Defensive Stabilität als Trumpf: Der BVB ist bereit für den FC Bayern

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Der BVB zeigt beim 3:0 in Brügge eine reife Leistung. Die defensive Stabilität erweist sich als neuer Trumpf. Dortmund wirkt bereit für das Kräftemessen mit den Bayern. Das wird höchste Zeit.

Dortmund / Brügge

, 05.11.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lucien Favre übte sich wie so oft in Zurückhaltung. Er genieße die Partie gegen Brügge und das erfreuliche Ergebnis, gab der Schweizer zu Protokoll, aber er denke noch nicht an das anstehende Bundesliga-Topspiel gegen den FC Bayern München. Und als ob er seinen Worten noch etwas mehr Nachdruck verleihen wollte, wiederholte er den letzten Teil seiner Aussage gleich noch einmal. „Wir denken noch nicht an Bayern München.“

BVB gegen Bayern: „Sind gut drauf und haben eine gute Möglichkeit“

Spätestens seit dem Rückflug aus Brügge in der Nacht zum Donnerstag dürften die Worte des BVB-Trainers endgültig der Vergangenheit angehören - und so wirklich abkaufen konnte und wollte man sie ihm ja bereits am späten Mittwochabend schon nicht mehr. Favre hätte sich ruhig ein wenig weiter aus dem Fenster lehnen dürfen, so wie es sich zumindest Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, in Ansätzen traute. „Wir sind gut drauf und haben eine gute Möglichkeit“, sagte Kehl mit Blick auf das Aufeinandertreffen der beiden derzeit besten deutschen Fußballmannschaften am Samstagabend. Engagiert, mutig und intensiv müsse die Mannschaft gegen die Bayern zu Werke gehen. „Wir müssen draufgehen.“

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Die Grundlage und das Selbstvertrauen dafür haben sich die BVB-Profis in den vergangenen Wochen erarbeitet, das ist zumindest die berechtigte Hoffnung im schwarzgelben Lager. Borussia Dortmund wirkt bereit für das Kräftemessen mit dem Branchenprimus und Serienmeister aus München. Der BVB geht punktgleich und mit vier Siegen sowie einem Torverhältnis von 10:0 Treffern aus den jüngsten vier Pflichtspielen in das Duell mit den Bayern - und die Zuversicht in Dortmund ist groß, dass auch Abwehrchef Mats Hummels rechtzeitig fit wird.

Der BVB bleibt in acht von elf Pflichtspielen ohne Gegentor

Die Vorzeichen sind also durchaus vielversprechend. Die neue - fast schon ungeahnte - defensive Stabilität darf Favres Mannschaft als Trumpf auf der eigenen Seite wähnen. In acht von elf Pflichtspielen in dieser Saison blieb der BVB ohne Gegentor, in der Liga stellt Borussia Dortmund mit erst zwei Gegentreffern aktuell die beste Abwehrreihe. Das Dortmunder Spiel ist in den vergangenen Wochen sicherlich nicht spektakulärer, aber reifer geworden. Und doch wird es am Wochenende vor allem auch darauf ankommen, sich gegen die Bayern nicht zu verstecken, in der Offensive Akzente zu setzen, von Beginn an eigene Stärke und Selbstvertrauen zu demonstrieren, um ein klares Signal zu senden: Diese Saison wird alles anders - oder soll zumindest anders werden.

Es wird höchste Zeit, möchte man Favre und seiner Mannschaft fast zurufen. Denn so erfolgreich und erfreulich die zurückliegenden vier Pflichtspiele dieser Saison für den BVB auch gelaufen sind, so gruselig ist die jüngste Bilanz in der Liga gegen Bayern München. Drei Spiele, null Punkte, null zu zehn Tore: Der bis heute letzte Bundesliga-Sieg des BVB gegen den Rekordmeister liegt fast auf den Tag genau zwei Jahre zurück. Am 10. November 2018 feierte Borussia Dortmund im eigenen Wohnzimmer einen berauschenden 3:2-Erfolg, zweimal Marco Reus und Paco Alcacer drehten damals einen zweifachen Rückstand zugunsten der Schwarzgelben. Am 7. November soll nun ein ähnliches Kunststück gelingen. Mit ein bisschen mehr Courage, als in Favres Worten vom Mittwochabend mitschwang, erscheint das ganz gewiss nicht unmöglich.

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