Europameisterschaft

DFB-Team zittert sich nach Wembley – bemerkenswerter Regenbogen-Protest

Das DFB-Team zittert sich durch das 2:2 gegen Ungarn ins EM-Achtelfinale. Nun geht’s gegen England. Die Regenbogenfarben dominieren das Bild in der Münchner Arena. Und nicht nur dort.
Große Erleichterung bei Torschütze Leon Goretzka (l.) und Bundestrainer Joachim Löw. © imago / MIS

Leon Goretzka hat das DFB-Team im Gewitterregen von München vor dem nächsten großen Turnier-Schock bewahrt und Joachim Löw zumindest ein weiteres K.o.-Spiel vor der Bundestrainer-Rente gesichert. Nach dem mühevollen 2:2 (0:1) durch den Ausgleichstreffer des Münchners gegen Ungarn steht die lange erschreckend hilflose und vom Außenseiter fast düpierte DFB-Elf doch noch im Achtelfinale der Europameisterschaft. „Wir sind einfach nur erleichtert, dass wir es geschafft haben“, sagte Kapitän Manuel Neuer im ZDF. „Wir lagen in Rückstand, sind wieder in Rückstand geraten. Es war natürlich ein Nervenkrimi.“ Matchwinner Goretzka war „natürlich überglücklich“.

Fast hätte die Ära Löw nach 15 Jahren ein klägliches Ende genommen

Ohne Sein Tor in der 84. Minute hätten die ungarischen Treffer des Mainzers Adam Szalai (11.) und von Andras Schäfer (67.) nur drei Jahre nach dem WM-Desaster von Russland das nächste Vorrunden-Aus besiegelt und die Ära Löw nach 15 Jahren ein klägliches Ende genommen. Den ersten Ausgleich von Kai Havertz (66.) hatten die Ungarn sofort gekontert. Dennoch ist im Achtelfinale am 29. Juni beim Klassiker in Wembley gegen England eine enorme Leistungssteigerung notwendig. Sonst bleibt eine erneute Reise nach London zur Finalwoche im Juli reine Utopie. „Es ist ein K.o.-Spiel, es ist alles möglich und Wembley liegt uns“, sagte Neuer. „Wir sind voller Selbstvertrauen“, meinte Goretzka.

Überstrahlt wurde das Spiel in München durch den Regenbogen-Protest: Auch ohne das Stadion in den entsprechenden Farben fanden sich die bunten Flaggen überall im Stadtbild wieder. Auf den Informationsanzeigen in der U-Bahn, als Banner an Brücken oder mit einer leger getragenen Binde am Handgelenk. Mit Tausenden kleiner Flaggen wedelten die Fans im Stadion und sorgten für ein Bild, das womöglich noch eindrucksvoller in die Wohnzimmer Europas transportiert wurde, als es eine beleuchtete Fassade getan hätte. Auf dem Vorplatz wurden regenbogenfarbene Masken verteilt. Von der UEFA, dieses Signal ging in München wie von vielen Orten in ganz Deutschland aus in die (Fußball-)Welt, werde man sich nicht den Mund verbieten lassen, das Denken schon gar nicht. Bunter war der Fußball selten.

Die ungarischen Anhänger kehren der deutschen Elf den Rücken zu

Ein „Flitzer“ mit Regenbogenfahne stürmte während der ungarischen Nationalhymne über den Rasen und spürte die Härte der Sicherheitskräfte, während das Publikum ihn mit lautem Applaus verabschiedete. Die ungarischen Anhänger kehrten der deutschen Elf bei der Hymne den Rücken zu. Die DFB-Elf hielt sich mit äußerlichen Zeichen zurück, Kapitän Manuel Neuer behielt seine bunte Spielführerbinde am Oberarm.

Regenbogen-Protest der deutschen Fans in München. © dpa © dpa

Nicht nur die Zuschauer, auch viele Spieler zeigten Haltung. „Ich finde, dass das eine sehr positive Entwicklung ist, dass sich viele ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind“, sagte Mats Hummels. „Da können wir sehr glücklich sein, wie viele von den Jungs in der Nationalmannschaft über den Tellerrand hinausschauen.“

Ungarische Regierung und die UEFA schießen ein Eigentor

Durch den mehrheitlich mitgetragenen Protest haben die ungarische Regierung und die UEFA in dieser breiten gesellschaftlichen Debatte ihre Flecken abbekommen. Und die Fans, die den Fußball schließlich ausmachen, sind angehalten, es besser zu machen als die Verbände mit ihren gut gemeinten sozialen Kampagnen: Worten und Gesten dürfen gerne weitere Taten folgen in einem vielfältigen Miteinander.

Mit dpa-Material

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