Derbyfrust wegen Coronavirus: Ein Mentalcoach gibt Tipps für die fußballfreie Zeit

hzBorussia Dortmund

Mentalcoach Matthias Herzog beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Coronavirus auf den Fußball. Was macht die aktuelle Situation mit den Spielern und den BVB-Fans?

Dortmund

, 14.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coronavirus trifft Borussia Dortmund. Geisterspiele, Absagen, Ungewissheit. Für Fans und Spieler ist es eine Ausnahmesituation. Nicht nur Spiele, auch das Training und der Alltag müssen umstrukturiert werden.

„Die Spieler hängen dabei ja auch in der Schwebe. Und alles, was in der Schwebe ist, löst Ängste und Gedanken aus, die in der Regel nicht positiv sind“, erklärt Mentalcoach Matthias Herzog. Ein Geisterspiel könne man als Chance verstehen, meint er. Aus sportpsychologischer Sicht. Die Verschiebung der Spieltage könnte wiederum ein Nachteil sein.

Mentalcoach Herzog: „Sport und Fußball leben von Emotionen“

Geisterspiele an sich sind für Profifußballer eigentlich unerträglich. „Du hast den fehlenden zwölften Mann, der entscheidend ist. Sport und Fußball leben von Emotionen - entweder von den den Gästefans, die dich anstacheln, oder den eigenen Fans, die dich anfeuern“, sagt Herzog. Fehlt dieser emotionale Push, muss der Sportler sich neu erfinden. „Du musst dich selber motivieren. Das ist für manche schwierig.“

Ein rapider Leistungsabfall wäre die Folge - muss aber nicht unbedingt eintreten „Wenn du feststellst, es geht auch ohne Fans, kannst du in Zukunft noch mehr Energie abrufen“, sagt Herzog. Für die Profifußballer könnte also ein positiver Effekt eintreten - und auch für die Anhänger. „Vielleicht merken die Fußballer dann erst mal richtig, wie wichtig die eigenen Fans sind. Die Bindung würde dann noch enger werden“, meint Herzog.

Geisterspiele wegen Coronavirus: „Alles geht verloren, alles wird steril“

Letztendlich macht das den Profifußball so interessant - das Zusammenspiel zwischen Spielern und Fans. Ohne die klappt es nicht. „Das Problem ist, dass der ganze Spaß am Fußball verloren geht. Ein Spiel ist Entertainment und das zeichnet sich dadurch aus, dass man Emotionen schürt. Wenn man das nicht darf, geht alles verloren und alles wird steril“, sagt Herzog.

An diesem Umstand müssen sich die Fans jetzt aber gewöhnen. Vorerst hat die DFL die kommenden beiden Spieltage abgesagt. Wie es danach weiter geht, ist offen. Für die BVB-Profis nicht die beste Situation nach der Niederlage in der Champions League gegen Paris Saint-Germain.

Borussia Dortmund hätte einen Derby-Triumph gebrauchen können

„Von Vorteil wäre es gewesen, wenn die BVB-Profis jetzt am Wochenende sofort das nächste Spiel gehabt hätten, um ein Erfolgserlebnis zu haben“, sagt Herzog. In der Tat hätte ein Derbysieg das Aus in der Königsklasse wohl schnell vergessen lassen.

Derbyfrust wegen Coronavirus: Ein Mentalcoach gibt Tipps für die fußballfreie Zeit

Matthias Herzog ist Vortragsredner zum Thema „LebensMotivation“ und Mentalcoach für Spitzensportler, unter anderem von Profis in der Fußball-Bundesliga. © Herzog

So steht eine fußballfreie Zeit an - doch was damit anfangen? Motivationstrainer Herzog gibt drei Tipps:


Warum fühlen sich Menschen gerade wie in einem Loch, auch wenn sie gar nicht unmittelbar betroffen sind vom Coronavirus?

Das hängt mit der Unsicherheit zusammen. Wir stellen uns dann Fragen: Wann trifft es mich, meine Familie, was passiert mit einem Job? Und statt der Chancen, die so eine Situation bietet, sehen viele jetzt eher die Risiken.


Fußballspiele finden zum Teil gar nicht statt, damit fallen auch gemeinsame TV-Abende und Stadionbesuche aus. Was raten Sie den BVB-Fans, damit kein Frust aufkommt?

Wir brauchen Ablenkung durch andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Und gerade jetzt haben wir doch die Chance, Beziehungen zu pflegen, die wir lange vernachlässigt haben: Zu unserem Partner, zu den Kindern, Familie, enge Freunde. Und außerdem können wir uns doch jetzt auch weiterbilden und auf die Zukunft vorbereiten.


Viele trauen sich auch abends gar nicht mehr in Kneipen oder Restaurants, sondern bleiben lieber zu Hause. Was kann man machen, damit einem die Decke nicht auf den Kopf fällt?

Es macht keinen Sinn, sich komplett einzuschließen. Also: Einfach an die Spielregeln halten, auf die Hygiene achten und die gemeinsame Zeit genießen.

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