Die Haaland-Show kaschiert die gravierenden Schwächen des BVB

hzKommentar

Borussia Dortmund bejubelt die große Haaland-Show. Doch in Augsburg zeigt der BVB lange Zeit das Gesicht der Hinrunde - und die Zweifel wachsen.

Augsburg

, 19.01.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese 90 Minuten waren nichts für schwache Nerven. Lucien Favre schüttelte an der Linie fortwährend den Kopf, zunächst aus schierer Verzweiflung, später als Ausdruck des Staunens über die große Show des Erling Haaland. Und abseits des großen Hypes um einen jungen Mann aus Norwegen warf die wilde Partie vor allem eine Frage auf: Kann eine Mannschaft, die wiederkehrend solche gravierenden Fehler macht und so krasse Gegentore kassiert wie Borussia Dortmund, bis zum Ende um die Deutsche Meisterschaft mitspielen?

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Die Antwort auf diese Frage muss eigentlich „Nein“ lauten, und so ähnlich, nur verklausuliert, äußerte sich auch der Sportdirektor nach dem Spiel. Er mache sich „große Sorgen“, meinte Michael Zorc, dass der BVB seine Ziele verfehlen werde, wenn die Mannschaft so weiterspiele. Trainer Favre schwärmte von den Comeback-Qualitäten nach dem 1:3-Rückstand („Man muss das Positive sehen“), er schwärmte natürlich von Erling Haaland. „Über den Rest möchte ich lieber nicht reden.“

Der BVB ist lange Zeit nur ein Schatten seiner selbst

Intern wird er das mit schonungsloser Analyse tun müssen. 60 Minuten lang war Borussia Dortmund in der Augsburger WWK Arena nur ein Schatten seiner selbst oder zeigte vielmehr das Gesicht, das man schon aus der Hinrunde kannrte. Wegen etlicher haarsträubender Abspielfehler kam der BVB offensiv nur schwer in die Gänge, lud den FC Augsburg dadurch auch zu gefährlichen Kontern ein und produzierte im Verteidigungsverhalten so dicke Böcke, dass nach der folgenschweren Niederlage vor knapp einem Jahr das Gastspiel in Augsburg erneut zum Waterloo zu werden drohte.

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Die Schlagzeilen um das sensationelle Debüt von Erling Haaland werden die nächsten paar Tage bestimmen. Sie können aber nur kurzzeitig eine notwendige Diskussion über die weiter gravierenden Defensivschwächen überdecken. Favre hat das mangelhafte Verteidigungsverhalten schon im Trainingslager auf die Agenda genommen, Besserung zeigte die Partie in Augsburg nicht.

Akanji ist seit Wochen ein Sicherheitsrisiko in der BVB-Abwehr

Vielleicht, weil es grundsätzliche Defizite sind, die den BVB immer wieder zurückwerfen: Manuel Akanji ist in dieser Form seit Wochen ein Sicherheitsrisiko, die Spätphase der Hinrunde mit besseren Leistungen des Schweizers scheint nur ein kurzzeitiges Aufflackern gewesen zu sein. Lukasz Piszczek war vom FCA als Schwachpunkt gegen den fixen Ruben Vargas schnell ausgemacht worden, die rechte Abwehrseite mit dem fast nur offensiv denkenden Hakimi ist ohnehin seit langem anfällig. Wenn dann einer wie Dan-Axel Zagadou verletzt nicht zur Verfügung steht, wird es im Kader sehr schnell sehr dünn mit den Alternativen.

Die Haaland-Show kaschiert die gravierenden Schwächen des BVB

BVB-Abwehrspieler Manuel Akanji unterlaufen immer wieder gravierende Fehler. © imago/kolbert-press

Nicht immer, gab Favre zu Recht zu bedenken, werde seine Mannschaft fünf Tore schießen können, um die gemachten Fehler zu kaschieren. Und nicht immer wird ein 19-Jähriger die Aufholjagd auf seine Schultern nehmen können. Als stabiler Jäger der Tabellenspitze hat sich Borussia Dortmund in Augsburg nicht gezeigt. Die Leistung hat eher die bestätigt, die seit langem Zweifel an der Meistertauglichkeit haben. Ihre Zahl wird eher noch größer werden.

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