Hopps unglückliches Friedensangebot - Kritik an ZDF-Berichterstattung

Fußball-Bundesliga

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp reicht den Ultras die Hand - doch die Bundesliga-Fanszene reagiert zurückhaltend. Kritik wird an der Berichterstattung des ZDF laut.

von dpa

Dortmund

, 06.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In den sozialen Netzwerken erntete nicht nur Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp deutliche Kritik für seinen Auftritt, sondern auch das ZDF.

In den sozialen Netzwerken erntete nicht nur Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp deutliche Kritik für seinen Auftritt, sondern auch das ZDF. © dpa

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp macht im Dauerstreit mit der Ultra-Szene in der Fußball-Bundesliga einen Schritt auf seine Gegner zu. „Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben. Ich will das aber alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist“, sagte Hopp in einem Beitrag für das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF.

Kritik an Hopp und ZDF in den sozialen Netzwerken

Der 79 Jahre alte Milliardär hofft auf ein Ende der wochenlangen Schmähungen gegen seine Person in den Stadien, wenn der Ball in der Bundesliga wieder rollt. In den sozialen Netzwerken erntete aber nicht nur Hopp deutliche Kritik für seinen Auftritt, sondern auch das ZDF.

Aufgrund der Tatsache, dass Hopp wegen seines Alters zum gefährdeten Personenkreis in der Pandemie gehört, wurde er nicht live befragt, auch nicht via Konferenzschaltung oder Telefon-Interview. Nach Angaben von Sportstudio-Gastgeber Jochen Breyer hatte das ZDF Fragen schriftlich geschickt, Hopp habe seine Antworten separat eingesprochen. Bereits in der Sendung hatte Breyer dazu gesagt: „Es gab keine Option, ihn hier live zu befragen.“ Zur Kritik an diesem Vorgehen wollte sich das ZDF nicht äußern. Kritik gab es aber auch an der Tatsache, dass Breyer im Januar den Neujahrsempfang der Hoffenheimer moderiert hatte. Dem 37-Jährigen wurde mangelnde journalistische Unabhängigkeit vorgeworfen.

DFB hebt Bewährung gegen den BVB auf

Hopp war vor der Zwangspause in der Bundesliga - wieder einmal - wochenlang in deutschen Stadien angefeindet worden. Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter Hassplakate gegen Hopp aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Klubs in Sinsheim ausgeschlossen. Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsidenten Reinhard Grindel 2017 ausgesetzt wurden, stoßen in der Fanszene auf heftige Ablehnung. „Ich würde denen gerne mal meine Geschichte mit der TSG Hoffenheim erzählen, die nun schon 66 Jahre andauert“, sagte Hopp und betonte: „Für die meiste Menschen war ich auch vor der Krise kein Buhmann.“

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Die Fanszene in Dortmund reagierte verhalten auf Hopps Auftritt. „Das Thema Dietmar Hopp ist uns zurzeit egal, das Statement von Dietmar Hopp spricht für sich“, sagte Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher des Bündnisses Südtribüne, in einer Stellungnahme für das „Aktuelle Sportstudio“. Hopp hatte bislang mit Anzeigen auf die Beleidigungen reagiert und zuletzt eine Gesprächsbereitschaft abgelehnt („Das ist sinnlos, die leben in einer anderen Welt“).

Die Situation eskaliert beim Hoffenheim-Heimspiel gegen München

Wegen der Hassplakate gegen Hoffenheims Mäzen hatte es mehrere Spielunterbrechungen in der Liga gegeben. Darunter war die denkwürdige Partie der TSG gegen den FC Bayern München, als sich beide Teams beim Stand von 6:0 für die Münchner aus Protest nur noch den Ball zuschoben. Hopp hat in der Corona-Krise außerhalb des Fußballs auf sich aufmerksam gemacht. Der SAP-Mitbegründer ist Mehrheitseigner des Tübinger Pharmaunternehmens CureVac, das an einem Impfstoff gegen das Virus forscht. Auf die Frage, ob der Kampf gegen das Coronavirus die teils kriminellen Angriffe auf ihn stoppen könnte, hatte Hopp schon im März gesagt: „Das ist in keinster Weise meine Motivation. Aber es wäre natürlich ein sehr schöner Nebeneffekt. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr mich diese Angriffe belasten.“

Der ProFans-Sprecher Sig Zelt hat derweil der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund eine Mitschuld an den teilweise beleidigenden Protesten gegeben. „Die Fanszenen haben gemerkt: Wenn sie möglichst beleidigend und laut vorgehen, dann werden sie gehört. Der DFB hat uns so erzogen“, sagte Zelt dem Internetportal „Sportbuzzer“ und beklagte mangelnde Mitbestimmung. Zu den Hassplakaten und -gesängen gegen Hopp sagte Zelt: „Persönliche Angriffe kann man nicht verteidigen, auch ich nicht.“

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