Ex-BVB-Coach hat mit Huddersfield große Ziele

Die Wagner-Revolution

In Dortmund stand er stets im Schatten seines Freundes Jürgen Klopp, in Huddersfield dagegen ist David Wagner der Mann der Stunde. Seit der Deutsche im November 2015 als Trainer beim Zweitligisten Huddersfield Town angeheuert hat, ist der Traditionsklub aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht. Vor der am Samstag startenden Saison hat der Klub kurzerhand die Wagner-Revolution ausgerufen.

DORTMUND

, 03.08.2016, 07:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dicke Freunde - und gegenseitige Anhänger: Nach dem 2:0-Testspielsieg gegen seinen Trauzeugen David Wagner (r.) und dessen neuen Klub erklärte Liverpool-Coach Jürgen Klopp öffentlichkeitswirksam: "Ich bin jetzt Fan von Huddersfield Town."

Dicke Freunde - und gegenseitige Anhänger: Nach dem 2:0-Testspielsieg gegen seinen Trauzeugen David Wagner (r.) und dessen neuen Klub erklärte Liverpool-Coach Jürgen Klopp öffentlichkeitswirksam: "Ich bin jetzt Fan von Huddersfield Town."

Ganz geheuer ist David Wagner das alles nicht. Wenn er den Fernseher einschaltet, sieht er Werbespots seines Klubs, die den Fußball unter ihm preisen. Auf Twitter ist der Hashtag „#WagnerRevolution“ für Huddersfield das, was für den BVB „#EchteLiebe“ ist. Und wenn er ans Telefon geht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein deutscher Journalist am anderen Ende der Leitung, um etwas über die wundersame Entwicklung der „Terrier“ aus der englischen Grafschaft West Yorkshire zu erfahren.

Frisches Image

„Ich selbst hätte mir wohl nicht den Slogan ausgesucht“, sagt er über die sogenannte Wagner-Revolution und lacht. So stark im Fokus zu stehen, das ist neu für den Fußballlehrer, der jahrelang - und meist erfolgreich - die U23 des BVB trainiert hat.

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Doch in Huddersfield ist er der Mann schlechthin. Dean Hoyle, seit Kindesbeinen Fan und heutiger Besitzer von Huddersfield Town, hat ihn auserkoren, den finanziell eher bescheiden ausgestatteten Zweitligisten wieder in höhere Sphären zu katapultieren. Durch sportliche Erfolge, aber auch durch ein frisches Image. „In einem unserer ersten Gespräche hat er mich gefragt, ob es möglich sei, in Huddersfield so spielen zu lassen wie wir es damals beim BVB gemacht haben“, erinnert sich Wagner. Er bejahte mutig - und machte sich an die (Basis-)Arbeit.

Professioneller Tagesablauf

Zwei Einheiten pro Tag, an den Biorhythmus angepasste Trainingszeiten, Übernachtungen im Hotel vor Spielen – im deutschen Profi-Fußball sind das Selbstverständlichkeiten. In Huddersfield hatte sich nie zuvor jemand damit beschäftigt. „Der Fußball hier ist anders“, sagt Wagner. Es werde analytischer bearbeitet, der Statistik eine größere Bedeutung beigemessen und mehr Wert auf körperliche Kraft gelegt. Zudem sei die Mentalität der Spieler „herausragend gut“.

Wagner baute darauf auf, als er im November unterschrieb, und ergänzte die tägliche Arbeit um seine Methoden. Inzwischen steht der Klub für Leidenschaft, Laufbereitschaft und Kampfstärke. Längst gehört das Wagner’sche Gegenpressing zu den Erkennungsmerkmalen der „Terrier“. Stolz verweist der 44-Jährige darauf, dass sein Team in allen Lauf-Statistik am Saisonende vorne lag und auch bei den Torabschlüsse und Toren Maßstäbe setzte. Dass die „Terrier“ am Ende dennoch nur auf Rang 19 einliefen, ändert nichts an Wagners Zufriedenheit - und an der seines Bosses, der auf Nachhaltigkeit und die Entwicklung von Talenten setzt.

Sieben Neuzugänge aus Deutschland

Ganz bewusst schaute sich Wagner daher in diesem Sommer auf dem deutschen Markt um und verpflichtete insgesamt sieben Spieler aus seinem Heimatland, darunter in Chris Löwe, Ivan Paurevic und Jon Stankovic drei alte Bekannte aus Dortmunder Zeiten. „Der Markt in England ist völlig überhitzt“, sagt Wagner, „in Deutschland gab es dagegen noch bezahlbare Spieler. Denn wir wollten Profis, die Erfahrungen im oberen Tabellenbereich gesammelt haben und in ihren Klubs Führungspersönlichkeiten waren.“ Die Mischung aus englischer Mentalität und deutscher Professionalität sei optimal, erklärt er.

Die Fans goutieren den Weg, den Huddersfield unter Wagner eingeschlagen hat. Die Zahl der verkauften Dauerkarten verdoppelte sich auf 15.000. Die Euphorie ist groß. „Jetzt sind wir allerdings auch heilfroh, dass es am Samstag gegen Brentford losgeht - so schön die positiven Rückmeldungen auch sind“, sagt Wagner, der Chef-Revoluzzer, „dann wissen wir endlich, wo wir wirklich stehen.“ Matthias Dersch

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