Muss bis zum Saisonstart noch viele Probleme lösen: BVB-Trainer Marco Rose (r.). © dpa
Meinung

Die ersten Rose-Mechanismen greifen – doch viele BVB-Probleme bleiben

Beim BVB-Sieg gegen Bologna greifen die ersten Mechanismen des neuen Trainers Marco Rose. Das Trainingslager in Bad Ragaz erfüllt die Erwartungen - doch viele Probleme bleiben kurz vor dem Start.

Am Freitagmittag, kurz vor dem Kehraus des diesjährigen Sommertrainingslagers, hatte Borussia Dortmund versprochen, noch einmal einen Hochkaräter zu präsentieren. Für die tägliche Medienrunde, bevor da falsche Hoffnungen geweckt werden, aber es versprach in der Tat ja durchaus interessant zu werden, wenn Axel Witsel darüber sprechen würde, wie er es zu seinem Blitz-Comeback nach auskuriertem Achillessehnenriss geschafft hatte.

Beim Saisonstart des BVB werden zahlreiche Stammspieler fehlen

Witsel verspätete sich, weil Trainer Marco Rose kurzfristig noch einen Termin anberaumt hatte. Spielersitzung noch vor dem Mittagessen, vor allem für die wichtig, die wie Witsel erst in dieser Woche tröpfchenweise in Bad Ragaz eingetroffen waren. Zeit ist Gold in diesen Tagen, denn es gilt, jede Minute zu nutzen. Denn die meisten Dortmunder EM-Fahrer hat Rose auch eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel und vier Wochen nach Trainingsstart noch nicht auf dem Rasen gesehen.

Witsel sprach dann doch noch zu den Journalisten – und forsch auch von Titelchancen des BVB. Als die Mannschaft am Nachmittag im österreichischen Altach eintraf, sah man den Belgier – wie seine Landsleute Thorgan Hazard und Thomas Meunier – nur in Zivil. Ebenso Manuel Akanji, Neuzugang Donyell Malen, immerhin seit Dienstag im Training, und Emre Can. Mats Hummels und Raphael Guerreiro fehlten nicht, beide sind verletzt.

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Testspiel: BVB – FC Bologna 3:0 (3:0)

Das 3:0 am Abend gegen einen zugegebenermaßen deutlich schwächeren Gegner als Athletic Bilbao vor einer Woche, sorgte im schwarzgelben Lager für große Zufriedenheit – wer genau hinhörte, der konnte bei dem ein oder anderen auch einen Seufzer der Erleichterung heraushören. Kurz vor dem Ende einer sehr schwierigen Vorbereitung erkannten die Beobachter der Trainingseinheiten im Dortmunder Spiel etliche Elemente wieder, die Rose in den Übungsformen dieser neun Tage in der Schweiz immer wieder hatte einstudieren lassen. Der Sieg gegen Bologna, in der Ausbeute am Ende sogar noch zu niedrig ausgefallen, lieferte einen Vorgeschmack darauf, wie man Borussia Dortmund in dieser Saison hoffentlich sehr häufig erleben wird.

BVB-Trainer Marco Rose lobt: „Herausragend im Gegenpressing“

Rose war sichtlich zufrieden. Aktiv und mit großer Energie sei seine Mannschaft aufgetreten, lobte er anschließend, „herausragend im Gegenpressing“, gierig, Chancen herauszuspielen und immer bissig in den Zweikämpfen. „Ziel war es“, so Rose, „uns für die gute Trainingswoche heute zu belohnen.“

Der BVB reist am Samstag mit einem guten Gefühl zurück nach Dortmund. Auch wenn Rose immer noch mehr als ein halbes Dutzend potenzielle Stammspieler nicht im Training hatte, so lieferte die vom schon fast obligatorischen Gewitter mit Starkregen in Altach begleitete Partie doch Gründe genug, um optimistisch in die kommenden Wochen zu gehen. In denen muss Rose etliche Nationalspieler behutsam heranführen und dennoch gute Ergebnisse erzielen.

Dahoud und Reus als zentrale Figuren im BVB-Spiel

Vor der Abwehr, in der sich die U23-Innenverteidiger Antonios Papadopoulos und Lennard Maloney zwar ins Blickfeld gespielt haben, die aber dennoch das große Sorgenkind ist, kann Rose schon auf ein ordentliches Korsett zurückgreifen. Mahmoud Dahoud und Marco Reus bestätigten in Altach als zentrale Figuren der erstmals praktizierten Mittelfeldraute ihre gute Frühform, Julian Brandt macht deutliche Fortschritte. Auch wenn Erling Haaland noch lange nicht bei 100 Prozent ist, sorgt sein Zusammenspiel mit Reus schon jetzt für Belebung und Torgefahr. Vieles sah schon sehr gut aus, sehr auch zum Gefallen des Trainers. „Bis hierhin“, befand Rose, „haben wir alles gemacht, um uns in eine gute Verfassung zu bringen.“

Wenn der BVB in einer Woche beim Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden auch offiziell in die Saison startet, käme es nicht überraschend, wenn dann die Dortmunder Startformation in großen Teilen der des Bologna-Tests ähnelt. Garantien mochte Rose zwar nicht abgeben, „einige“, gab er allen als Ansporn für die letzte Trainingswoche mit auf den Weg, „haben sich durchaus qualifiziert, um dort auch auf dem Platz zu stehen.“ Rose muss eine schlüssige Antwort finden auf die Frage, wie viele noch nicht zu 100 Prozent fitte Spieler die Mannschaft benötigt – aber auch, wie viele sie vertragen kann, ohne instabil zu werden gegen einen Drittligisten, der schon voll im Saft ist und seine Chance wittern wird.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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