Findet Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegen den BVB den Lichtschalter?

hzGastkolumne

BVB-Pokalgegner Werder Bremen durchlebt die schwierigste Phase seit Jahren. Die Hoffnungen ruhen auf Trainer Kohfeldt. Doch die Zeit wird langsam knapp.

von Björn Knips

Bremen

, 04.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nicht lange her, da hätten sich Werder-Fans darum geprügelt, ein Ticket für ein Pokal-Heimspiel gegen Borussia Dortmund zu ergattern. Vor dem Duell heute Abend (20.45 Uhr) gibt es nicht wenige grün-weiße Anhänger, die auf das Spiel verzichten könnten. Der Abstiegskampf mit acht Niederlagen in den vergangenen zehn Spielen sorgt für jede Menge Frust und fast schon Resignation an der Weser. Kurz hat dieses Gefühl auch Florian Kohfeldt erwischt, doch der Trainer befindet sich längst wieder im Kampfmodus - geholfen haben ihm ausgerechnet Videos des BVB.

„Ich bin ein Wettkämpfer“, sagt der Coach: „Und ich will jedes Spiel gewinnen.“ Er weiß natürlich, dass so etwas nach der 1:2-Pleite in Augsburg inklusive einer desaströsen zweiten Halbzeit ziemlich vermessen klingt. Er geht auch davon aus, „dass ganz Deutschland einen souveränen BVB-Sieg erwartet“, doch Kohfeldt kann wie kaum ein anderer Coach die Stimmung aufhellen. Er findet auch in schwierigen Situationen den Lichtschalter, damit alle am Ende des Tunnels wieder etwas erkennen können.

Werder-Trainer Kohfeldt ist beeindruckt von der BVB-Power

Heute Abend soll das die Chance auf eine Sensation sein. Der Kader und die aktuelle Form sprechen natürlich klar für die Borussia. Aber am Sonntag hat sich Kohfeldt an seinen Rechner gesetzt und die letzten Spiele des BVB geschaut. Er hat ein funktionierendes Team mit viel „Offensiv-Power“ gesehen. Auch er ist von der neuen Dortmunder Tormaschine Erling Haaland ziemlich beeindruckt. Aber Kohfeldt hebt sofort Marco Reus hervor und bezeichnet ihn „als immer noch einen der besten Bundesliga-Spieler - offensiv wie defensiv“.

Findet Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegen den BVB den Lichtschalter?

© Deltatre

Doch bei allem Respekt vor Reus und Co. - der Werder-Coach hat dabei auch entdeckt, „dass die Dortmunder immer Momente von Euphorie in ihrem Spiel haben, in denen dann sehr viele Spieler sehr offensiv agieren“. Da sieht er die Möglichkeit für seine Mannschaft. Ansonsten müsse sein Team aber sehr leidensfähig sein, um gegen diesen Gegner zu bestehen.

Ex-Borusse Nuri Sahin läuft seiner Form hinterher

Mit der Leidensfähigkeit ist das in Bremen allerdings so eine Sache. Seit Saisonbeginn läuft es unrund. Das Verletzungspech lässt sich kaum noch in Worte fassen und dürfte auch hauptverantwortlich für die Krise sein. Inzwischen kränkeln selbst die gesunden Spieler, sie sind vom Selbstzweifel-Virus befallen. Bei Rückschlägen brechen Davy Klaassen, Maximilian Eggestein und Co. regelmäßig ein. Nuri Sahin ist zwar seit einigen Wochen wegen des Ausfalls von Philipp Bargfrede wieder gesetzt, der Ex-Dortmunder läuft der guten Form vom Saisonstart aber weiter hinterher. Immerhin ist BVB-Leihgabe Ömer Toprak endlich wieder fit, aber auch nicht frei von Fehlern - wie das Augsburg-Spiel gezeigt hat.

Findet Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegen den BVB den Lichtschalter?

Auf der Suche nach der guten Form: Ex-Borusse Nuri Sahin. © imago / Sven Simon

Werder hofft, dass die beiden Wintertransfers Kevin Vogt (Hoffenheim) und Davie Selke (Hertha BSC) die Mannschaft hinten und vorne wieder in die Spur bringen. Die Zeit drängt. Denn so langsam kommen Zweifel auf, ob der hoch geschätzte und sehr beliebte Florian Kohfeldt mit der Mannschaft die Kurve kriegt. Der 37-Jährige präsentiert sich dabei sehr kämpferisch, ohne zu überdrehen. Er bewahrt auch die nötige Ruhe, um gleichzeitig wortgewandt Mut zu machen.

Bremen will den Liga-Frust gegen den BVB vergessen

Die Liga solle an diesem Pokalabend einfach mal ausgeblendet werden - sein Motto lautet: „Wir dürfen uns auf dieses Spiel freuen!“ Ganz sicher, die Botschaft wird ankommen. Das Weserstadion ist ausverkauft - und wenn die Fans erst mal drin sind, dann wird die Mannschaft auch bedingungslos angefeuert.

Lesen Sie jetzt