Darum legt der BVB keinen Protest bei der UEFA ein

Dopingfall Sakho

Dass Borussia Dortmund auf einen Protest gegen die Wertung des Europa-League-Viertelfinals gegen den FC Liverpool verzichtet, mag auf den ersten Blick irritieren. Spielte in Mamadou Sakho nicht - wie am Samstag bekannt wurde - ein gedopter Spieler für die "Reds"? Das schon, aber das Regelwerk ist für solche Fälle eindeutig - und diskussionswürdig.

Dortmund

, 26.04.2016, 06:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Liverpools Mamadou Sakho traf im Rückspiel gegen den BVB zum zwischenzeitlichen 3:3, dabei hätte der Franzose gar nicht spielen dürfen.

Liverpools Mamadou Sakho traf im Rückspiel gegen den BVB zum zwischenzeitlichen 3:3, dabei hätte der Franzose gar nicht spielen dürfen.

Bereits nach dem 3:0-Sieg in Stuttgart hatte sich Michael Zorc am Samstag verärgert über die damals noch frische Meldung aus Liverpool geäußert. "Kritikwürdig" sei es, dass das Ergebnis der Dopingprobe vom 17. März, als Liverpool in der Europa League auf Manchester United getroffen war, erst sechs Wochen später veröffentlicht worden sei. Und damit nachdem die darauffolgende Runde bereits gespielt war. Am Sonntag dann legte er gegenüber dem „Kicker“ nach: "Das ist der Witz des Jahrhunderts und eine absolute Katastrophe."

Zwar betonte der BVB-Sportdirektor in beiden Fällen, die Schuld am Aus nicht im Dopingfall Sakhos, dem die Einnahme eines unerlaubten und häufig zur Verschleierung anderer Mittel genutzten Fettverbrennungs-Medikaments vorgeworfen wird, suchen zu wollen. Und doch wirkte es auf viele BVB-Fans irritierend, dass die Dortmunder keine weiteren Schritte unternahmen und auf einen Protest verzichteten.

Ein Blick ins – diskussionswürdige –  Regelwerk verrät allerdings, warum ein Protest aussichtslos gewesen wäre: Binnen eines Wettbewerbs müssen "mehr als zwei Spieler" positiv getestet werden, um Konsequenzen für die Mannschaft, in der sie spielen, hervorzurufen. Etwa einen sofortigen Ausschluss vom Wettbewerb oder eine Sperre für die kommenden Spielzeiten. Die möglichen Sanktionen wirken allerdings nicht rückwirkend. Am Aus des BVB würde sich also selbst dann nichts ändern, wenn neben Sakho noch zwei weitere Liverpool-Spieler des Dopings überführt würden.

Sakho droht Sperre

Konsequenzen muss daher nur Sakho befürchten, der provisorisch vom LFC suspendiert wurde und von der Uefa gesperrt werden dürfte, sofern die B-Probe den positiven Befund bestätigt. 

Vergleichbare Fälle
Kolo Touré, heute Mamadou Sakhos Teamkollege beim FC Liverpool, wurde im März 2011 ebenfalls die Einnahme eines Diätmittels nachgewiesen. Der Verteidiger, damals noch in Diensten von Manchester City, wurde für ein halbes Jahr gesperrt.
Im Oktober 2015 war der Mazedonier Arijan Ademi (Dinamo Zagreb) nach dem Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal (2:1) positiv auf das Anabolikum Stanozol getestet worden. Er wurde von der UEFA für vier Jahre aus dem Verkehr gezogen.

 

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