Jadon Sancho sorgt für einen besonderen Derby-Moment

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Jadon Sancho wollte trotz des Todes seiner Großmutter unbedingt im Derby spielen. Dort gehörte er zu den besten Borussen und schoss den Siegtreffer. Momente zwischen Heldentum und Trauer.

Dortmund

, 10.12.2018 / Lesedauer: 3 min

In seinen bisher 26 Bundesliga-Spielen hat Jadon Sancho schon das ein oder andere erlebt. Pleiten, Pech, seit dem Sommer Spektakel und Spaßfußball. Seine persönliche Erfolgssträhne spülte ihn bis in Englands Nationalmannschaft, beim BVB ist er unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger. Die vergangene Woche hatte dann gänzlich andere, emotionale und persönliche Herausforderungen für ihn parat. Sancho, mit nur 18 Jahren, meisterte auch diese. Und schrieb seine ganz eigene Derby-Geschichte.

Die 74. Minute auf Schalke, der Moment der Entscheidung: Jadon Sancho schaute dem Ball noch hinterher, das Spielgerät landete wie geplant flach und unhaltbar im hinteren Toreck. Er drehte nach links ab, richtete beide Zeigefinger zum Himmel, hielt für einen kurzen Moment inne – dann wurde er überrannt von seinen feiernden Teamkollegen. So ähnlich müssen am Samstag auch den 18-jährigen (!) Engländer eigenen Gefühle übermannt haben.

Jadon Sancho sorgt für einen besonderen Derby-Moment

Abdrehen zum Jubeln: Derbyheld Jadon Sancho widmete den Siegtreffer seiner verstorbenen Großmutter. © imago

Todesfall in der Familie, Siegtorschütze beim ersten Derby-Auswärtssieg seit fünf Jahren – ein emotionales Ab und Auf, das muss man erst einmal bewältigen. Seine Mitspieler und die BVB-Bosse zogen sinnbildlich alle Hüte vor Sancho.

Einen Tag vor dem Derby kehrte Sancho nach Dortmund zurück

„Dieses Tor widme ich meiner Großmutter, sie ist kürzlich gestorben. Ich werde sie immer lieben, und ich weiß, dass sie mit einem Lächeln auf mich blicken wird“, sagte Sancho nach der Partie. Mitte der Woche flog er nach London, wo er im Familienkreis trauerte, erst am Freitagabend kehrte er – nach mehreren verpassten Einheiten und Team-Sitzungen – in den Mannschaftskreis zurück.

„Es ist eine spezielle Woche für ihn gewesen“, betonte Lucien Favre. Der BVB-Trainer tauschte sich vor der Partie mit seinem Rechtsaußen aus und berichtete: „Er wollte unbedingt spielen.“ Also schickte ihn Favre auf den Platz.

Oczipka bekommt Sanchos unbändigen Spielwitz zu spüren

In der Offensive spielte Sancho, wie man ihn in dieser Saison kennt: mit unbändigem Spielwitz, fast perfekter Ballkontrolle im höchsten Tempo, immer wieder zog er Sprints an, riss Lücken. Seinem Gegenspieler Bastian Oczipka drohte Schwindel. Doch lange kam nichts Zählbares, nichts Zielführendes bei seinen Aktionen heraus. Bis zur 74. Minute.

Bei seinem Treffer zum 2:1 tauchte Sancho überraschend auf der linken Seite auf und nutzte nach feinem Zusammenspiel mit Raphael Guerreiro die große grüne Fläche Raum, die sich zwischen ihm und dem Tor auftat. Frei vor Schalke-Keeper Ralf Fährmann bewahrte er die Ruhe, schob überlegt ein. Eine Pass-Stafette wie diese haben die Borussen übrigens so und ähnlich im Training einstudiert. Es hat sich ausgezahlt.

„Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat eine starke Mentalität gezeigt.“
Marco Reus

Genau wie das Vertrauen, das Favre und der BVB-Sportdirektor in den 18-Jährigen gesetzt haben. Michael Zorc attestierte Borussias Rechtsaußen eine „Ausnahmeleistung“, gerade angesichts der vergangenen Tage. Sancho habe immer wieder den Ball behauptet in engen Situationen, sei mutig in die Offensivzweikämpfe gegangen. Als sei nichts gewesen.

„Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat eine starke Mentalität gezeigt“, betonte auch Marco Reus. Sancho sei es gelungen, sich trotz aller Umstände auf das Spiel zu fokussieren. „Kompliment“, meinte der BVB-Kapitän.

Sprechchöre für Jadon Sancho

Als Siegtorschütze im Derby hoben die rund 6000 Borussen-Fans ihn sogleich in den Heldenstatus und feierten „Jadon Sancho“ mit lauten und langen Sprechchören. Einzelne Spieler werden immer seltener besungen, Sancho hatte sich das in mehrfacher Hinsicht verdient.

In der Kabine streifte sich dann auch Sancho das gelbe T-Shirt mit der Aufschrift „Die Nummer eins im Pott sind wir“ und sendete später via Twitter seine Grüße an die Großmutter. Es sei ein „großartiges Gefühl, dieses Siegtor im großen Derby zu erzielen“, schrieb er. Dazu habe es einer großen Anstrengung von Mannschaft und Stab bedurft. Für ihn persönlich sei es „eine harte Woche“ gewesen. Es wird noch weitere, längere Augenblick der Ruhe brauchen, das alles zu verstehen. Für einen 18-Jährigen.

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