Ex-BVB-Profi Ilkay Gündogan bei einer Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft. © picture alliance/dpa

Ex-BVB-Profi Gündogan überrascht Heimatverein: Ein Geber mit Nehmerqualität

Nationalspieler Ilkay Gündogan überrascht seinen Heimatverein mit einem besonderen Geschenk. Der Ex-BVB-Profi muss nach einer Enttäuschung aber einmal mehr seine Comeback-Fähigkeiten zeigen.

Kleine Füße, großes Geschick: In seinem dritten Lebensjahr hätten ihn seine Eltern zum Kicken angemeldet, beim kleinen Gelsenkirchener Vorortverein SV Heßler 06. „Seitdem“, sagt Ilkay Gündogan, „spielt der Fußball die Hauptrolle in meinem Leben. Der Sport hat mir viel gegeben, ich habe ihm viel zu verdanken.“ In einer bemerkenswerten Form von Dankbarkeit zahlte Gündogan seinem ersten Klub den Zugang zu seiner Weltkarriere nun zurück.

Ex-BVB-Profi Ilkay Gündogan spendet seine Meisterprämie

Ex-BVB-Profi Gündogan spendete seine Meisterprämie von 300.000 Euro, die er für den Titel mit Manchester City in der Premier League bekommen hat, an den SV Heßler für den Bau eines Kunstrasenplatzes. Die andere Hälfte des nötigen Betrages kam von der Stadt.

Seit zwei Jahren sei die Idee gereift, sagte der inzwischen 46-fache Nationalspieler, es habe ihn „traurig“ gestimmt, wenn sich Kinder wegen eines Fußballplatzes in schlechtem Zustand abmelden würden. „Ich bin glücklich, wenn ich es unterstützen kann, dass noch mehr Kinder Spaß am Fußball finden.“ So wie es bei ihm selber begann. Vor inzwischen 27 Jahren.

Nationalspieler Gündogan und ehemaliger BVB-Profi: Magnet in den Füßen

Diese reine Freude am Spiel kennzeichnet auch heute noch den Stil von Gündogan, der ball- und passsicher seine Kreise zieht auf dem Rasen. Manchmal scheint es, als sauge er die Kugel mit einem Magneten in seinen Schuhen an. Deswegen fühlt er sich im Mittelfeld, im Zentrum des Geschehens, am wohlsten. Je mehr Ballaktionen, desto besser. Ob er denn mehr Sechser, Achter oder Zehner sei, wie offensiv oder defensiv er sich also am liebsten positioniert, vermochte Gündogan gestern Nachmittag im DFB-Basislager in Herzogenaurach selber nicht zu beurteilen. Er habe „im Mittelfeld schon alle Positionen gespielt“. Er könne und wolle sich anpassen. Seine Trainer wie Jürgen Klopp, Pep Guardiola und Joachim Löw schätzen ihn als einen der intelligentesten, flexibelsten Mittelfeldspieler.

Aber: Spielt die DFB-Elf mit einer Dreierkette, gibt es nur zwei Plätze im Zentrum zu vergeben. Wäre die Mitte mit ihm und Toni Kroos auch robust und stabil genug, zumal Leon Goretzka nach seinem Muskelfaserriss noch Aufbautraining benötigt und Joshua Kimmich auf dem rechten Flügel aufhelfen muss? „Wir haben uns schon in Seefeld über unsere Rollen und die Positionen unterhalten“, verriet der 30-Jährige. Tenor: alles eine Frage der Abstimmung, jeder Kandidat bringe seine eigenen, anderen Qualitäten mit. Und drei Innenverteidiger im Rücken zu haben, sei eine hilfreiche Absicherung, um auch mal „nach vorne vorzustoßen“, den Gegner früh zu attackieren.

Ex-BVB-Profi Gündogan will mit der Nationalmannschaft Erfolge feiern

Mit dem Feinschliff haben Gündogan und Co. am Donnerstag im Adi-Dassler-Stadion auf dem weitläufigen und teils futuristischen Gelände des DFB-Gastgebers begonnen. „Jetzt geht‘s richtig rund“, sagte Sportdirektor Oliver Bierhoff, vier Tage nach dem Eröffnungsspiel zwischen der Türkei und Italien (Freitag, 21 Uhr) wird es auch für die deutsche Nationalmannschaft im Auftaktspiel gegen Weltmeister Frankreich ernst, und Ilkay Gündogan kann es „kaum erwarten“. Neben der „großen Vorfreude“ auf die Europameisterschaft bietet das Turnier für ihn auch die Chance, das verlorene Champions-League-Finale zu verarbeiten. „Man arbeitet ein ganzes Jahr darauf hin, oder in meinem Fall sogar acht Jahre“, sagt Gündogan. 2013 verlor er das Endspiel der Königsklasse mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern mit 1:2, vor zwei Wochen mit Manchester City gegen Chelsea und seine DFB-Teamkollegen Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger mit 0:1.

„Bei mir persönlich ist die Enttäuschung extrem groß“, gesteht er. Die Erinnerung an den aus seiner Sicht unheilvollen Abend in Porto kämen häufig hoch, „es ist nicht leicht, so ein großes Spiel am Ende einer Saison zu verlieren und damit umzugehen“. Da käme, das sei ja „das Schöne am Fußball“, die nächste Herausforderung gelegen. „Es geht immer weiter, ich habe gar nicht viel Zeit, darüber nachzudenken.“ Während Siegtorschütze Havertz „mit noch mehr Selbstvertrauen und breiter Brust“ ins EM-Quartier eingezogen sei, müsse er sich neu fokussieren, den Kopf heben, „mir bleibt ja nichts anderes übrig“. Flucht nach vorne.

Beim BVB kämpfte sich Gündogan nach einer schweren Verletzung zurück

Comebacks kann Gündogan. 2015 sprang ihm als BVB-Spieler die Kniescheibe heraus beim Basketballspielen im Training, Ende 2016 riss sein Kreuzband, er kam immer zurück. Und auch sein erster Anlauf im großen Fußball scheiterte übrigens: Nach fünf Jahren beim SV Heßler 06 versuchte er sich beim FC Schalke 04 – und wurde wieder aussortiert. „Ich habe gelernt“, sagt Gündogan rückblickend, „auch aus Negativerlebnissen etwas für die Zukunft mitzunehmen. Ich konnte immer einen Schritt weiterkommen mit dem, was ich erlebt habe.“ Wenn er das im Sommer 2021 wahrmacht, hätte Fußball-Deutschland sicher nichts dagegen. Für die EM-Prämie von 400.000 Euro würde sich ein guter Zweck finden.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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