BVB-Boss Watzke wünscht sich mehr Mut von der Politik. Und das ist nachvollziehbar. © picture alliance/dpa/Pool AP
Meinung

Fans zurück ins Stadion: BVB-Boss Watzke hat Recht mit seiner Forderung

Die Forderungen, endlich mehr Normalität in den Fußballstadien zuzulassen, werden immer lauter. Auch BVB-Boss Watzke stößt in dieses Horn - weil es anders nicht mehr lange gut geht.

Angesichts der Tatsache, dass der Spielbetrieb fortgeführt werden durfte, während Betriebe und ganze Berufszweige über Monate im Lockdown verharrten, hatte sich der Profifußball – ganz untypisch für die Branche – den Mantel der Bescheidenheit umgelegt. Doch mit dieser Demuthaltung ist es nach 18 Monaten Pandemie nun vorbei.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke fordert mehr Mut von der Politik

Immer deutlicher werden angesichts eines ausreichenden Angebots an Impfstoffen und einer steigenden Quote geimpfter Menschen die Forderungen an die Politik formuliert, mehr Mut zu wagen und endlich mehr Normalität in den Stadien zuzulassen.

Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stößt in dieses Horn, und man kann seine Argumentation nachvollziehen. Dem Fußball steht das Wasser bis zum Hals, er braucht die Einnahmen zum Überleben. Wer nicht – wie der BVB – auf Rücklagen zurückgreifen konnte und über ein solides Fundament verfügt, dem droht das Ertrinken, wenn sich die Ertragslage nicht bald ändert. Watzke hat dieses Szenario kürzlich nicht ohne Grund thematisiert, er dürfte die Zahlen der Kollegen kennen.

BVB will bei Spielen im Signal Iduna Park auf das 2G-Prinzip setzen

Zweitens: Es ist rechtlich mindestens umstritten, wenn Geimpften (Grund-)Rechte weiter vorenthalten werden, und es dürfte den Klubs über ihr Hausrecht eigentlich auch nicht verwehrt werden können, diese Gruppe ins Stadion zu lassen, wenn ein entsprechender Nachweis vorliegt.

So ist es nur folgerichtig, dass auch Borussia Dortmund in Kürze nach dem „2G“- und nicht mehr nach dem „3G-Prinzip“ verfahren will. Motto: Mehr Sicherheit für die Stadionbesucher, aber eben auch ein Recht für die Vereine auf eine höhere Auslastung des Stadions.

Zieht der BVB vielleicht sogar eine Klage in Betracht?

Dass es eine Grauzone gibt, weiß Watzke dabei sehr wohl: Was macht man mit Menschen, die sich aufgrund einer medizinischen Indikation nicht impfen lassen dürfen, was macht man mit Kindern, für die es keine Impffreigabe gibt? Für diese Gruppen muss es auch künftig möglich sein, ein Fußballstadion zu betreten oder in ein Konzert zu gehen.

Doch der Druck auf die Politik, über die steigende Impfquote auch denjenigen mehr Rechte einzuräumen bzw. Rechte zurückzugeben, die vollständig geimpft oder genesen sind, wird weiter steigen. Watzke hat den Klageweg kürzlich als „Ultima ratio“ beschrieben. Angesichts der sich zuspitzenden Diskussion aber scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Gerichte diese Frage klären müssen, wenn die Politik weiter so zaudert wie bisher.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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