Die DFL zeigt sich demütig – das ist auch gut so

hzKommentar

Wann die Bundesliga weitergeht, ist immer noch nicht geklärt. Die DFL hat aber zumindest verstanden, dass sie Demut zeigen muss. BVB-Reporter Sascha Klaverkamp kommentiert.

Dortmund

, 23.04.2020, 18:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob der teils kräftige öffentliche Gegenwind der jüngsten Tage Wirkung gezeigt hat? Zumindest klingt die neue Erklärung des deutschen Profifußballs unüberhörbar demütig. Eines ist zudem klarer denn je: Das System der Geisterspiele inmitten der Coronavirus-Krise wird trotz aller Hygiene-Konzepte und Präventiv-Maßnahmen auf wackligen Füßen stehen.

Borussia Dortmund und Profiklubs in der Pflicht

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In der Pflicht sehen sich nun Borussia Dortmund und die anderen 35 Klubs der 1. und 2. Bundesliga. Sie müssen die Saison auf Teufel komm raus durchziehen, wenn nicht mindestens ein Drittel von ihnen in den wirtschaftlichen Kollaps steuern wollen. Mehr als 50.000 Arbeitsplätze hängen an der Unterhaltungsbranche Fußball – nur, wenn die TV-Millionen fließen, ist eine Rettung möglich. Auch für den an sich finanziell gesunden BVB steht enorm viel auf dem Spiel.

Damit aber die Politik überhaupt in absehbarer Zeit grünes Licht für Fußballspiele in nahezu leeren Stadien geben kann, müssen die Klubs binnen weniger Tage verbindlich in Vorleistung treten. Sie müssen in ihren Stadien und Trainingsanlagen maximale hygienische und medizinische Kontrolle sicherstellen, Räumlichkeiten und Logistik umgestalten, penibelst auf Vorschriften pochen – und sie müssen von ihren Spielern und Betreuern eiserne Selbstdisziplin und Transparenz im beruflichen und privaten Umfeld einfordern. Nachlässigkeiten könnten verheerende Folgen bis hin zu einem Abbruch der Saison haben. Auch Borussia Dortmund muss den Signal Iduna Park umrüsten, so dass es beispielsweise mehr Kabinen pro Team und für Dopingtests gibt, mehr Standorte für Desinfektionen. Jedem seiner Profis muss der BVB den Ernst der Lage einschärfen. Eine Infektion im Team, und alles könnte ins Wanken geraten.

Politik und Fußball werden sich erklären müssen

Trotz aller Maßnahmen und bis ins letzte Detail durchdachten Strategien und häufiger Tests wird es niemals eine 100-prozentige Sicherheit vor Infektionen geben können. Aber beweisen der BVB und alle anderen Klubs, dass sie alles nur Denkbare tun, um das Risiko zu minimieren, dann schaffen sie damit zumindest die nötige Basis für eine Genehmigung der angestrebten Geisterspiele. Dem kleinsten aller Übel in der derzeitigen Schieflage. Keine Frage, die Lobby des Fußballs hierzulande ist immens, wahrscheinlich werden die Spitzenpolitiker den Anpfiff irgendwann im Mai trotz womöglicher Zweifel erlauben. Doch auch sie werden dann gut erklären müssen, warum der Profifußball wieder spielen darf, und warum andere noch relevantere Branchen dagegen weiter brachliegen müssen.

Um die gesellschaftliche Akzeptanz für Fußball in dieser Zeit massiver Einschränkungen zu stärken, hat sich die DFL am Donnerstag klug positioniert. Nicht nur, weil sie ihren von medizinischen Profis ausgearbeiteten Plan präsentiert hat. Sie hat sich von einem anvisierten Starttermin für den nächsten Spieltag öffentlich verabschiedet. So erweckt sie nicht den Eindruck, der Politik etwas vorzuschreiben. Sie hat betont, nicht Herr der Entscheidung zu sein, ob die Saison weitergehen kann. Sie hat versprochen, die Laborkapazitäten, die für die Corona-Tests der Spieler eingekauft werden, im Falle eines Engpasses der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Und sie hat anders als zuvor darauf verzichtet, die eigene soziale Strahlkraft zu hoch zu heben. Die Rückkehr zur Devise „Wir versuchen alles, um den Ruin unserer Klubs zu verhindern“ kommt nicht nur in Dortmund deutlich besser und ehrlicher an der Basis an als der vermittelte Eindruck, der Fußball sei die dringend benötigte Medizin fürs Volk.

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