BVB-Coach Edin Terzic. © Patrick Scheiber/Jan Huebner/Pool
Borussia Dortmund

Diskussionen um BVB-Trainer Terzic: „Ob das woanders klappt, ist schwer zu sagen“

Die Diskussionen um die Zukunft von Trainer Edin Terzic wird der BVB nicht los. Bleibt er oder geht er? Die Beteiligten selbst machen dabei noch den entspanntesten Eindruck.

Schotten dicht, Quarantäne. Die Abschottung im Mannschaftshotel „l’Arrivée“ kommt Borussia Dortmund nicht unbedingt gelegen. Spieler und Trainerteam würden gerne ihre Familien sehen, die sportlichen Erfolge der vergangenen Tage feiern. Das muss coronabedingt bis Samstagabend warten. Ein Gutes hat die Sicherheitsmaßnahme: Zumindest bis zur Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag müssen Cheftrainer Edin Terzic und Sportdirektor Michael Zorc nicht mehr die ewig gleichen Fragen beantworten.

Zorc bestätigt erneut: Haaland stürmt auch in der nächsten Saison für den BVB

„Ich komme mir schon vor wie der freundliche Papagei aus Dortmund“, sagte Zorc am Sonntagabend in einem TV-Interview. Zum x-ten Mal wurde er nach der Zukunft von BVB-Torjäger Erling Haaland befragt, zum x-ten Mal betonte er, dass der Norweger in der nächsten Saison Schwarzgelb trägt. Im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten meinte Zorc resignierend: „Das gesprochene Wort zählt in der Auswertung ja ohnehin längst nicht mehr. Ich habe gesagt, dass Erling Haaland bleibt. Nur macht das keinen Unterschied. Das hat vor einem Jahr bei Jadon Sancho auch niemanden interessiert. Die das Gegenteil behauptenden Geschichten sind dennoch Tag für Tag erschienen, und so wird es vermutlich auch in diesem Sommer mit Erling laufen.“ Eine Branche, in der leider immer wieder die Aussagen vom Vortag nichts mehr gelten und eine aufgeheizte Medienlandschaft, in der in manchen Publikationen jede Aussage bis ins Gegenteil verrenkt wird – eine unheilvolle Mischung.

So erlebt es auch Edin Terzic, der in kurzer Zeit von einem vergleichsweise unbekannten Dortmunder Co-Trainer zur viel beachteten Personalie auf dem Trainer-Transfermarkt aufgestiegen ist. Als DFB-Pokalsieger und mit der erreichten Champions-League-Qualifikation hat er Erfolge vorzuweisen, die gepaart mit einem Eindruck schaffenden Auftreten Begehrlichkeiten wecken. Gebetsmühlenartig wiederholt Terzic, dass er in der neuen Saison gerne ins zweite Glied hinter dem neuen Chef Marco Rose zurücktreten werde, dass er vorher als Co-Trainer glücklich war und dies auch wieder sein werde. Nur am Donnerstagabend reagierte er einmal unwirsch, als er nach dem DFB-Pokalsieg erneut zu seinen Plänen befragt wurde: „Wir kriegen ständig auf die Fresse, wenn es nicht läuft, jetzt lasst uns doch wenigstens mal diesen einen Abend.“ Irritiert hat der Trainernovize zur Kenntnis genommen, dass er „permanent über Vergangenheit und Zukunft befragt“ werde, wo Fußball doch ein Tagesgeschäft sei.

Zorc über BVB-Coach Terzic: „Wir haben vertragliche Grundlagen und eine feste Absprache“

„Wir haben vertragliche Grundlagen und eine feste Absprache mit ihm“, erklärte Zorc. Vor Monaten erhielt Terzic einen finanziell aufgestockten Vertrag, der ihn langfristig bindet. „Wir haben ihn gerne weiter bei uns im Trainerteam. Er hat das bejaht, auch der zukünftige Trainer Marco Rose ist vollkommen d’accord damit. Das ist unser Status quo. Für uns passt alles.“

In Leverkusen, Frankfurt oder Wolfsburg ist das nicht der Fall, diese Klubs schauen sich nach Trainern um. Und die Kombination „Jung und erfolgreich“ ist seit Jahren hochgradig interessant. Terzic hat sich klar als „Dortmunder Junge“ bekannt, ist in der Region verwurzelt. Sollte jedoch ein Bestreben geweckt werden, es an anderer Stelle als Cheftrainer zu versuchen, „dann sprechen wir“, sagte Zorc. Anfragen habe es bisher nicht gegeben. Und Terzic ergänzte: „Wir werden uns nach der Saison zusammensetzen, mit dem Verein und auch mit dem künftigen Trainer Marco Rose.“

BVB-Youngster Bellingham lobt Coach Edin Terzic

In der Dortmunder Mannschaft hat Terzic jedenfalls genug Fans. „Edin hat einen brillanten Charakter. Er hat das Beste aus uns Spielern herausgeholt, wollte jeden besser machen“, sagte das englische BVB-Supertalent Jude Bellingham. „Er hat mit seinem Team einen super Job gemacht. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben.“

Auch einer seiner Ausbilder, Sportwissenschaft-Dozent Peter Lange von der Ruhr-Universität Bochum, der Terzic, Hannes Wolf oder Sven Mislintat unterrichtete, sieht die Lage unaufgeregt. „Edin steckt in der guten Position, dass er selbst entscheiden kann, ob er ins zweite Glied rückt beim BVB oder es woanders als Cheftrainer versucht. Ob dasselbe Rezept wie beim BVB sich auch bei einer anderen Mannschaft in Frankfurt oder Wolfsburg anwenden lässt, ist schwer zu sagen. Da gibt es viele Beispiele, wo es nicht funktioniert hat. Man sollte auch nicht unterschätzen, dass Edin ein glühender BVB-Fan und in der Region verwurzelt ist.“

Terzic weiß, was er an Borussia Dortmund hat

Terzic kann tatsächlich nach der Saison entspannt überdenken, was er tun möchte. Viel spricht dafür, dass er es vorzieht, bei der Familie in Dortmund zu bleiben und ab und zu mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Selbst wenn Rose ungewöhnlich lange, vier oder fünf Jahre, bei der Borussia bliebe: Dann wäre Terzic 43 Jahre alt – und käme nirgendwo zu spät. „Ich bin seit 2010 Angestellter in diesem Verein und stolz darauf. In den 101 Jahren davor hatte der BVB eine coole Zeit“, sagte der Ur-Borusse, „und der BVB wird auch in den 500 Jahren nach mir eine coole Zeit haben.“

Auch dieses Statement vom Wochenende galt fortan als nebulöse Aussage, Terzic lasse seine Zukunft offen. Vielleicht bleibt er lieber gleich in Quarantäne.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt