Geisterspiele beim BVB: Die große und teure Leere

hzBorussia Dortmund

Der Bundesliga drohen viele Partien, vielleicht eine komplette weitere Saison ohne Zuschauer. Den BVB würde das finanziell ziemlich hart treffen.

Dortmund

, 14.04.2020, 18:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 9. Mai, so hofft es die Deutsche Fußball Liga bislang noch, soll in der Bundesliga wieder gespielt werden. Fürs Fernsehen und fürs Geld, nicht für die Fans im Stadion, aber es soll immerhin weitergehen, um finanzielle Totalschäden bei den 36 Klubs der ersten und zweiten Liga abzuwenden.

Leopoldina kann Auswirkungen auf BVB und Bundesliga haben

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Am 23. April schalten sich die Vereine erneut zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Dann wird einmal mehr eine Bewertung der Lage in der Corona-Krise vorgenommen – und sicherlich werden dann auch die Aussagen von Professor Gerald Haug, dem Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina, ein Thema sein, die durchaus entscheidenden Einfluss auf die weiteren Beschlüsse der Bundesregierung im Kampf gegen das Coronavirus haben dürften.

Haug sprach am Montagabend in den „ARD-Tagesthemen“ davon, dass es „sicherlich noch viele Monate“ dauern werde, bis es beispielsweise wieder Fußballspiele vor Zuschauern oder Konzerte in großen Hallen geben könne. Es gäbe auch optimistischere Szenarien, sagte Haug, aber es könne eben auch „bis zu eineinhalb Jahre“ dauern. Entscheidend sei vor allem, wie schnell es gelinge, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln. Solange es diesen nicht gebe und die Pandemie nicht ende, sei es „sicherlich klug“, ein volles Fußballstadion zu meiden.

Geisterspiele beim BVB: Für Klubs gibt es wichtigere Fragen

Für die Klubs gibt es derzeit freilich dringlichere Fragen als die, wann sie wieder vor Fans spielen können. Aktuell geht es primär um die Frage, wann und ob sie überhaupt wieder spielen können. Das noch ausstehende Geld aus dem Verkauf der Fernsehrechte für diese Saison und die damit verbundenen Sponsoring-Einnahmen wiegen schwerer als ausbleibende Ticket-Erlöse. Allein 384 Millionen Euro an TV-Geldern stehen an den letzten neun Spieltagen auf dem Spiel. Die Sponsoring-Einnahmen werden auf rund 270 Millionen Euro geschätzt, die Ticket-Erlöse „nur“ auf etwa 160 Millionen Euro.

Und doch werden sich die DFL und ihre Klubs mit Haugs Worten beschäftigen müssen. „Bis zu eineinhalb Jahren“ – ohne Zuschauer: Das möchte zwar niemand der Verantwortlichen gerne hören, vielleicht auch noch nicht wahrhaben, aber es ist zumindest ein Szenario, das durchgerechnet werden muss.

Ticket-Erlöse fallen schwer ins Gewicht – auch beim BVB

Borussia Dortmund würde ein solches Szenario aufgrund des großen Stadions und des hohen Zuschauerschnitts hart treffen. Bei den Ticket-Erlösen entgehen dem BVB pro Heimspiel, das ohne Zuschauer ausgetragen werden muss, laut eigener Aussage zwischen zweieinhalb und drei Millionen Euro. Allein bis Saisonende fehlen so bis zu 15 Millionen Euro in der Kasse, die durch den partiellen Gehaltsverzicht der Spieler und Verantwortlichen nur zum Teil aufgefangen werden können.

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Haugs Aussagen vom Montagabend lassen vermuten, dass diese 15 Millionen Euro nur der Anfang des Übels sein werden. Womöglich droht der Bundesliga eine komplette nächste Saison ohne Zuschauer. Nimmt man die 22 BVB-Heimspiele dieser Saison als Grundlage (ohne DFL-Supercup), nämlich 17 Bundesliga-Partien, vier Champions-League-Spiele und ein DFB-Pokal-Heimspiel, kommt man auf weitere gut 60 Millionen Euro ausbleibende Einnahmen – und das bezieht sich nur auf die fehlenden Ticket-Erlöse, nicht auf all die zusätzlichen und nicht pauschal zu beziffernden Einnahmequellen, die Heimspiele bereit halten, wie beispielsweise Werbeaktionen im Stadion, den Verkauf von Fanartikeln rund um Spiele im Signal Iduna Park oder, ganz einfach gedacht, den Verkauf von Stadionwurst und Bier.

Vier Millionen Euro könnten dem BVB pro Heimspiel fehlen

Wie groß das Loch tatsächlich sein wird, das am Ende auf Borussia Dortmunds Einnahmeseite klaffen wird, lässt sich daher nur überschlagen. Die rund zweieinhalb bis drei Millionen Euro pro Heimspiel sind jedenfalls nur ein Sockelbetrag, in Wirklichkeit geht dem BVB noch deutlich mehr Geld durch die Lappen, falls das Stadion leer bleiben muss und die Fans ihr Geld zurückverlangen. Intern ist die Rede von rund vier Millionen Euro pro Heimspiel. Fest steht: In einer Saison ohne Fans bräche ein beachtlicher Teil des Jahresumsatzes weg, der im Geschäftsjahr 2018/2019 transferbereinigt bei knapp 370 Millionen Euro lag. Im schlimmsten Fall und in Summe könnten durch die Corona-Krise nur wegen eines leeren Stadions über 100 Millionen Euro auf der Einnahmeseite der Schwarzgelben fehlen.

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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat vor wenigen Wochen in einem Interview mit „11 Freunde“ gesagt, dass er schon „sehr glücklich“ sei, wenn in diesem Jahr noch Fußball vor Zuschauern gespielt werden könne. Er sagte das sicherlich, weil Fußball ohne Fans auch für Watzke bestenfalls die Hälfte wert ist. Er sagte es aber wohl auch, weil niemand als er besser weiß, wie viel Geld für Borussia Dortmund an einem vollen Stadion hängt. Die Leopoldina-Einschätzungen vom Wochenende lassen Watzkes Wunsch nach Fußball mit Fans fürs Erste allerdings noch ein bisschen frommer daherkommen.

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