Gewagte Forderung von Ex-DFB-Chef Grindel – Gefahr für den BVB?

Borussia Dortmund

Die 50+1-Regel sorgt für Kontroverse, der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel bringt eine Abschaffung ins Spiel. Für den BVB sei es keine Gefahr, der ist dennoch anderer Meinung.

Dortmund

, 26.07.2020, 10:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel. © picture alliance/dpa

Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel hat empfohlen, über die Abschaffung der 50+1-Regel nachzudenken. „Der deutsche Fußball sollte zumindest diskutieren, Bedingungen und klare Regeln für Investoren festzulegen, bevor die EU-Kommission vollendete Tatsachen schafft“, sagte Grindel der „Bild am Sonntag“.

Ex-DFB-Präsident Grindel: Um die Debatte kommt man nicht herum

Er betonte: „Für die Vereine, die am ehesten Bayern und Dortmund gefährlich werden können, wirken die 50+1-Regeln ohnehin nicht: siehe Leipzig oder Leverkusen. Insofern kommt man um die Debatte nicht herum, ob es nicht geboten ist, Vereinen, die in diese Phalanx einbrechen wollen, die Einbeziehung von Investoren zu erleichtern.“

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BVB-Boss Hans-Joachim Watzke positionierte sich bereits im April gegen eine Abschaffung der 50+1-Regel. Zwar waren damals die finanziellen Folgen der Corona-Krise schon abzusehen. Watzke sagte aber: „„Die Folgen werden sicher länger andauern. Aber es werden irgendwann auch wieder normale Zustände eintreten. Ich befürchte deshalb auch nicht, dass etwa 50+1 gekippt wird oder es dauerhaft neue Anstoßzeiten geben wird.“

Ex-DFB-Präsident Grindel sieht Gefahr – auch für den BVB

Grindel habe wiederum Zweifel, ob es in der Deutschen Fußball Liga überhaupt die Bereitschaft gebe, Mehrheitsbeteiligungen zuzulassen, die in der Bundesliga durch die 50+1-Regel untersagt sind. „Es bleibt ein juristisches Risiko, in einem europäischen Binnenmarkt Investitionszäune um den Wirtschaftsstandort Bundesliga zu ziehen“, sagte Grindel.

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Der ehemalige DFB-Chef sieht die Gefahr, dass „die Versuche, für mehr Wettbewerbsbalance in der Bundesliga zu sorgen, am Ende nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Top-Klubs auf europäischer Ebene schwächen, aber nicht zu mehr Spannung in der Meisterschaft führen“. Selbst eine Gleichverteilung der TV-Gelder werde keinen entscheidenden Effekt erzielen.

Bayern, Leipzig und Dortmund enteilen dem Rest

„Der FC Bayern macht einen Umsatz von 750 Millionen Euro, Borussia Dortmund von 500 Millionen und RB Leipzig von 300 Millionen. Die Unterschiede sind also allein unter den ersten drei Vereinen schon immens. Die anderen 15 Vereine haben einen durchschnittlichen Haushalt von 130 Millionen“, erklärte der 58-Jährige.

Die sogenannte 50+1-Regel soll verhindern, dass Investoren die Stimmenmehrheit in den Profi-Klubs übernehmen können. Durch die Unterbrechung wegen der Coronavirus-Pandemie sind viele Klubs in finanzielle Schieflage geraten. Die Einnahmeverluste könnten dazu verleiten, finanzkräftigen Investoren verstärkten Einfluss zu gewähren. Eine von Grindel angestoßene Aufhebung der 50+1-Regel wäre der erste Schritt.

BVB-Boss Watzke ist gegen eine Abschaffung der 50+1-Regel

BVB-Geschäftsführer Watzke wird er wohl nicht davon überzeugen können. „Ich werde jedenfalls weiter dagegen kämpfen“, sagte er im April – daran dürfte sich auch bis heute nichts geändert haben.

Mit dpa-Material

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