Die Frauenfußball-Mannschaft von Borussia Dortmund gewann ihr erstes Spiel gegen den TSV 1860 München und tritt am Mittwoch in Kamen an. © Schaper
Fußball

Irrer Hype: Kreisliga-Fußballerinnen des BVB sprechen von Wahnsinn

Große Gefühle, irrer Hype, tolle Atmosphäre. Die Fußballerinnen des BVB sorgten bei ihrem ersten Punktspiel für einen Zuschauer-Boom. Die Fan-Base hat offensichtlich den Frauenfußball entdeckt.

Was für ein Hype, was für Zuschauerzahlen. 1.625 Fans waren am Sonntag ins Stadion Rote Erde gekommen, um die Fußballerinnen des BVB bei ihrem ersten Punktspiel der kurzen Abteilungsgeschichte zu begleiten. 1.625 Fans bei einem Kreisliga-Fußballspiel? Unglaublich, nicht vorstellbar. Oder doch? Bereits bei der Premiere gegen München 1860 waren 1.300 Fans im Stadion Rote Erde. Ist das der Beginn eines neuen Trends, einer neuen Entwicklung? Zumindest aber hat die große Fan-Familie des BVB jetzt auch den Frauenfußball für sich entdeckt.

8:0 hieß es am Ende gegen die Gäste aus Brambauer. Mit dabei Annika Herbig und Hanna Schneider. Die eine spielte zuletzt bei RW Germania Westerfilde, die andere bei der SG Lütgendortmund. Was beide gemeinsam empfanden? „Dieses unbeschreibliche Gänsehaut-Gefühl, dieses unbekannte Gefühl der Wertschätzung“, so Hanna Schneider. Und als dann noch Mats Hummels und Marcel Schmelzer zum Siegerfotos auf den Platz kamen, war die Stimmung nicht mehr zu toppen. „Das war die Kirsche auf der Sahne“, lachte Annika Herbig.

Prominente Unterstützung bei den BVB-Frauen: Mats Hummels und Marcel Schmelzer.
Prominente Unterstützung bei den BVB-Frauen: Mats Hummels und Marcel Schmelzer. © BVB © BVB

Nicht nur die Profis Mats Hummels und Marcel Schmelzer waren da, auch Präsident Dr. Reinhard Rauball, Geschäftsführer Carsten Cramer und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung. Was sie sahen, war überwältigend und eine Bestätigung dafür, auch beim BVB das Projekt Frauenfußball ins Leben zu rufen und langfristig zu etablieren.

Gute 15 Minuten kam Annika Herbig zum Einsatz. Doch das reichte schon, um an dieser Atmosphäre teilzuhaben. „Es ist einfach grandios, dass der BVB solch eine Fan-Base hat. Natürlich wusste ich, dass der BVB ein Zuschauermagnet ist, aber 1.625 Zuschauer im Frauenfußball, dass hätte ich nie gedacht. Vor dieser Kulisse zu spielen, war ein tolles Gefühl“, erzählt die 25-jährige Offensivspielerin. Irgendwie verständlich, bewegen sich die Zuschauerzahlen im regionalen Frauenfußball doch eher im niedrigen dreistelligen Bereich – wenn überhaupt.

Die Frauen von Borussia Dortmund nehmen am 26. Juli den Trainingsbetrieb auf. „Das Interesse ist schon jetzt sehr groß“, sagt Abteilungsleiterin Svenja Schlenker. © BVB / Alexandre Simoes © BVB / Alexandre Simoes

Auch Tage später war Annika Herbig noch völlig begeistert. „Eigentlich kann ich‘s heute noch nicht fassen. Das gilt für die Zuschauerzahlen. Aber auch, dass ich überhaupt dabei bin bei diesem Projekt. Ich habe noch nie was anderes als Kreisliga gespielt. Und in unserer Mannschaft gibt es Spielerinnen mit einer ganz anderen Vita, die in der 2. Liga gespielt haben“, erklärt Herbig, die vor vier Jahren die Fußball-Schuhe an den Nagel gehängt hat, anschließend ihr Studium als Tourismus-Fachwirtin abschloss und eigentlich schon Schluss gemacht hatte mit dem Fußball. Als BVB-Coach Thomas Sulewski nach dem Casting bei ihr angerufen habe, so Herbig, sei sie doch sehr überrascht gewesen.

Eine „Gänsehaut“ hat auch Hanna Schneider heute noch, Tage nach dem Spiel am Sonntag in der Roten Erde. Dabei erlebte die 26-jährige Dortmunderin das Spiel aus einer komplett anderen Perspektive. Aufgrund einer Bänderverletzung kam sie noch nicht zum Einsatz, übernahm stattdessen andere Aufgaben. Und saß zusammen mit Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Sebastian Kehl auf der Tribüne. „Mit solchen berühmten Persönlichkeiten in einem Block im Stadion zu sitzen, das war ein Wahnsinn. Aber auch eine Wertschätzung für unseren Sport. Dazu die vielen Zuschauer, einfach unglaublich. Ich hatte nicht nur eine Gänsehaut, sondern auch das Kribbeln in den Füßen, dass ich auch wieder auf dem Platz auflaufen kann.“

Total überrascht vom Anruf des Trainers

Auch Hanna Schneider hatte längst mit dem aktiven Sport aufgehört. Lange spielte sie in Berghofen, bis 2017 bei der SG Lütgendortmund. Danach war Schluss, der Job bei der Stadt Dortmund und das gleichzeitig laufende Master-Studium der Betriebswirtschaft für New Public Management ließ keine Zeit mehr. Als Thomas Sulewski im Sommer bei ihr anrief, war sie total überrascht angesichts der „vielen jungen und talentierten Mädels“.

Und das soviel Fans ins Stadion gekommen sind? Für Hanna Schneider nicht wirklich eine Überraschung. „Ich habe irgendwie schon damit gerechnet, die Marke BVB sorgte für ein riesiges Interesse, auch international. In Lütgendortmund haben wir vor 30 oder 40 Zuschauern gespielt“, so die Defensiv-Spielerin. Die jetzt auf ihren ersten Einsatz wartet: „Das ist Vorfreude pur, ich bin mir sicher, dass ich die Nacht davor nicht schlafen werde.“

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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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