Der BVB gibt gegen Union Berlin ein erschreckendes Bild ab

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Borussia Dortmund hat den Warnschuss des Köln-Spiels offenbar nicht gehört. Oder nicht hören wollen. Gegen Union Berlin lässt sich der BVB erneut den Schneid abkaufen - und gibt ein erschreckendes Bild ab.

Berlin

, 31.08.2019, 21:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende wurde die Alte Försterei Zeuge eines historischen Sieges. Union Berlin jubelte erstmals in seiner langen Vereinsgeschichte über drei Punkte in der Bundesliga, immer wieder Eisern Union. 3:1 gegen Borussia Dortmund, der Außenseiter gegen den vermeintlich übermächtigen Meisterschaftskandidaten. Die Fußballromantik, die in diesem Augenblick steckte, war eigentlich unbeschreiblich schön - wenn man es nicht gerade mit dem BVB hielt.

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Denn der Vizemeister, der so große Ziele für diese Saison ausgegeben hat, ließ so ziemlich alles vermissen, was den Fußball eben auch ausmacht. Leidenschaft, Einsatz, Wille, Herz, Kampf. Am Ende war der Sieg der Eisernen redlich verdient, weil da eine Mannschaft in Rot und Weiß auf dem Rasen stand, die bis an ihre Schmerzgrenze gegangen war, die alles reingeworfen hatte, wie es heutzutage viel zu oft heißt. Dieses Mal stimmte es wirklich. Und es stand eine Mannschaft in Schwarz und Gelb auf dem Rasen, die sich ihrem Schicksal fast ein bisschen ergeben hatte, die es bis auf die ersten 30 Minuten nicht geschafft hatte, die Grundtugenden des Fußballs in die Waagschale zu werfen.

Das ist deshalb so bedenklich, weil der BVB gewarnt war. Am zweiten Spieltag beim 3:1 in Köln war es gerade noch einmal gut gegangen, dieses Mal ging es mit Anlauf in die Hose. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre geriet im dritten Spiel der Saison zum dritten Mal in Rückstand. Wie in Köln fiel das 0:1 nach einer Standardsituation von der rechten Seite. Ein einfacher Eckentrick reichte für ein einfaches Tor. Paco Alcacer ließ seinen Gegenspieler mit einer Mischung aus Leichtsinnigkeit und Gleichgültigkeit einfach laufen. Nimm Du ihn, ich hab‘ ihn sicher. Verteidigen hat auch etwas mit Mentalität, mit Entschlossenheit zu tun - und der BVB muss sich die Frage gefallen lassen, ob er insbesondere bei ruhenden Bälle wirklich alles versucht, um Gegentore zu verhindern. Die Frage wird allmählich zu einer rhetorischen.

BVB geht mit einer herben Enttäuschung in die Pause

Vor dem Köln-Spiel hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc die „richtige Schärfe“ gefordert, vor dem Union-Spiel hatte er seine Vorstellungen davon noch einmal konkretisiert. Mehr Tempo, eine bessere Passschärfe, eine höhere Schlagzahl hatte er angemahnt. Er wurde von seinem so liebevoll und vielversprechend zusammengestellten Kader bitterlich enttäuscht. Und so geht Borussia Dortmund nach zunächst vier Siegen aus vier Pflichtspielen und einem verheißungsvollen Saisonstart nun plötzlich mit einer herben Enttäuschung in die Länderspielpause.

14 Tage bleiben Zeit, bevor in Bayer Leverkusen der nächste Gegner auf den BVB wartet. 14 Tage Zeit, um ein bisschen nachzudenken. Darüber, was in Berlin alles schiefgelaufen ist. Und darüber, was es alles braucht, um Deutscher Meister zu werden und in der Bundesliga Spiele zu gewinnen. Nur mit schönem Fußball, Geduld und Balance wird es nicht gehen, so viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten. Ein bisschen eiserner dürfte Borussia Dortmund zukünftig gerne auftreten.

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