In der Quarantäne erleben die BVB-Profis jeden Tag den gleichen Film

hzBorussia Dortmund

Der BVB steht vor dem ungewöhnlichsten Revierderby der Vereinsgeschichte. Dazu zählt auch die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Schalke. In der Quarantäne ist alles anders.

Dortmund

, 15.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein älteres Ehepaar geht im gemächlichem Tempo den Schirrmannweg hinauf - und muss auf der Schwelle zum Vier-Sterne Hotel „l’Arrivée Hotel & Spa“ stoppen. Zwei durchtrainierte, leicht grimmig dreinblickende Security-Mitarbeiter mit Gesichtsmaske fragen nach dem Ziel des Spaziergangs. Es soll in den hinter dem Hautgebäude liegenden Niederhofener Wald gehen. Antwort akzeptiert. Bitte weitergehen.

Das Dortmunder Mannschaftshotel im Dortmunder Süden gleicht in diesen Tagen einer stets gut bewachten Festung. Seit dem vergangenen Samstagabend residiert dort der rund 50 Personen umfassende BVB-Tross und unterzieht sich der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) in ihrem Hygienekonzept vorgeschriebenen Quarantänemaßnahme in Form eines Trainingslagers.

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Getreu dem Motto „Und täglich grüßt das Murmeltier“ spielt sich seither der fast immer identische Tagesspielfilm ab. Nach dem Frühstück geht es für Mats Hummels, Julian Brandt und Co. zum Training nach Brackel oder in den Signal Iduna Park - der Transport erfolgt in Anbetracht der strikten Hygieneregeln in mehreren Bussen. Ungeduscht geht es anschließend auf direktem Weg zurück ins Hotel. Lediglich das Trainerteam um Lucien Favre sowie der Betreuerstab legt die Wege im privaten PKW zurück. Duschen, Mittagessen und ganz viel Freizeit - so geht der Tag im Stadtteil Höchsten immer und immer wieder zu Ende.

BVB simuliert zweimal den Ernstfall im Signal Iduna Park

Von einem gewohnten Tagesablauf, wie man ihn bislang kannte, sind alle Beteiligten weit entfernt. Das Hotelpersonal ist auf ein Minimum reduziert worden, außerhalb der Einzelzimmer müssen die Spieler stets einen Mund-Nasen-Schutz tragen. In allen Räumen wird Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, die hauseigenen Fitnessräume sowie der Wellnessbereich sind tabu. Selbst für die Einstellung der Klimaanlage gibt es eine Empfehlung: „Nicht zu trockene Luft, 21 Grad, Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 Prozent.“

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BVB-Trainer Favre vor dem Derby: "Eine große Herausforderung"

Zweimal haben die Borussen in den vergangenen Tagen den Ernstfall simuliert und im Stadion Trainingsspiele unter wettkampfähnlichen Bedingungen durchgeführt. Nachdem die Politik am 6. Mai Grünes Licht für den Neustart der Bundesliga gegeben hatte, war der Kaltstart für die 36 Profi-Klubs vorprogrammiert. Nach knapp drei Wochen Training in Kleingruppen bleiben Favre bis zum Spiel am Samstag nur sieben Tage Zeit, die Mannschaft auf das einzustellen, wovon niemand weiß, wie es sein wird.

Der Signal Iduna Park unterzieht sich einem Facelift

Zumindest am Mittwoch konnte die Spieler im Signal Iduna Park erste Eindrücke sammeln, was da in den kommenden Wochen auf sie zukommt. Kurz vor 15.30 Uhr schallte das in Dortmund heilige „You’ll never walk alone“ über die Lautsprecher. Sogar Stadionsprecher Norbert Dickel schaute sich neben Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Lizenzspielleiter Sebastian Kehl die Generalprobe vor Ort an.

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Dickels zweites Wohnzimmer musste sich in den vergangenen Wochen einem notgedrungenen Facelift unterziehen. Jeder Mannschaft stehen nun zwei Kabinen zur Verfügung, Startelf und Auswechselspieler sind voneinander getrennt. Auf der Trainerbank werden statt der üblichen 22 nur noch fünf Personen sitzen. Die Reservisten nehmen auf der Osttribüne Platz. Ein Gewöhnungsprozess für alle Beteiligten.

BVB-Kader wird am Tag vor dem Neustart nochmals getestet

Bevor der Ball wieder rollt, muss sich das gesamte Team zwei Coronavirus-Tests unterziehen - der finale Abstrich wird am Tag vor dem Spiel genommen. Das soll die Gefahr einer Ansteckung auf ein Minimum reduzieren. Beim BVB liegt die Organisation in den Händen von Dr. Markus Braun, Leitender Arzt der Abteilung für Sportmedizin am Klinikum Westfalen und Mitglied der von der DFL ins Leben gerufenen „Task Force Sportmedizin / Sonderspielbetrieb“.

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Die mit Händen zu greifende Ungewissheit rund um das Comeback der deutschen Fußball-Beletage ist auch am „l’Arrivée“ zu spüren. Zwar schauen hin und wieder einige Fotografen vorbei, doch die sonst hier vor und an Spieltagen zahlreich vertretenen BVB-Fans sucht man in Zeiten der Coronakrise vergeblich. Das ist einerseits erfreulich, anderseits komplett surreal. Denn wo der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund auftaucht, bildet sich normalerweise binnen kürzester Zeit eine Menschentraube. Doch im Mai 2020 ist alles anders.

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