Kevin Großkreutz trifft auf die Liebe seines Lebens - doch am Freitag ruht die BVB-Verbundenheit

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Kevin Großkreutz steht vor dem Spiel seines Lebens: Mit dem KFC Uerdingen trifft der 31-Jährige im DFB-Pokal auf den BVB. Doch am Freitag ruht die Freundschaft für mindestens 90 Minuten.

Düsseldorf

, 07.08.2019, 15:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein großes Tattoo prangt auf dem mächtigen rechten Oberarm, es ist Töchterchen Leonie gewidmet. Ansonsten hat sich Kevin Großkreutz nicht sonderlich verändert, seit er vor nun schon vier Jahren Borussia Dortmund den Rücken kehrte. Großkreutz‘ linke Hand fährt oft durch den Drei-Tage-Bart, er ist ein wenig nervös, denn er sitzt nun wahrlich nicht in einer normalen Pressekonferenz vor einem Spiel.

Für Großkreutz geht ein Traum in Erfüllung

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Für Großkreutz ist es spät in seiner Karriere die Erfüllung eines langgehegten Traums. Das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub, mit dem er seine größten Erfolge feierte. KFC Uerdingen gegen den BVB, das ist in diesem Fall eher Kevin Großkreutz gegen die Liebe seines Lebens. Daran lässt der mittlerweile 31-Jährige auch gleich in seinem ersten Satz keine Zweifel: „Ich bin seit meiner Kindheit Fan, ich werde es immer bleiben.“ Natürlich aber vergisst er nicht zu erwähnen, dass die Freundschaft für 90 Minuten ruhen wird. Freitag, ab 20.45 Uhr. „Da gebe ich alles, damit der KFC erfolgreich sein wird.“

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Großkreutz über Pokal, BVB und seine neue Rolle

Dass Kevin Großkreutz noch einmal gegen den Klub spielen darf, der ihn zum Bundesliga- und auch Nationalspieler machte, das ist eine dieser Geschichten, die den Fußball so speziell machen. Seine persönliche Entwicklung und die seines Herzensvereins sind auseinandergedriftet in den vergangenen Jahren, Großkreutz kickt nach einer Odyssee über mehrere Stationen nun in der dritten Liga, der BVB ist einer der besten Klubs in Europa. Aus dem aktuellen Kader hat er noch mit Lukasz Piszczek, Marcel Schmelzer und natürlich Marco Reus zusammengespielt, zu ihnen und auch zur sportlichen Führung pflegt er weiter einen guten Kontakt. Der Pokal macht es möglich, dass sich alle nun wiedersehen.

Unschöner Abschied aus Dortmund

Sein Abschied aus Dortmund? Keine ganz runde Geschichte. Ein pflegeleichter Profi war Kevin Großkreutz nie. Aus der Dortmunder Zeit bleibt nicht nur die „Pinkel-Affäre“ in einem Berliner Hotel nach dem Double-Triumph 2012 negativ hängen. Als die Eskapaden zu viel wurden, war die Trennung unvermeidlich. Zumal er auch sportlich keine Rolle mehr spielte.

„Ich habe am Freitag einen eigenen Block im Stadion.“
Kevin Großkreutz

Der Neustart der Karriere war in Istanbul geplant, eine Wechselposse setzte ihn stattdessen ein halbes Jahr lang außer Gefecht. Stuttgart war die nächste Station, auch dort war der Abschied weniger schön. Mit Beulen im Gesicht und einem fetten blauen Auge, nachdem er mit Jugendspielern des Klubs durch die Stuttgarter Kneipenszene gezogen und in eine Schlägerei geraten war. Großkreutz spricht gleichwohl von einer „richtig geilen Zeit“ in Stuttgart, „Fans und Verein, das war super und werde ich nie vergessen.“

Großkreutz für vier Liga-Spiele gesperrt

Es folgte der Wechsel zu Darmstadt 98. Ein einjähriges Intermezzo als Gefälligkeit für Torsten Frings. Dann griff im Sommer 2018 der KFC Uerdingen zu. „Er lebt für Fußball, deshalb schätze ich ihn“, sagt Großkreutz‘ Trainer Heiko Vogel, „er war am Samstag Kapitän, das sagt alles.“ In der Kabine und auf dem Platz nehme Großkreutz eine wichtige Rolle ein. „Ich genieße es, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

Kevin Großkreutz trifft auf die Liebe seines Lebens - doch am Freitag ruht die BVB-Verbundenheit

Mit dem KFC Uerdingen will Großkreutz zurück in die 2. Bundesliga. © imago

Wie Großkreutz dieser Vorbildfunktion gerecht wurde, als er sich am Samstag im Spiel gegen Großaspach eine Tätlichkeit leistete, steht auf einem anderen Blatt. Der DFB nahm die Ermittlungen auf, Großkreutz zitterte vor dem Urteil des DFB-Sportgerichts, weil auch eine wettbewerbsübergreifende Sperre im Raum stand. Das hätte seinen großen Traum platzen lassen. Aufatmen durfte er erst am Mittwochvormittag, als das Urteil bekannt wurde: Vier Spiele Sperre, aber nur für die 3. Liga, Großkreutz und der KFC akzeptierten das Urteil. „Die Aktion war sehr unüberlegt von mir.“

200 Nachrichten und ein eigener Fanblock

Das große Spiel, es kann also kommen. 200 Nachrichten hatte Kevin Großkreutz binnen Sekunden auf seinem Handy, als das Los Dortmund gezogen wurde, über 200 Kartenanfragen hat er anschließend erfüllt. „Ich habe am Freitag einen eigenen Block im Stadion.“ Es werden besondere 90 oder 120 Minuten, mit Marco Reus hat er schon den Trikottausch nach dem Spiel vereinbart. „Er ist ein Freund seit über 14 Jahren.“

Auch wenn es wehtun würde: Großkreutz ist bereit, seinem Klub weh zu tun. Zur Not auch vom Punkt bei einem möglichen Elfmeterschießen, auch wenn er ein lausiger Schütze ist. „Ich habe viel zu viele verschossen, aber wenn der Trainer es will, werde ich versuchen, einen reinzumachen.“ Danach, egal, wie es ausgeht, darf Kevin Großkreutz dann wieder Fan sein. So wie sein ganzes bisheriges Leben lang.

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