Der BVB kämpft schwer mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise

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Dramatische Einbußen, sogar Tabubrüche: Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise erschüttern Grundfeste bei Borussia Dortmund. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Dortmund

, 17.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 16. März dieses Jahres markierte den ersten Bruch. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) musste den Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie aussetzen. Den Worst Case eines Saisonabbruchs konnte die Bundesliga zwar vermeiden. Doch der Schrecken nimmt rein wirtschaftlich gesehen noch längst kein Ende. Als einen der umsatzstärksten Klubs, der ohne Finanzspritzen von Gönnern auskommen muss und von seinem großen Stadion profitiert, trifft Borussia Dortmund die Misere mit am heftigsten.

BVB: Geisterspiele, kein Dauerkarten-Verkauf, keine Vermarktung

„Entgegen der landläufigen Meinung sind die größten Klubs extrem stark betroffen. Sie haben die höchsten Einnahmeausfälle, aber gleichzeitig die höchsten Kosten. Und diese Kosten verschwinden nicht einfach so wie die Einnahmen“, erklärte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Gottlob seien die größten Klubs in Deutschland überwiegend gesund. Um das Überleben des BVB mit seinem Eigenkapital von - vor Corona - rund 350 Millionen Euro muss sich niemand Sorgen machen. Zugleich schlägt die Krise immer tiefere Kerben, je länger sie anhält.

Geisterspiele, kein Dauerkarten-Verkauf, keine Vermarktungsreise ins Ausland, geringere Einnahmen durch die (TV-)Vermarktung national und in der Champions League: Watzke nannte die Ausfälle jüngst „dramatisch“ - ohne dass ein Schlussstrich gezogen werden könnte. Die Ende Juni anvisierten mehr als 40 Millionen Euro Verlust oder die um fast 50 Prozent eingebrochenen Ebitda (2019: 116 Millionen Euro / 2020: 62 Millionen Euro) zählen zu den ersten Indikatoren des Einbruchs.

Bundesliga: BVB hofft auf Rückkehr der Zuschauer

Beispiel Geisterspiele: „Wenn man in jedem Spiel ohne Zuschauer vier Millionen Euro verliert, und das tun wir, dann muss man kein Prophet sein, um auszurechnen, in welche Richtung das geht“, sagte Watzke. Für den Fußball und die Bundesliga wäre es eine große Erleichterung, wenn zur neuen Saison auch nur ein Teil der Fans zurückkehren kann in die Stadien, alleine der Atmosphäre wegen. Doch rein rechnerisch bleiben die Verluste riesig. Mindestens bis zum Jahresende. Wenn es mit der Covid-19-Pandemie glimpflich weitergeht.

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Die weggebrochenen Einnahmen aus der nationalen TV-Vermarktung wegen des Sonderspielbetriebs und die Löcher in den Töpfen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) werden nicht aufgefüllt. Welche eigenen Sponsoren und Partner unbeschadet - und in voller Höhe zahlungswillig - aus der Krise kommen, lässt sich nicht seriös abschätzen. Ob andere Klubs ausstehende Beträge noch begleichen können, ist ebenso fraglich. Die Entwicklungen sind kaum vorhersehbar, weil die Unwägbarkeiten „riesig“ sind, wie es der BVB-Geschäftsführer zum Saisonende beschrieb.

Große Geldgeber sind am Wohlergehen des BVB interessiert

Borussia Dortmund kann sich einmal mehr glücklich schätzen, dass die großen Geldgeber wie Evonik, Puma, 1&1 oder Signal Iduna als Großaktionäre direkt am Wohlergehen der Schwarzgelben interessiert und an den Klub gebunden sind.

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Während die Seite mit den Einkünften nur begrenzt steuerbar bleibt, hat sich der BVB eine strenge Ausgabendisziplin auferlegt. Man spare, wo man könne, heißt es. Investiert wird nur in das Nötigste und Unabänderliche. „Nice-to-have“-Projekte rücken in der Prioritätenliste weit nach hinten, für Kosmetik gibt es derzeit keinen Cent. Auch für weitere Verstärkungen des Profikaders gibt es quasi keinen Spielraum, wie Watzke und auch Sportdirektor Michael Zorc betonen. Allenfalls Leihgeschäfte wie die des Brasilianers Reinier sind denkbar.

BVB-Profis verzichten bis Jahresende auf Gehalt

Längst hat Watzke auch an der größten Kostenstelle geschraubt. Im Einvernehmen mit der Mannschaft haben die Spieler auf Geld verzichtet, und das übrigens nicht nur bis zum Ende der abgelaufenen Saison, sondern sogar gleich bis zum 31. Dezember. „Wir haben“, sagte Watzke, „mit unseren Spielern erstklassige Erfahrungen gesammelt. Sie waren sofort und ohne jede Diskussion bereit, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. Vor allem auch dank Ihnen konnten wir als Arbeitgeber für die komplette Belegschaft konsequent auf Kurzarbeit und damit auf eine Vergesellschaftung unserer Kosten verzichten.“

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Zugleich ist es damit gelungen, die Kostenstruktur in Teilen der veränderten Einnahmesituation anzupassen. Es ist ehrenwert, dabei auf Kurzarbeit der Angestellten oder das Geld von den Dauerkarteninhabern zu verzichten. Vor allem die geschätzten mindestens 20 Millionen Euro für die Jahrestickets von den treuesten Fans könnte der BVB für die Liquidität gut gebrauchen. Doch stattdessen brechen die Borussen lieber mit dem lange und überzeugt vorgetragenen Credo, sich kein frisches Geld von externen Quellen zu besorgen. Ein Tabubruch, wenngleich gut begründet.

BVB muss in der Not auch „heilige Kühe melken“

Wer durch dichten Nebel fliege, und noch nicht einmal wisse, wie lange der Blindflug andauere, der müsse alle Sicherheitssysteme im Griff haben, heißt es bildlich gesprochen. Auf Borussia Dortmund übertragen: Darlehen, Kredite oder Bürgschaften sind längst nicht mehr ausgeschlossen, sondern eher ein notwendiges Übel, obwohl es den Bossen und ihrer Philosophie hart zusetzt. In der Not müssen, um das nächste Bild zu bemühen, auch heilige Kühe gemolken werden.

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Sparzwänge und Kreditgeschäfte klingen nicht danach, aber der BVB kann sich glücklich schätzen, in den vergangenen Jahren als einer der stabilsten Klubs in ganz Europa sehr solide gewirtschaftet zu haben. Jeder auf Pump finanzierte kurzfristige Erfolg würde vor dem schwarzen Loch verblassen, in das finanzielle Schwierigkeiten den Verein und seine Fans hineinziehen würden.

BVB-Bilanz mit roten Zahlen und tiefen Sorgenfalten

Wenn Hans-Joachim Watzke als Vorsitzender der Geschäftsführung und Finanzchef Thomas Treß am Montag (bei uns im Live-Ticker) die vorläufigen Bilanzzahlen für das Jahr 2019/20 verkünden, wird das erstmals seit vielen Jahren mit Erfolgsgeschichten wieder von roten Zahlen und tiefen Sorgenfalten begleitet sein. Der Umsatz dürfte auch transferbereinigt weit im zweistelligen Millionen-Bereich fallen.

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Zwei Jahre lang, sagen sie am Rheinlanddamm und auf dem Börsenparkett, könnte Borussia Dortmund bei fortdauerndem Krisenmodus den Status Quo aufrechterhalten. Das bedeutet eine immer noch komfortable Ausgangsposition, auch wenn es nur wenig tröstlich ist, dass andere Klubs viel eher zurückziehen müssten.

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