"Gerechtigkeit gibt´s nicht"

MARBELLA Stammspieler war Christian Wörns zuletzt nicht mehr. Sein Kapitänsamt aber behält der 35-jährige beim BVB. Und damit auch die Rolle als Führungsspieler. Wie er in der Rückrunde wieder in die Startelf rücken möchte und warum ihn sein möglicherweise auslaufender Vertrag nicht beunruhigt, verrät er im Interview.

von Von Thomas Rellmann

, 13.01.2008, 18:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Training in der Sonne von Marbella. Ihre Eindrücke?Wörns: Gut. Wir haben kaum Verletzte, jeder zieht voll mit und sucht seine Chance. Das ist positiv.

Und die Stimmung?Wörns: Wie‘s nach dem Urlaub immer ist. Jeder ist gut gelaunt und gibt Gas.

Thomas Doll hat Reizpunkte gefordert, auch aus dem Team. Wie sehen die aus?Wörns: Durch die beiden neuen Spieler hat er ja bereits welche gesetzt. Dadurch steigt der Konkurrenzkampf. Aber jeder ist da anders gestrickt. Der eine oder andere muss verbal voran gehen, wenn es nicht so läuft.

Wie sieht da die Rolle als Spielführer aus?Wörns: Ich gehe ja nicht allein vorne weg. Da ist ein Sebastian Kehl im Boot, da ist zum Glück jetzt auch wieder Alexander Frei, auch wenn er sicher noch ein paar Wochen brauchen wird.

Ist diese Rolle von der Bank aus schwieriger auszuüben?Wörns: Nein. Ich hatte die Zeit, über gewisse Dinge nachzudenken, das hat mir gut getan. Ich suche meine Chance, bin hochmotiviert – auch im verbalen Bereich.

Haben Sie die eigenen Leistungen der Vorrunde intensiv reflektiert?Wörns: Natürlich. Ich konnte damit nicht zufrieden sein. Die physischen Werte haben gestimmt. Daher fragt man sich immer, warum es läuft oder nicht. Form kommt, Form geht. Ich will das alles hinter mir lassen.

Was hat denn Ihre persönliche Suche nach Ursachen für diese Hinrunde ergeben?Wörns: Schwer zu sagen. Wenn man keine gute Form hat, soll man zumindest keine Fehler machen. Das ist mir nicht geglückt, ich habe sicher in einigen Situation unglücklich ausgesehen.

Sie wurden im Duett mit Robert Kovac oft als „Opa-Abwehr“ tituliert ...Wörns: Wir haben ja nicht viele Chancen gehabt, uns gemeinsam zu beweisen, gerade mal ein paar Spiele. Ich glaube immer noch, dass das funktionieren kann.

Was hat Ihnen mehr weh getan: die „Opa-Abwehr“ oder Ihre Herausnahme aus dem Team von Thomas Doll?Wörns: Beides war sehr bitter, es schmerzte. Aber es gibt in solchen Situationen zwei Möglichkeiten: Man steckt den Kopf in den Sand. Oder man kämpft weiter. Und ich war immer der Typ, der dann gekämpft hat.

Rechnen Sie mit einer neuerlichen Chance?Wörns: Im Moment läuft‘s super für mich. Ich kann nur gut trainieren, der Rest liegt nicht in meiner Hand.

Ist ein Grund für die Probleme in den freiwilligen und vielen Wechseln in der Innenverteidigung zu finden?Wörns: Mag sein. Man kann aber nicht alles auf die Innenverteidigung schieben. Es gab Spiele, in denen fünf oder sechs Mann weggebrochen sind oder andere unter ihren Möglichkeiten gespielt haben. Wo man als erstes ansetzt, ist dann bei uns Innenverteidigern, auf die man sich in der Öffentlichkeit vor der Saison schon eingeschossen hatte. Gerechtigkeit gibt es nicht.

Auch die sportliche Führung nahm die Manndecker öfter ins Visier.Wörns: Wir müssen natürlich so wenige Fehler wie möglich machen. Aber man erhofft sich von den Kollegen Unterstützung. Und das war nicht immer der Fall. Wenn wir patzen, fällt eben meistens direkt ein Tor.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, sofern Sie keine 25 Pflichtspiele absolvieren. Haben Sie auch Ihr Karriereende im Hinterkopf?Wörns: Es zählt nur die Gegenwart. Es gibt keinen Grund, ans Ende zu denken. Es ist ja nicht so, dass ich von einer Verletzung in die nächste schlittere. Eine solche Hinserie hätte mir auch im Alter von 25 passieren können.

Erhoffen Sie sich Signale vom Verein?Wörns: Nein. Das ist hier ja alles kein Wunschkonzert. Wir müssen jetzt erstmal die nächsten Wochen abwarten.

Wenn es in Dortmund nicht weitergeht, wäre dann ein anderer Verein denkbar?Wörns: Soweit habe ich noch nicht gedacht.

Was muss sich beim BVB in der Rückrunde ändern?Wörns: Es muss mehr Konstanz her. Das war ein Auf und Ab, eine Katastrophe. Wir haben immer wieder gute Spiele mit schlechten Spielen gepaart.

Borussia war zuletzt wegen der gescheiterten Transfers von Hinkel und Lehmann in den Schlagzeilen. Beschäftigt das die Spieler?Wörns: Weniger. Klar, dass die Torhüter diese Diskussion bewegt, weil sie direkt betroffen sind. Aber letztendlich sind wir ja alle Profis. Der Verein muss auch an sich selber denken, leider hat‘s nicht geklappt.

Wie haben Sie die Verpflichtung von Mats Hummels aufgenommen?Wörns: Das kann ich noch nicht richtig einschätzen, er hat wegen der Grippe noch keine echte Einheit mit uns absolviert. Aber ich schaue auf mich, auf meine Leistung.

Mit Antonio Rukavina ist außerdem ein potenzieller Nebenmann für Sie neu.Wörns: Er macht einen guten Eindruck, auch wenn wir abwarten müssen, er ist schnell. Ich hoffe auch, dass Philipp Degen zurück kommt. Den sollten wir nicht vergessen. Er hat sich in der Hinrunde gefangen.

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