Der scheinbar Unfehlbare macht Fehler: Axel Witsel ist ein Gesicht der BVB-Krise

hzBorussia Dortmund

Axel Witsel avanciert im Sommer 2018 zum Königstransfer bei Borussia Dortmund. Gut ein Jahr später ist auch der Mittelfeldspieler mit der markanten Haarpracht ein Gesicht der BVB-Krise.

Dortmund

, 26.11.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als die Stadt Dortmund im Frühjahr 2019 Gedankenspiele über eine Umbenennung der U-Bahn-Station „Stadthaus“ in die Öffentlichkeit trug, weil Oberbürgermeister Ulrich Sierau eine große Verwechslungsgefahr mit der Station „Stadtgarten“ erkannt hatte, gingen von den Bürgern der Stadt etliche Namensvorschläge ein. Einer lautete, den Haltepunkt im Zentrum doch in „Axel-Witsel-Station“ umzutaufen.

Witsel genießt einen glänzenden Ruf bei den BVB-Fans

Die kleine Anekdote zeigt ganz gut, dass der Belgier mit der markanten Haarpracht nicht lange gebraucht hat, um in Dortmund Eindruck zu machen. Witsel erarbeitete sich einen glänzenden Ruf unter Fans und Fachleuten. Zweifler, die es bei seinem Transfer im Sommer 2018 auch gab, waren schnell überzeugt. Witsel wurde zum Herz und Hirn des defensiven BVB-Mittelfelds.

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Doch nun ist auch Axel Witsel eins der Gesichter der Krise, in der diese Mannschaft viel zu selten aus dem Füllhorn an Talent und Erfahrung schöpft, in der viele Spieler auch den Biss vermissen lassen, sich gegen Widerstände durchzusetzen. Auch Witsel ist es bislang nicht überzeugend gelungen, dem gefährlichen Trend Einhalt zu gebieten. Der scheinbar Unfehlbare macht Fehler.

Witsel muss die Verantwortung oftmals weiterreichen

Dabei suchen sie doch auch jetzt seinen Rat und seine Qualitäten auf dem Feld. Was im Vorjahr allerdings glänzend funktionierte, „gib Witsel den Ball, wenn du in Bedrängnis bist“, trägt nun immer öfter keine Früchte. Auch „Chaloupe“, wie sie ihn bei seiner ersten Profistation bei Standard Lüttich gerufen haben, kämpft viel mit sich selbst und sucht nach der verloren gegangenen Leichtigkeit.

Der scheinbar Unfehlbare macht Fehler: Axel Witsel ist ein Gesicht der BVB-Krise

Markante Haarpracht: Axel Witsel. © Kirchner/Christopher Neundorf

Das liegt vor allem daran, dass auch die Gegner Axel Witsel längst als Motor und Taktgeber des Dortmunder Aufbauspiels ausgemacht haben. Gegnerisches Pressing findet vor allem im Zentrum statt, wenn Witsel dort versucht, das Spiel an sich zu ziehen. Wenn er sich als Anspielstation tief fallen lässt, wird er oftmals von gleich zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt. Er behauptet auch in diesen Fällen meistens die Bälle, muss die Verantwortung aber oftmals weiterreichen, statt selbst mit der Kugel am Fuß initiativ zu werden.

Schwache Leistungen, aber Top-Werte für Witsel

Dass es Witsel schwerer fällt, die zentrale und Richtung gebende Figur im Dortmunder Aufbauspiel zu sein, wird von den Zahlen nicht gestützt. Auch gegen Paderborn gab er alles. Die Statistik zählte nur zwei Fehlpässe bei 66 Versuchen, als Staubsauger entschied er 83 Prozent seiner Zweikämpfe für sich, im Angesicht der Niederlage lief er knapp zwölf Kilometer. Das alles sind Top-Werte.

Der scheinbar Unfehlbare macht Fehler: Axel Witsel ist ein Gesicht der BVB-Krise

© Deltatre

Am Montag saß Witsel mit gehobenem Dresscode in der Westfalenhalle 3b und lauschte den Worten seines obersten Bosses. Hans-Joachim Watzke nahm auch vor den Aktionären Stellung zur sportlichen Situation und bat gleich um Verständnis, dass er die Analyse des Ist-Zustands nicht in gänzlich neue Worte kleiden wolle.

Witsel füllte beim BVB im Sommer 2018 ein Vakuum

Witsel, der Deutschunterricht bekommt und als Sprachentalent weiter ist als viele andere Fremdsprachler im Team, dürfte es also bekannt vorgekommen sein, als Watzke als einen der Gründe für die sportlich unbefriedigende Situation ausgemacht hatte, dass einige Leistungsträger der vergangenen Saison derzeit nicht in ihrer besten Form spielen würden. Gemeint war auch Axel Witsel. Als durchaus selbstkritischer Charakter dürften Watzkes Worte allerdings auch keine große Neuigkeit für ihn gewesen sein.

Der scheinbar Unfehlbare macht Fehler: Axel Witsel ist ein Gesicht der BVB-Krise

Witsel gehört dem Mannschaftsrat des BVB an. © Kirchner/Christopher Neundorf

Mit seiner Verpflichtung füllte Borussia Dortmund vor einem Jahr ein Vakuum. Witsel war Ankurbler des Spiels und stellte nach Ballverlusten die Räume für den Gegner zu. Dass er in der Rückrunde die bärenstarke Form der Hinserie nicht halten konnte und auch ein Opfer der Tatsache war, dass Lucien Favre auf ihn partout nicht verzichten wollte, tat dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch.

Witsel macht gegen Barcelona sein bestes Spiel der Saison

Favre setzt auch in dieser Saison konstant auf den 30-Jährigen. Verpasst hat er nur das Spiel bei Union Berlin, da war er verletzt. Zu hohe Beanspruchung könnte erneut ein Thema im Frühling werden, jetzt sollte es das noch nicht sein. Die Gründe für Witsels eher durchwachsene Saison liegen eher woanders. In der allgemein fehlenden Konstanz des Teams, von der er mitgerissen worden ist. In der gestiegenen Beachtung, die ihm als Eckpfeiler dieser Mannschaft bei den Gegnern entgegen gebracht wird.

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Im Hinspiel gegen den FC Barcelona machte auch Axel Witsel persönlich ein gutes Spiel. Vielleicht sein bestes in dieser Saison. Witsel gibt sich medial als immer positiv eingestellter Typ, die Mannschaft werde den „Kopf oben halten“, lässt er dann gern über eine Agentur, die seine Accounts betreuen, verbreiten.

Witsel nimmt die Herausforderung eindrucksvoll an

Axel Witsel ist der Frage, ob er nach 15 Monaten in der eher drittklassigen chinesischen Liga noch das notwendige „Brennen“ in sich spüre für die Herausforderung Bundesliga, eindrucksvoll entgegengetreten. Witsel brannte immer, der Transfer erwies sich als sehr wertvoll in einer Saison, an deren Ende die Borussia nur knapp die Meisterschaft verpasste. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, das Feuer in sich wieder zum Lodern zu bringen. Eine größere Bühne als das Camp Nou gibt es dafür kaum.

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