dem Vergleich zur Vorsaison nicht nur die halbe Wahrheit erzählt. Denn so richtig vergleichbar ist Götzes Situation aus der Vorsaison mit der in dieser dann doch nicht. Erstens, weil Götze in der Rückrunde überzeugte und Favre schon weiß, welche Impulse der Weltmeister von 2014 dem BVB-Spiel geben kann. Zweitens, weil eine Arbeitsteilung mit Paco Alcacer wie in der vergangenen Saison derzeit nicht absehbar ist. Und drittens, weil Götze vor einem Jahr zumindest im Pokal und in der Champions League schon zweimal von Beginn an gespielt hatte, bevor er auch in der Bundesliga Berücksichtigung fand.

Jetzt lesen

„Ich denke, wir brauchen alle Spieler im Kader. Das wird ziemlich schnell so sein“, hat Favre am Donnerstag auch noch in Richtung des Journalisten gesagt, der gefragt hatte, was er gegen Götze habe, „seien Sie geduldig“.

Von einer unkomplizierten Vertragsverlängerung kann keine Rede sein

Geduldig sein. Das kam auch eine bisschen wie eine Aufforderung an Götze daher. Die Frage ist nur, wie viel Geduld ein Spieler aufbringt, dessen Vertrag im kommenden Sommer ausläuft. Von einer unkomplizierten Verlängerung der Zusammenarbeit zwischen dem BVB und Götze, wie sie zu Jahresbeginn von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke mal in Aussicht gestellt worden war, kann jedenfalls längst keine Rede mehr sein.

Und mit jedem weiteren Spiel, in dem der ehemalige Nationalspieler keinen sportlichen Wert für Borussia Dortmund darstellt, dürfte es komplizierter werden. Es gebe nach wie vor „keinen neuen Stand“ in der Personalie Götze, hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor gut einer Woche gesagt. Das Thema werde „weiter bearbeitet“.

Götze verliert immer mehr an Wert

Götze hat schon länger nichts mehr in der Öffentlichkeit gesagt – und vermutlich wird er über „seinen Wert“ für Borussia Dortmund auch nicht mehr so schnell reden wollen. Dafür spürt er zu deutlich, wie er kontinuierlich an Wert verliert. Oder er soll es zu spüren bekommen. Wer weiß das schon so genau?

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt