Im Klammergriff der Sponsoren: Die DFL gibt ein verheerendes Bild ab

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Erst unter großem Druck ringt sich die DFL zum sofortigen Bundesliga-Stopp durch. Die Krise offenbart, wie stark sich der Profifußball im Klammergriff der Sponsoren befindet.

Dortmund

, 13.03.2020, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man kann eigentlich nur den Kopf darüber schütteln, mit welcher Beharrlichkeit die Deutsche Fußball Liga auch am Freitag noch die Augen vor der sich so rasant verändernden Faktenlage rund um die Ausbreitung des Coronavirus verschloss und auf die Durchführung des 26. Spieltages in den obersten beiden Bundesligen drängte. Erst unter dem Druck eines immer größer werdenden Unverständnisses in der Öffentlichkeit und einiger Vereine, die gegen die Ansetzungen regelrecht Sturm liefen, rang sich die DFL zu der einzig vernünftigen Entscheidung durch.

Das späte Einknicken hat das verheerende Bild, das die DFL in den vergangenen Tagen und Wochen abgegeben hat, nur bestätigt. Den kommenden Spieltag stattfinden zu lassen, während überall der Sport zum Erliegen kommt und andere Sportarten schon konsequent ihren Betrieb unterbrochen oder die Saison sogar vorzeitig beendet haben, verstärkte nur den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Zwänge so großen Druck erzeugten, dass der gesunde Menschenverstand viel zu lange hinten angestellt wurde.

Die finanziellen Auswirkungen schwer abzuschätzen

Noch sind die finanziellen Auswirkungen schwer abzuschätzen. Reicht die dreiwöchige Pause nicht und muss die DFL Spieltage streichen oder die Saison vorzeitig beenden, drohen Rückzahlungen von Fernsehgeldern im hohen zwei- oder gar dreistelligen Millionenbereich. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht die Liga nicht umsonst in der größten Krise ihrer Geschichte. Die Krise zeigt daher vor allem, wie stark sich der Profifußball im Klammergriff der Gönner und Sponsoren befindet, wie groß die Abhängigkeit vom ungestörten und geregelten Geldfluss ist.

„The Show must go on“, diesem Grundsatz hat sich der Dachverband der deutschen Profimannschaften dann aber doch widersetzt. Gerade noch rechtzeitig, denn das Allgemeinwohl muss über wirtschaftlichen Interessen stehen. Es ist wichtig, jetzt sofort jeden Tag zu nutzen. Man muss kein ausgebildeter Mathematiker sein, um angesichts der Tatsache, dass sich die Fallzahlen derzeit binnen einer Woche verdoppeln und das Tempo neuer Infektionen eher noch zunehmen wird, zu wissen, dass ein konsequentes Handeln überfällig war.

Das Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht

Zum Herumlavieren der DFL hat aber auch die UEFA ein gutes Stück beigetragen. Eine frühzeitige Verschiebung der EM hätte den Druck von den nationalen Verbänden genommen - und die Neugestaltung der Terminplanung deutlich vereinfacht.

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Das rasante Tempo, mit dem die Ausbreitung des Virus den Entscheidern nicht nur im Sport, sondern im gesamten öffentlichen Leben den Handlungsspielraum genommen hat, lässt ohnehin befürchten, dass es mit den jetzt getroffenen Entscheidungen und einer Pause bis zum 2. April nicht getan sein wird. Das Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht.

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