Hochglanz-Produkt Bundesliga ist auf Kante genäht: Nun muss die DFL die Saison retten

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Das Hochglanz-Produkt Bundesliga ist auf Kante genäht. Die Coronavirus-Pandemie zeigt: Für einen Störfall gibt es keinen Krisenplan. Nun muss die DFL die Saison retten.

Dortmund

, 16.03.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für ihr Hochglanz-Produkt Bundesliga hat sich die Deutsche Fußball-Liga nur allzu gern auf die Schulter klopfen lassen. Es war ja auch alles so schön. Volle Stadien, eine perfekte Show, ständig steigende Umsatzzahlen, immer neue Rekorde bei der Rechtevergabe. Es wurde sehr viel und gutes Geld verdient in den vergangenen Jahren. Und es war chic, dabei zu sein. Doch wie sich heute zeigt, ist das Gebilde viel fragiler, als sich Otto Normalbürger das vorstellen konnte.

Für einen Störfall gibt es keinen Krisenplan

Die riesige Gelddruck-Maschine ist von einem Virus befallen. Wenn es nicht so makaber wäre, könnte man über dieses Bild vielleicht lachen. Bei vielen Vereinen ist das Mitmachen in diesem Zirkus auf Kante gestrickt. Fließt das Geld wie vereinbart, kommt man über die Runden und es ist alles gut. Für einen Störfall wie den jetzigen, der sich nicht durch Missmanagement oder sonstiges Fehlverhalten abgezeichnet hat, aber gibt es keinen Krisenplan.

DFL-Chef Christian Seifert hat am Montag auch seine persönliche Bedrückung über die Gesundheitsgefährdung durch das Coronavirus überzeugend dargelegt, da zeigte er mehr Empathie als manch anderer Meinungsträger in diesen Tagen. Und dennoch ließ auch Seifert keinen Zweifel daran, dass es bei allen Erwägungen und Bedenken beinahe unabdingbar ist, die Saison irgendwie zu Ende zu bringen. Ansonsten wird der Profi-Fußball, wie wir ihn heute kennen, im Sommer so nicht mehr existieren.

Die Bundesliga setzt auf den Faktor Zeit

Und er stellte sehr verständlich dar, dass es dabei nicht um die Millionen-Gehälter der Stars geht. Sondern um das wirtschaftliche Auskommen der über 50.000 Angestellten in den Klubs, die in diesem riesigen Apparat oft im Unsichtbaren ihre Arbeit leisten.

Insofern muss man wohl verstehen, dass die deutschen Profi-Klubs auf den Faktor Zeit setzen und die Saison unbedingt retten wollen. Wie abwegig das momentan auch erscheinen mag. Bitter ist die Erkenntnis, dass es dabei nur zweitrangig ist, ob Spiele vor oder ohne Publikum ausgetragen werden können. Natürlich hätte man die Emotionen gerne im Stadion, doch wichtiger ist, dass die Spiele im TV zu sehen sind. Weil vor allem dann die großen Gelder fließen. Die, die das Überleben auch der 50.000 unsichtbaren Angestellten sichern.

Es geht um den ungestörten Zufluss des Geldes

Der Sport, vor allem der Fußball, hat über die Jahre eine immense gesellschaftliche Bedeutung erlangt. Viele sagen, der Fußball sei der Kitt der Gesellschaft. Er vereint, er versöhnt, manchmal spaltet er auch, in jedem Fall lässt sich über ihn so herrlich streiten. Diese Kultur haben wir lieb gewonnen, sie gehört und bereichert unser tägliches Leben. Wie öde sind doch die Sommermonate, wenn der Ball ruht! Vielleicht aber wird der normale Fan nach dieser Krise einen anderen Blick auf den Profi-Fußball haben.

Denn jetzt sollte selbst der Letzte erkannt haben, dass es doch vor allem ums Geld geht. Und um den ungestörten Zufluss dieses Geldes, ohne den das ganze Konstrukt sehr schnell wie ein Kartenhaus zusammenzufallen droht.

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