Senkrechtstarter, Rekordjäger, 100-Millionen-Mann: Jadon Sancho ist Borussia Dortmunds Aufsteiger der Saison 18/19. Der 19-Jährige verleiht dem BVB-Spiel eine ganz besondere Qualität - muss sich in einem wichtigen Bereich aber steigern.

Dortmund

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist knapp 24 Monate her, dass Jadon Sancho zum ersten Mal auf dem Trainingsgelände des BVB in Brackel gesichtet wurde. Farblich passte dieser Besuch unseres frischgebackenen BVB-Spielers der Saison wie Faust aufs Auge: Sancho trug einen gelben Pullover der Szenemarke „Off-White“, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Vielleicht etwas übervorsichtig, den Dortmunder Anhängern war der damals 17-Jährige nämlich noch kein Begriff.

Vom Talent zu einem der begehrtesten Spieler des Planeten

Kurz zuvor hatte Borussia Dortmund immerhin sieben Millionen Euro in die Hand genommen, um „eines der größten Talente im europäischen Fußball“ zu verpflichten, wie Sportdirektor Michael Zorc am 31. August in der zugehörigen Pressemitteilung zitiert wurde. Ja, diese Formulierung wird im Fußballjargon inflationär genutzt. Und ja, sie stimmt dann eher selten. Bei Jadon Sancho ist das anders, ganz anders.

Jadon Sancho verleiht dem BVB-Spiel besondere Qualität - muss sich aber weiter steigern

© Deltatre

Denn im Sommer 2019 ist Dortmunds Nummer sieben einer der begehrtesten Spieler des Planeten. Ein Hotspot am Ball. Sancho hat sich nach einer durchwachsenen und für den gesamten Verein schwierigen Spielzeit 17/18 zum besten Assistgeber der Bundesliga entwickelt (19). Er ist hinter Robert Lewandowski (34) und vor Marco Reus (29) der zweitbeste Scorer (31). Hinzu gesellen sich zwölf eigene Treffer.

Peter Stöger hatte so eine Ahnung

Dass Jadon Malik Sancho in diesem Maße durchstarten würde, ließ sich vor Beginn der Dortmunder Vizemeisterschaft-Saison kaum erwarten. Ex-Trainer Peter Stöger hatte es im April 2018 passend formuliert: „Wenn er klar bleibt in seiner Analyse, wenn er sich nicht verzettelt und wenn man ihn auch in Zukunft darauf hinweisen wird, wo er aufpassen muss, dann wird er sich hier durchsetzen.“ Damals hatte Sancho gerade seinen ersten Bundesliga-Treffer gegen Bayer Leverkusen erzielt.

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Seither hat sich bei Verein und Spieler viel getan: Ein neuer Trainer, ein Stammplatz, Debüt in der englischen Nationalmannschaft. Sancho ist das Gesicht des neuen BVB. Und das macht ihn bei Europas Topklubs begehrt. Nur logisch also, dass der Vertrag im Herbst 2018 kurzerhand bis 2022 verlängert wurde. Mehr Geld, keine Ausstiegsklausel. „Hier kann ich mich hervorragend entwickeln. Ich bin rundum glücklich, zufrieden und stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Hier entsteht etwas Großartiges“, sagte Sancho. Sein Markwert verdoppelte, verdreifachte, verfünffachte sich. Und kratzt mittlerweile an den 100 Millionen Euro.

„Talent ist zehn Prozent. Arbeit ist 90 Prozent.“

Als der permanente Dortmunder Höhenflug im Frühjahr endete, fiel auch Jadon Sancho für wenige Wochen ins Leistungsloch. Lucien Favre sprang ihm zur Seite: „Jadon ist ein sehr, sehr guter Spieler. Aber er ist erst 18. Mit 18 hat man Höhen und Tiefen. Es war auch am Anfang der Rückrunde sehr, sehr gut. Aber er muss noch viel lernen.“ Denn: „Ohne Arbeit existiert Talent nicht. Talent ist zehn Prozent. Arbeit ist 90 Prozent“, erklärte Professor Favre.

Im Saisonendspurt nahm Sancho dann wieder Fahrt auf - mit durchschnittlich 37 Sprints pro Bundesliga-Partie. Ein weiterer Bestwert einer langen Liste voller Rekordzahlen. Chapeau!


Perspektive für die Saison 2019/20:

Frühzeitig haben die Verantwortlichen des BVB betont, dass Jadon Sancho trotz wahrscheinlich höchst lukrativer Angebote in der kommenden Saison das Dortmunder Trikot tragen wird. Geht seine Entwicklung jedoch in Schallgeschwindigkeit weiter, dürfte er in den kommenden Jahren nur schwer zu halten sein.

Jadon Sancho verleiht dem BVB-Spiel besondere Qualität - muss sich aber weiter steigern

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Von den Offensiv-Qualitäten der Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard wird Jadon Sancho in der neuen Spielzeit profitieren. Andersherum genauso. Neue Rekord aufzustellen, sollte dabei bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr steht eine konstante Leistungsentwicklung über die gesamte Saison im Fokus. In möglichst jedem Spiel seine Bestleistung abrufen - in diesem Bereich muss Sancho sich noch verbessern. Die erfolgreiche Jagd nach einem Titel dürfte dabei förderlich sein.

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