Der BVB II will oben angreifen - doch Maaßen und Preuß warnen

hzBorussia Dortmund II

Der BVB II spielt eine überzeugende Vorbereitung und gilt als Aufstiegskandidat. Trainer Maaßen und Manager Preuß treten allerdings auf die Euphoriebremse - aus gutem Grund.

Dortmund

, 28.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die drei Scouts, die beim 9:1-Erfolg von Borussia Dortmunds U23 gegen den VfL Wolfsburg II nahe der Mittellinie auf einer Holzbank Platz genommen hatten, gerieten beinahe ins Schwärmen. Einer war extra aus Köln angereist, hatte mehr als 300 Kilometer für den nahe Hannover stattfindenden Testkick zurückgelegt - und auf seinem persönlichen Bewertungsbogen bald deutlich mehr Plus als Minus aufgelistet.

BVB-Manager Preuß: „Das 9:1 ist natürlich eine Hausnummer“

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Die Schwarzgelben verpassten dem Nord-Regionalligisten, der in der vergangenen Spielzeit immerhin als Tabellenzweiter ins Ziel gekommen war, einen erheblichen Dämpfer. Dortmunds Trainer Enrico Maaßen sprach später von einer ingesamt „sehr guten Performance“. Und Manager Ingo Preuß befand: „Das 9:1 ist natürlich eine Hausnummer.“ Selbstverständlich zeigten sich die beiden Hauptverantwortlichen der Dortmunder U23 zufrieden . „Es wäre auch komisch, wenn ich jetzt meckern würde“, meinte Preuß. Dann allerdings schob er den wohl entscheidenden Satz hinterher: „Wir können das einordnen.“ Ähnliche Worte wählte Maaßen.

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Die Essenz seiner Analyse lautete wie folgt: Es war eine (sehr gute) Vorbereitungspartie, mehr aber auch nicht. „In jedem Trainings- oder Testspiel müssen die Jungs so gierig sein als wäre es ein Pflichtspiel“, betonte Maaßen. „Wir zusammen müssen jeden Wettkampf brutal ernst nehmen. Nur weil wir ein Spiel gut gespielt haben, starten wir das nächste Mal nicht mit einem Vorsprung.“ Immer wieder aufs Neue müsse der Gegner „weichgekocht werden“, sagte der Fußballlehrer. „Das ist nicht leicht.“ Jeder müsse das verstehen. Und seinen Teil zum Gelingen beitragen.

BVB-Trainer Maaßen will keinen Schlendrian aufkommen lassen

Maaßen weiß um die psychologische Innen- und Außenwirkung, wenn er solche Sätze formuliert. Seine Intention war überdeutlich herauszuhören: Selbstbewusstsein sollen seine Spieler natürlich sammeln, nachlassen dürfen sie nicht. Der 36-Jährige will keinen Schlendrian aufkommen lassen. Ebensowenig wie Selbstzufriedenheit oder überbordenden Optimismus. Ja, vier von vier Testspielen hat der BVB II gewonnen und zudem höchst ansehnlichen und überzeugenden Fußball gespielt. Nein, Regionalliga-Punkte hat das nicht gebracht. Bislang laufe die Vorbereitung sehr gut, betonte Preuß. Allerdings, so erinnerte er, sei es im vergangenen Sommer ja durchaus ähnlich gewesen.

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„Nach dem Sieg bei Drittligist Meppen (3:1, Anm. d. Red.) habe ich gedacht: Super, läuft“, sagte Preuß. Und der ehemalige U23-Kapitän Joseph Boyamba meinte vor ein paar Wochen im Podcast von „schwatzgelb.de“: „Nach der Vorbereitung habe ich mir gedacht, dass es eine richtig krasse Saison wird. Wir haben alles weggebombt, wenige Gegentore kassiert.“ Am Ende allerdings stand nur Regionalliga-Platz neun.

Die Abläufe im BVB-System sind klar definiert

Den bisherigen Leistungen während der Sommervorbereitung will Preuß auch wegen dieser Erfahrung nicht zu viel Bedeutung beimessen. Zu enttäuschend verlief die Spielzeit 2019/2020. „In der Ansprache vor Saisonstart habe ich es vermieden, nur ein einziges Wort über die letzte Saison zu verlieren“, so Preuß. „Die ist jetzt abgehakt.“ Was zählt, sei die anstehende Meisterschaftsrunde. Bis zum Start derer bestehe auch nach dem Kantersieg gegen Wolfsburg U23 Verbesserungsbedarf. „Wir hatten eine Phase nach dem 1:2-Anschlusstreffer, da lief es nicht so gut. Da hätte auch das 2:2 fallen können“, meinte Preuß. Beim BVB herrschte kurzzeitig zu wenig Zugriff und zu viel Unordnung. Das solle bei all der Euphorie gewiss nicht vergessen werden.

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Maaßens Stil ist zuweilen äußerst risikoreich und erfordert einen stets top choreografierten Auftritt. Wenn sich sein Linksverteidiger - also entweder Kolbeinn Finnsson oder Migel-Max Schmeling - für den Spielaufbau in Richtung Sechser-Position bewegt und die Zentralverteidiger gen Außenbahn rücken, darf kein Ballverlust vorkommen. Werden Finnsson oder Schmeling angelaufen und verlieren die Kugel, ist die Bahn zum BVB-Tor quasi frei.

BVB II mit viel Dynamik, Intensität und Konzentration

Ein weiteres Beispiel für den gleichfalls mutigen wie gefährlichen Dortmunder Fußball ist das hohe Anlaufen und kollektive Pressing, das Maaßen von seinen Spielern einfordert. Schlägt eine solche Attacke fehl, kann der BVB II schnell in Schieflage geraten. Es braucht viel Dynamik, Intensität und Konzentration von jedem Akteur. In jedem Spiel. Sonst bekommt die als Aufstiegskandidat geltende Borussia arge Probleme. Maaßen und Preuß wissen das. Sie warnen darum ganz bewusst.

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