2012 gewann Lukasz Piszczek mit dem BVB erstmals den DFB-Pokal. Neun Jahre später will sich der Routinier mit dem Gewinn der goldenen Trophäe verabschieden. © imago / Uwe Kraft
DFB-Pokalfinale

Ein goldener BVB-Abschied? Lukasz Piszczek sagt „Do widzenia“

Lukasz Piszczek hat mit dem BVB fast alles erlebt. In zwei Wochen ist für den 35-Jährigen Schluss in Dortmund. Der dritte Pokalsieg würde die Karriere eines besonderen Spielers gebührend beschließen.

„Ich würde gerne noch etwas mit Borussia Dortmund gewinnen“, hat Lukasz Piszczek am Tag seiner Vertragsverlängerung im Mai 2020 gesagt. Gemeint war damit zwar der Meistertitel im vergangenen Jahr, doch mit zwölf Monaten Verspätung kann der Wunsch des 35-Jährigen doch noch in Erfüllung gehen. Kurz vor seinem endgültigen BVB-Abschied kommt es im Berliner Olympiastadion zum Showdown gegen RB Leipzig (20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky).

Apropos Berlin: Seinen Wechsel zum BVB im Sommer 2010 hatte auch Borussia Dortmunds Ex-Trainer Lucien Favre zu verantworten. Vor dem Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand im November 2019 plauderte der Schweizer aus dem Nähkästchen: „Plötzlich war Lukasz am Telefon, er erzählte mir, dass er ein Angebot des BVB habe und fragte, was er machen solle.“ Favres Antwort: „Ich habe gesagt, da muss er zur Not auch zu Fuß hingehen.“ Gesagt, getan. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Jürgen Klopp formte Piszczek zu einem der weltweit besten Rechtsverteidiger um.

Piszczek peilt seinen dritten Pokalsieg mit dem BVB an

Nun also wieder das Olympiastadion: Es wäre Piszczeks dritter Pokaltriumph im elften und letzten Jahr bei den Schwarzgelben. Und die Chancen stehen gut, dass er am Donnerstagabend beim Anpfiff um 20.45 Uhr auf dem Rasen stehen wird. Bis vor wenigen Wochen erschien das unwahrscheinlich. Der Rechtsverteidiger fristete bis Anfang April ein für ihn völlig unbekanntes Dasein auf der Reservebank. Zwischen Mitte Dezember 2020 und Anfang April 2021 stand Piszczek in der Bundesliga lediglich fünf Minuten auf dem Platz.

Auch 2017 durfte Łukasz Piszczek mit dem BVB im Berliner Olympiastadion jubeln. © imago / Annegret Hilse © imago / Annegret Hilse

Das verwunderte vor allem deshalb, da die direkte Konkurrenz nur sehr bedingt überzeugte. Der mit großen Hoffnungen verpflichtete Thomas Meunier erlebt eine Saison zum Vergessen, ist regelmäßig ein Unsicherheitsfaktor und mittlerweile außen vor. Mateu Morey hatte sich bis zu seiner schweren Knieverletzung mit soliden Leistung einen Stammplatz erkämpft.

BVB-Trainer Terzic über Piszczek: „Er ist immer mittendrin“

Doch auf den letzten Metern seiner Profikarriere will es Piszczek noch einmal wissen. Zuletzt stand der polnische Rekordspieler der Bundesliga viermal hintereinander in der BVB-Startelf. „Lukasz hat sich diese Chance verdient. Er ist ein wichtiger Teil der Mannschaft, er ist immer mittendrin und versucht immer, von außen zu pushen. Jetzt macht er es auf dem Platz hervorragend“, meint Trainer Edin Terzic. Sportdirektor Michael Zorc wünscht Piszczek „den gebührenden Abschied nach einer herausragenden Karriere.“

Im Endspurt beim BVB wieder gesetzt: Lukasz Piszczek (M.). © imago / Uwe Kraft © imago / Uwe Kraft

Zuletzt wurden sogar Rufe laut, Piszczek solle seinen Vertrag doch noch einmal um ein Jahr verlängern – doch das wird Wunschdenken bleiben. Nach fast 400 Pflichtspielen für Borussia Dortmund wird „Piszczu“ im Juni „seine Sachen packen und nach Polen fahren“. Ganz beendet sein wird die Karriere aber noch nicht. „Ich möchte mit Freunden aus meinem Heimatverein Goczalkowice spielen, wo mein Vater Vizepräsident ist, und mich um die Jugend kümmern“, sagte er vor einigen Tagen im Interview mit „bundesliga.com“. Auch bei seiner 2019 gegründeten Fußball-Akademie wird sich Piszczek vermehrt einbringen können.

BVB-Routiner Piszczek: „Macht Euch keine Sorgen“

Aus besagtem Interview stammt auch ein Zitat, das – zumindest bei einigen weniger seriösen Fußball-Portalen – für Aufregung sorgte. Piszczek sagte über das Ende seiner Profikarriere: „Du siehst doch, wie kaputt ich bin.“ Was ironisch gemeint war, schlug plötzlich hohe Wellen. Piszczek, in den sozialen Medien äußerst zurückhaltend unterwegs, teilte via Twitter mit: „Wenn man den Kontext nicht kennt, sollte man mich auch nicht zitieren. Macht Euch keine Sorgen, es geht mir bestens!“ Und das ist – nicht nur in diesen turbulenten Zeiten – immer das Wichtigste. Do widzenia, Łukasz!

Über den Autor
BVB-Redaktion
Premium-Jahrgang 1981. Besetzte im Mittelfeld von Rot-Weiß Unna die Acht, bevor die Position überhaupt erfunden wurde. Studium der Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend ablösefreier Wechsel zu Lensing Media. Im BVB-Team polyvalent einsetzbar.
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