Einfach „Kutte“! Als Günter Kutowski die Herzen der BVB-Fans eroberte

hz25 Jahre Meisterschaft

Als der BVB 1995 Deutscher Meister wurde, bebte ganz Dortmund. Wir haben mit den Meister-Helden gesprochen. Teil zwei: Günter Kutowski über Kultstatus und eine Herzensangelegenheit.

Dortmund

, 28.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kutte ist Kult. Kutte ist einer, den die BVB-Fans bis heute verehren. Und einer, der den BVB verehrt. „Borussia Dortmund“, so sagt es Günter „Kutte“ Kutowski, „das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ Noch immer pilgert er, so oft es geht, zu Heimspielen ins Stadion an der Strobelallee. Heute kommt der 54-Jährige als Fan, früher stand er selbst dort unten auf dem Rasen und hat sich furchtlos ins Getümmel geworfen. Schnell spielte sich der Verteidiger mit seinem beinharten Fußball und seiner bodenständigen Art in die Herzen des Publikums. Aus dem Paderborner Kutowski, ein Name wie gemeißelt für den Ruhrpott, wurde Kutte.

Kutowski holt mit dem BVB den Pokal und die Deutsche Meisterschaft

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1989, als der BVB in Berlin den Pokal holte und so eine ewig anmutende Durststrecke von 23 Jahren ohne Titel beendete, war er längst zur Stammkraft avanciert. Im Finale gegen Bremen ackerte er 90 Minuten, dann knallten die Korken. „Das war schon ein einschneidendes Erlebnis“, erinnert sich Kutowski, „da haben wir schon gemerkt, wieviel es den Fans bedeutet hat. Ich glaube, dass fast jeder Freudentränen in den Augen hatte.“ Ähnlich schön und gewaltig sei es dann sechs Jahre später gewesen, 1995, als der Griff zur Meisterschale gelang. Kutowski war unter Trainer Ottmar Hitzfeld zwar kein Stammspieler mehr, aber er war immer noch mittendrin.

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Und dieser letzte Spieltag der Saison 1994/1995, er sei „einfach nur phänomenal“ gewesen. Die Borussia musste gegen den HSV gewinnen und zeitgleich auf Schützenhilfe der Bayern gegen den BVB-Konkurrenten Werder Bremen hoffen. „Natürlich wussten wir immer, wie es in München steht“, erinnert sich Kutowski, auch ohne Livebild oder Internet war der BVB damals gut vernetzt. „Hitzfeld hatte zwar gefordert, dass wir uns auf uns konzentrieren sollen, aber zur Ersatzbank wurde uns immer der aktuelle Spielstand der Bayern durchgegeben.“

Kutowski bleibt auch nach seiner Karriere mit dem BVB in Kontakt

Schon vor dem Schlusspfiff war uns klar, dass es reichen würde, dass die große Sause beginnen kann. Momente für die Ewigkeit. „Ich bin sehr froh, Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein. Ich habe im Meisterjahr keine tragende Rolle gespielt, aber nicht jeder Fußballer kann von sich sagen, Deutscher Meister geworden zu sein“, betont Kutowski, der seine Karriere nach mehr als 300 Partien für den BVB später in seiner Heimatstadt Paderborn ausklingen ließ.

Mit dem BVB gewann Günter Kutowski 1989 in Berlin den DFB-Pokal.

Mit dem BVB gewann Günter Kutowski 1989 in Berlin den DFB-Pokal. © imago

Die Drähte zur Borussia aber rissen nie ab. Und 2004 machte ihm Klub-Altstar Theo Redder sein Erbe schmackhaft: Die Leitung der BVB-Traditionsmannschaft. Eigentlich sagte Kutte nur „für ein, zwei Jahre zu“, mittlerweile sind es 16 geworden. Der besondere Reiz dieses Jobs? „Wir sind zusammen mit den alten Kollegen, ich bin weiter nah am BVB und es gibt viele schöne Erlebnisse, wenn wir unterwegs sind, wir erhalten viel Anerkennung von den Fans.“ Bis zu 20 Mal im Jahr sei die Traditionsmannschaft aktiv, selbst Oldie Frank Mill sei noch häufig am Ball. „Frankie hat zwar nicht mehr das Tempo von früher, aber Hut ab vor seiner Fitness“, lobt Kutte, „dann müssen eben die Jungen wie Odonkor oder Federico die Laufarbeit erledigen.“

Kutowski und der blutdurchtränkte BVB-Turban in Saragossa

Mit dem Ende seiner Profi-Laufbahn hat Kutowski sich schon vor 18 Jahren ein zweites Standbein geschaffen. Als lizensierter Spielerberater. Zunächst als Teil einer Agentur, seit einem halben Jahr auf eigenen Füßen, „ich wollte einfach einen neuen Schritt wagen“. So wie damals, als er sich als 18-Jähriger trotz anderer Angebote für den BVB entschied. Und es nie bereute. Die Borussia auch nicht. Spätestens seit dem 8. Dezember 1992, als Kutowski im UEFA-Pokal-Achtelfinale gegen Saragossa mit blutdurchtränktem Turban durchhielt, war er nur noch der Kutte. Und Kult.

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